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alter (weiser) Mann, kommunikativ (wenn es sein muss).

2019 Schweden 1.Teil

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06.06.2019 Donnerstag

Trotz nächtlichen Regens war es morgens kaum abgekühlt. Frühstück um 8 Uhr. Danach begann die Einlagerung der restlichen Reiseutensilien, vor allem der Lebensmittel. Noch nie war der Kühlschrank so voll wie auf dieser Tour. Die Fahrt im WoMo, meist mit eingeschalteter Klimaanlage, vollzog sich wie auf einem langsam dahinfließenden Strom. In Heiligenhafen bei Famila eine Palette Dosenbier gekauft nebst etlichen Lebensmitteln. Den Tank mit Diesel in der nahe gelegenen Tankstelle von Avia aufgefüllt. In Puttgarden erfuhr ich im Service-Center, dass man keine Camping-Key-Card kaufen konnte, die nach Informationen aus dem Reiseführer Vergünstigungen bei Fährtarifen und Campingplätzen mit sich bringen sollte. Das Ticket für die Überfahrt für Hin und Zurück betrug 242 €, mehr als ich vermutete. Bis Kopenhagen war meist 110 Km/h auf der Autobahn Richtgeschwindigkeit. Malmö war dann rechtzeitig ausgeschildert, die Maut angekündigt. Bezahlt wurde nach der Durchfahrt, kein Hinweis auf die zu zahlende Gebühr, nirgends. Nach ca. 6 Kilometern über die bemerkenswerte Brücke kam die Überraschung an der Mautkabine, 124 € für den Ausflug über den Öresund. Jola hat‘s gefallen, nur der Betrag war für den Gefallen reichlich üppig. Die Adresse des Stellplatzes führte dazu, dass wir gefühlt unendlich lange eine Straße nach oder durch Malmö fuhren und uns dies zu lang vorkam. Da zuvor der von mir ausfindig gemachte Campingplatz ausgeschildert war, wählte ich diesen als neues Ziel. „First Camp“ in Sibbarp bei Malmö entpuppte sich als außerordentlich umfangreiches Campingplatzgelände. Kurze Wartezeit an der Rezeption, dann den Platz 143 ergattert, ohne Reservierung. Zwei Übernachtungen (790 Kronen) gebucht. Die schwedische Krone lag bei ca. 10,60 für einen Euro. Den Platz 143 bei der ersten Anfahrt nicht gefunden. Dann lotste Jola mich in einen relativ kleinen Stellplatz zwischen einem mit Vogelkot vollgeschissenem Vorzelt und einem Wohnwagen mit danebenstehenden PKW. Unter Bäumen, keine Chance auf Fernsehempfang, egal. Der Mann vom Wohnwagen bot an, seinen Wagen wegzufahren, sein Platz sei so groß, genug Platz, den Wagen auf der anderen Seite abzustellen. Strom war angeschlossen, schwitzend dackelten wir dann zum Restaurant neben der Rezeption. Das öffnete erst um 17 Uhr, zu spät für einen warmen Snack. Wir erleichterten unseren Kühlschrank, aßen die geräucherte Flunder.

Sanitäranlagen ausgesprochen ordentlich, separate WC mit ovalem Waschbecken, Seifenspender, Papierhandtücher.

Erfuhr vom Nebenmann am Stellplatz den günstigsten Weg mit dem Rad ins Zentrum. Blick am Strand auf Öresundbrücke. Überraschend sah ich Menschen im Sund baden. Der Radweg, breit, glatt, geteert, führte uns entlang von Grünanlagen, Sportstätten, Strand und später ins Hafengelände, welches sich, wie schon so oft anderswo erlebt, im Wandel befand. Der Nationalfeiertag trug wahrscheinlich dazu bei, dass auch weniger schwedisch aussehende Menschen mit einem schwedischen Fähnchen herumwedelten.

Staunend wandten wir uns hin zu einem neu wirkenden Stadtteil mit interessanter Architektur, ruhigen Wohnbereichen, scheinbar autofrei, und dem neuen Wahrzeichen „Turning Torso“, ein in sich gedrehter 190m hoher Wohn-Turm. Im Rücken zog eine fast schwarze Wolkenfront auf. Die meist jungen Leute schien das wenig zu stören, leicht bekleidet lagen einige am Strand, der zwar nicht mit solchen wie auf Rügen oder bei uns in Travemünde konkurrieren konnte. Nach gut 11 Kilometern kehrten wir sicherheitshalber um. Im Yachthafen entdeckten wir den Wohnmobilstellplatz, angelegt auf dem Winterlager des Yachtclubs. 250 Schwedische Kronen pro Tag, natürlich günstiger als der Campingplatz. Sturm mit Sandwehen kam auf, niemand hastete davon, aber Aufbruchstimmung bemerkbar. Drei Mal sahen wir größere Gruppen von Menschen bei gymnastischen Aktivitäten unter Anleitung auf den Rasenflächen. Hier und da ein Regentropfen spornte uns zu einer höheren Drehzahl an. Die Öresundbrücke verschwand in der Ferne fast hinter einer schwarzen Regenwand. Eine Fähre durchquerte in der Mitte gerade die Brücke. Trocken erreichten wir den Stellplatz. An der Aufbautür klebte ein Zettel mit der Aufschrift „Wrong Parking“. Ärgerlich, wahrscheinlich hatte sich der „vollgekackte“ Nachbar beschwert. Anlass für mich, an der Rezeption nachzufragen und gleich um einen anderen Stellplatz zu bitten. Auf Platz Nummer 505 war dann auch TV-Empfang, dafür kein Rasen vor der Tür.

07.06.2019 Freitag

Nachts überwiegend trommelnde Regentropfen auf dem Dach. Natürlich hatte es sich morgens ordentlich abgekühlt, aber immerhin begann der Tag ohne nasse Bescherung von oben.

Den Stellplatz an der Rezeption umgebucht. Später wollte ich Brötchen kaufen, aber leider nahm man keine Euro an. EC-Karte hatte ich nicht dabei. Die Runde noch einmal absolviert, mit EC-Karte. Die Extrarunde brachte mich in den Genuss von frisch gebackenen warmen Brötchen. Komisch irgendwie, knapp 30 Kronen mit der Karte zu bezahlen.

Zwei „Gärtner“ pflegten den neben der Rezeption befindlichen hübsch angelegten Mini-Golf-Platz, der einige Malmöer Sehenswürdigkeiten an einzelnen Löchern en miniaturé nachgebildet aufwies.

In die Stadt fuhren wir diesmal eine etwas andere Strecke, als erstes Ziel anvisiert der Schlosspark und das Malmöhus. Das imposante Gebäude der Stadtbibliothek fiel uns an einem der Zugänge zum Schlosspark auf.

Etwas weiter entdeckten wir einen kleinen Botanischen Garten, in dem üppig allerhand Grünzeug wucherte. Inmitten der floralen Pracht ein – ehemaliges – Gewächshaus als Gästedomizil eines dazugehörenden Restaurants. In der Auslage leckere Küchlein und anderes. Aber uns schwebte ein Snack in den Markthallen vor, die als nächsten angesteuert werden sollten, deswegen verzichteten wir. Hinter dem Gewächshaus eine rote Ziegelfront, sie gehörte zum Malmöhus. Das Haus beherbergte ein Museum, im Innenhof ein Reliefdarstellung aus Bronze oder einem anderen Metall der Stadt Malmö. An einer der Gemäuerwände überdimensionierte Fotos von Bodybuildingfrauen.

Ansonsten wirkte die ehemalige Verteidigungsanlage wenig attraktiv. Nur ein paar Straßen weiter, zwischen den hohen Häusern von Malmö Live, fanden wir, etwas versteckt, die Markthallen. Um uns herum auf den Fußwegen lärmende Jugendliche, Mädchen alle in weiß, Jungen alle in Anzug mit Mützen a la Burschenschaft. Trillerpfeifen tönten und hallten von Häuserfronten. Ausgelassen zogen sie um Schulgebäude, fuhren auf LKW singend oder grölend durch Malmö, Fahnen aller möglichen Nationen schwenkend. Viele Farbige, Kopftuchtragende weibliche oder arabischstämmige Jungen unter den „Absolventen“. Woher die nicht gerade billigen Autos kamen, in denen Autokorso gefahren wurde, blieb ein Geheimnis.

In der Markthalle verschiedene Stände mit frisch zubereiteten Speisen, Käse-, Wurst- und Fleischstände ergänzten das Angebot. Fast zu jedem Stand gab es kleine reservierte Sitzplatzbereiche. Nach einer Inspizierung des internationalen Angebots bestellten wir asiatische Suppen, beide sehr lecker. Bezahlen ging nur bargeldlos, wie schon so oft erlebt.

Am Hafen stand ein kleiner Leuchtturm, zu dem wollte Jola gerne hin. Er befand sich am inneren Hafen, wirkte dort etwas verloren zwischen all den mächtigen Gebäuden. Auf dem Weg zur Fußgängerzone begegneten uns „metallene Musiker“, das Rathaus folgte kurz darauf. Vor dessen Gebäude auf dem Platz bauten zahlreiche Rowdys für den Activ Run allerhand Material zusammen. Im Stadtteil LillaTorg ließen wir die Räder für einen Spaziergang stehen.

Die Auslage eines Ökobäckers lockte zum Kauf eines Brotes, was erst später realisiert wurde. Endlich eine Bank entdeckt, dort wechselte man uns allerdings kein Geld. Dazu mussten wir in eine Wechselstube von Western Union, wo Jola 300 € umtauschte und wenig mehr als 3.000 Kronen erhielt.

Jola kaufte bei Flying Tigers ein Hängekörbchen für das WoMo. Unbedingt aufgesucht werden sollte noch das Café, welches Menschen mit Beeinträchtigungen betrieben. Es befand sich in der Nähe der Oper, nicht weit von Triangeln.

Die Lokalität wirkte mit seinem bunt zusammengewürfelten Interieur sonderbar, Jola meinte, ein Surfer hätte mit seinem behinderten Kind die Idee für diese Einrichtung gehabt. Der Bedienung fehlte in dem Gespräch mit mir ein Brocken Englisch, als sie mir erklären wollte, dass der Kaffee noch „durchlaufen“ musste. Ihr wurde von einer älteren Frau, Leiterin des Ladens vermutlich, auf die Sprünge geholfen. Der servierte Kuchen war schmackhaft.

Pildammsparken, eine weitere erholsame Grünanlage mit Teich, Pavillon und Turm. Triangeln, ein Zentrum für junge Leute vor einem Einkaufszentrum, und zentralem Busbahnhof im Untergrund. Nächstes Highlight war dann der Folkets Park, der auf dem Stadtplan eine Moschee als Zeichen aufwies.

Hier mehrten sich die pfeifenden Töne der Mädchen, röhrende Motoren und grölende Männer auf dem LKW. Der Park war dann eine riesige Spielwiese für Eltern mit Kindern. Die „Moschee“ eine Attrappe, davor eine Art Biergarten mit kleiner Bühne, auf der wohl bis vor Kurzem eine Band gespielt hatte.

Auf einer Grünfläche dann eine größere Bühne, davor Sitzbänke in Reihen, darauf vereinzelt Menschen, die auf etwas zu warten schienen. Sicher nicht auf die sich ständig wiederholende Werbung auf der Großbildleinwand. Nach und nach kamen immer mehr „Zuschauer“, setzten sich mit Decken auf den Rasen, tranken ein Gläschen Sekt, Bier oder anderes Unbekanntes. Gegen 18.45 Uhr eine Moderation eines Schweden und einer Schwedin (Muslimin mit Kopftuch), worum es ging, erschloss sich uns nicht. Dann eine Band, die laufend bekannte Hits ansang und deren Texte im Hintergrund auf der Leinwand zum Mitsingen zu lesen waren. Den Leuten hat‘s gefallen, die Stimmung schien gut.

08.06.2019 Samstag

Regen, er erwischte Jola nach dem morgendlichen Gang zu den Sanitäranlagen, so sie später berichtete. Es nieselte leicht vor sich her. Die Räder in der Garage verstaut, gefrühstückt, geduscht und dann gegen 10 Uhr verließen wir Malmö hin auf die E65 Richtung Ystad. Nasse Straßen verwirbelten reichlich Sprühregen, ansonsten klarte es am Himmel auf. Grüne Landschaften zogen leicht wellig vorbei. Die letzten Kilometer auf wechselnder dreispuriger Straße, deren sichere Abtrennung durch drei übereinander liegende Stahlseile gewährleistet war. Ystad begrüßte uns mit der Seesicht und dem Hafen, wo wir auch gleich, irriger Weise, hin zu einem Parkplatz abbogen (Platz für 70), wo einige Wohnmobile parkten. Es war allerdings nicht der Stellplatz an der Marina. Hier waren Parkplätze für Busse für vier Stunden ausgewiesen. Ich bog etwas weiter die Hauptstraße entlang zur Tourist-Information ab und stellte mich direkt auf einen freien Parkplatz vor das „Café Wallander“. Dieses Café war im Reiseführer genannt worden. Ich sammelte umfangreiches Material über die Stadt ein, erfuhr von der Mitarbeiterin, dass es einen Campingplatz gab, den sie mir empfahl, weil er exzellent sei. Bis zum Campingplatz zuckelten wir mit max. 40 Km/h durch den Ort und dann weiter auf der Straße Österlenden, bis wir nach gut 3 Kilometern den Campingplatz erreichten. Trotz der Bitte, einen baumfreien Platz zu bekommen, bugsierte uns der Verwalter auf seinem Rad zu einer Fläche zwischen Ferienhäusern und einem Wohnwagen. Zwar genug Platz inmitten hoch aufragender Nadelgehölze, aber leider kein Fernsehempfang. Da half auch kein umparken oder wenden. Die Sonne hatte mittlerweile die Oberhand am Wetterhorizont übernommen.

Jola schien geneigt, heute einige unserer Vorräte zu einem Mittagessen zu verarbeiten. Kartoffeln, Krabben und Eier wanderten in die Pfanne, dazu einen Salat und zum Nachtisch die Zimtschnecken, von denen sich eine als ein Stück ohne Zimt herausstellte, dafür gestoßenen Kardamom enthielt.

Danach fuhren wir mit dem Rad nach Ystad, auf dem Promenadenweg sahen wir zwischen Gestrüpp und Bäumen etliche Badehäuschen in unterschiedlichen Formen und diversen Farbtönen. Dazwischen vereinzelt herrschaftliche Villen.

Jola suchte dann den Stellplatz an der Marina, der alsbald gefunden wurde. Gut gelegen, voll ausgelastet, „closed“. Direkt vorbei führte die Eisenbahnlinie, auf der Milka-Züge leise hin und her huschten. Die lilafarbenen Züge und Waggons erinnerten mich sehr an Produkte der genannten Schokoladenmarke.

Danach eroberten wir das idyllische Innenleben der Altstadt mit seinen vielen Fachwerkhäusern, engen Gassen, dem Marktplatz an der Marienkirche, wo wir unsere Räder anketteten. Zuvor fiel uns Utas Glassmakeri auf, ein Eisladen, bei dem wir später uns verköstigten. Beim Kloster stöberten wir im Kräutergarten, folgten später einem Rundgang, der uns u.a. zu den Filmstudios führen sollte. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir einen riesigen schwarzen Komplex, das Schwimmbad mit überdimensionierter Rutsche. Das Filmstudio war auf einem ehemaligen Kasernengeländekomplex untergebracht. Das gesamte Areal machte auf mich eher den Eindruck eines etwas zu groß geratenen Gutshofgeländes als auf eine ehemalige militärische Anlage. Das Studio hatte nicht geöffnet.

Den Rundweg gingen wir nicht bis zum Ende, kehrten hier auf den Weg zurück in die Altstadt. Hier und da hübsche Ensembles, manches erinnerte ein wenig an Straßenzüge in Eutin, wo vor den meisten Häusern Rosen wuchsen. Wieder mit unseren Rädern unterwegs, fanden wir den Eisladen, aus dem Jola uns zwei Becher schmackhaftes Eis mitbrachte. Durch die offene Tür hörte ich deutsche Gesprächsfetzen. Die Inhaberin war Deutsche, vor gut 30 Jahren aus Frankfurt hierher ausgewandert.

Auf dem Rückweg drehte ich ein kurzes Video von den Badehäuschen.

Auf dem Campingplatz schien es so, als fände eine Weltmeisterschaft der Griller statt, fast von jedem Platz stiegen Rauchsäulen auf und Düfte waberten übers Gelände.

09.06.2019 Sonntag

Sonne wie versprochen, den ganzen Tag über.

Wenn nur der stürmische Wind nicht so an uns gezerrt hätte! Die Brötchen aus diesem Shop erwiesen sich als durchaus essbar, standen denen in Lübeck eigentlich um nichts nach. Losgefahren sind wir gegen 10 Uhr, erst wieder über die Straße zur Seebrücke, von wo aus der „Südschwedenweg Nr. 3“ durch waldiges Gebiet führte. Rechts rauschte das Meer, links der stürmische Wind, dazwischen die vorbeizischenden Autos. Wo der Wald zum Meer hin lichter wurde, konnten wir gischtige Wellen mit kleinen weißen Kronen an den Strand rollen sehen. In Abständen ragten Wehrbunker aus dem 2. Weltkrieg als Relikte einer unschönen Zeit aus dem Sandboden. Aktuell scheinbar als Windschutz oder von Kindern als Kletterwand genutzt. In Nybrostrand bemerkten wir, dass wir gar nicht auf dem Campingplatz dieses Ortes standen, denn hier befand sich ein weiterer. So erklärte sich auch die Entfernungsangabe von 18 Kilometern im Reiseführer nach Kåseberga zu dem Monument „Alesstenar”. Einmal die Landstraße unterquert, schon war es vorbei mit dem weichen Waldboden, auf asphaltiertem Radweg. Immerhin ein separater Radweg, der allerdings nicht mehr lange Bestand haben sollte. Weiter ging es direkt an der befahrenen Straße entlang des rechter Hand gelegenen militärischen Sperrgebietes. Gleichzeitig muss das Areal als Naturreservat ausgewiesen worden sein, denn alle ca. 100m ein gelbes Schild mit rotem Rand und der Aufschrift ”Lebensgefahr”. Trotz dieser Warnhinweise führten Wanderwege durch das Gelände. Die Landschaft veränderte sich hin zu einer an Voralpenpanorama erinnerndes Gelände. Sanft schwangen sich Hügel zur Meerseite hinauf, an deren „Hänge” verschiedenste Kuharten grasten, dösten oder, wie einmal erlebt, plötzlich im Pulk in Trab gerieten und davon stoben. Mohnblumen waren an der Strecke keine Seltenheit, manchmal schien es, als wenn sie als Begrenzung eines Rains dienten, üppig und stets ein fürs Auge gemachter Hingucker. Schonen, oder „Skåne”, wie dieser Distrikt hier hieß, war einst die Kornkammer Dänemarks (bis ins 1.700 Jahrhundert). Die „Wölbungen“ rührten vermutlich aus kontinentalen Verschiebungen her. Gegen den Sturm ankämpfend, den steten Überholmanövern von Wohnmobilfahrern Beachtung schenkend, stratzten wir die meist schnurgerade Straße dem Ziel entgegen.

Vor Kåseberga einen steilen Hügel hinauf, dann zum Ort bzw. Stell- und Parkplatz hinab. 700 Meter mussten wir danach zu Fuß wandern, erst ein Stück eingezäunten Weg, an dem sich die Informationstafel befand, dann über eine mit niedrigem Bewuchs gesegnete Ebene, gegen orkanartige Winde ankämpfend. In der Ferne wuselten Menschen zwischen den merkwürdig angeordneten Steine herum, Fotos für Facebook, Whatsapp oder Instagram schießend. Alesstenar, wir waren angekommen bei diesem ca. 3.500 Jahre alten Monument. Nicht nur wir, auch eine kleine Anzahl Weidevieh bewegte sich in Richtung Hang zur Küste, vielleicht schmeckte das Gras hier an einem spirituellen Ort besonders gut. Der Sturm ließ eine ruhige Hand an der Kamera kaum zu, zerrte am Arm, als wolle er verhindern, dass Fotos in guter Qualität gemacht würden, das Geheimnis dieser Steinkolosse bewahrend.

Das abfallende Gelände zum Wasser hin war bewachsen, auffällig oft wieder Mohn dabei. Keine abbröckelnde Steilküste wie bei uns an der Ostsee. Im dunstigen Lichte der Ferne sah man schemenhaft Schiffe auf dem Wasser, vielleicht war eins davon der Katamaran auf dem Weg nach Bornholm. Die Sonne stand hoch, gemerkt hatte ich den Tag über kaum etwas von ihrer Strahlkraft, der Wind erledigte seine Arbeit perfekt, kühlte ohne Ende.

Hunger machte sich bemerkbar, zwar erst nur leicht, quasi verdeckt wirkend. Einkehrmöglichkeiten dachten wir, gäbe es in Löderups Strandbad, nur vier Kilometer entfernt. Dort sollte es etwas zum Hunger stillen geben.

Eine ziemlich lange Straße durch ein typisch bewachsenes Strandareal wies links und rechts Ferienhäuser like Skandinavien, aber auch kostspielig aussehende Bungalows auf. Nur Vernünftiges zu essen fanden wir nicht.

Kehrtwende, Mütze wieder festhalten, sonst versengte die Sonne das Haupt. In regelmäßigen Abständen standen am Wegesrand hübsch aufgereiht die Briefkästen für die in den Stichstraßen gelegenen Häuser bzw. deren Bewohner.

Keinesfalls noch w e i t e r fahren, den Rückweg antreten, ggf. bis nach Ystad und dort ein Lokal entern. Doch ein unscheinbar wirkendes Ensemble namens Backagården, am Straßenrand gelegen, lockte zu einem Stopp. Der Eingang vermittelte noch kein Caféflair, wirkte eher wie ein Ausstellungsraum für Kunstobjekte. Weitere Räume sogen mich quasi hinein in die Tiefe bis zum Tresen mit Speisen und Getränken. Hier fand man in der Auslage Kardamomschnecken, leckere Optik und sie schmeckten genau so gut wie sie aussahen (Jola liefert den Beweis). Einen Pott Kaffee für jeden dazu und der eigentlichen Hunger war in diesem umgestalteten Gewächshaus als apartes Pausenplätzchen inmitten von rankendem Wein und anderen es warm liebenden Pflanzen schnell vertrieben. Der verlegte Fußboden aus hellem Ziegelstein erinnerte mich sogleich an die Stelle im Roman „Altes Land“, wo der Freie Journalist Burkhard über die beiden Hofsteinpflasterer lästernd herzog und diese ihm seine Einfahrt verhunzten. Auf dem Bild wirkte dieser Fußboden ziemlich gelungen!

Nach der Erholungspause strampelten wir dann wieder ordentlich in die Pedale. Der Mohn mit seinem Farbenspiel begleitete mich permanent. Eine hübsche Kombination mit Kornblumen hatte ich auf einem Schnappschuss abgelichtet, zu sehen war dann von dem Farbspiel leider nichts, deshalb hier weggelassen. Wieder überholten uns auf dem Straßenabschnitt ohne Radweg Wohnmobile oder kamen uns regelmäßig entgegen. Der Wind ließ nicht locker, außer im Abschnitt durch das Waldgebiet hinter Nybrostrand.

Bei der Durchfahrt eine Lücke aufs Meer gesehen, hier hatte sich das Wasser wie in einer Lagune gesammelt. Gegen 15 Uhr waren wir wieder am WoMo, ich froh, dem stetig zerrenden Wind endlich entkommen zu sein.

Pause, bzw. den Wagen verschoben, was letztendlich nichts nutzte, die Schüssel drehte sich wieder minutenlang, und senkte sich unverrichteter Dinge in die Ausgangsposition. Kein Fernsehen am Abend, vielleicht auch gut so.

Nach der Ruhephase meldete sich der Magen wieder zu Wort, wollte Nachschub. Jola präferierte die Fischräucherei am Wohnmobilstellplatz am Hafen. Der hatte heute geschlossen, so blieb als Alternative das Hafenrestaurant, bei dem sich Jola besonders gerne an das Heringsgericht mit Stampfkartoffeln und Preiselbeeren erinnerte.

10.06.2019 Montag

Ein grauer Himmel, kühle Temperatur, beides erleichterte den Abgang von Ystad. Jolas Wunsch war, zunächst nach Simrishamn (=…hafen) zu fahren. Wir blieben auf der wenig frequentierten 9, entspannt erreichten wir den Ort, parkten kurz am Touristenbüro, wo Jola ein paar Prospekte einsammelte. Zunehmender Regen verhinderte einen Spaziergang durch die Gassen mit seinen „pittoresken“ Häusern (so der Ton im Reiseführer). Kein Kilometer gefahren, standen wir auf einem fast leeren Parkplatz. Mit Schirm und Wollmütze gewappnet begann die Besichtigung, wobei mir sogleich die an den Häusern befestigten Straßenschilder auffielen. In Schreibschrift standen darauf die Namen. Ein bisschen wirkten einige Gassen wie die in Lübeck. An der Kirche ein kleines Zentrum mit Marktplatz, auf dem Blumen und Erdbeeren verkauft wurden. Ein Geschäft nannte sich „Lübecker Stor“, verkaufte Schuhe unterschiedlicher Marken. Ein Denkmalschild erinnerte an Besitzer und Produktionsstätten, eine war davon eine Porter-Brauerei. Mit „Lübeck“ durfte es wohl nichts zu tun gehabt haben. An einer Straßenecke glitt ein elektrisch betriebenes Reinigungsgerät an der Hand eines farbigen Mannes vorbei. Fast geräuschlos verschwand Unrat durch den Rüssel am Gerät in den fahrbaren Mülleimer. Genug gesehen, auf dem Weg zum WoMo vor einem Käsegeschäft einen Blick in die Auslage geworfen, leckere Sachen entdeckt, u.a. das Angebot, ein Mittagsmenü für 100 Kronen. Das kam etwas zu früh, es war noch nicht 12 Uhr.

Nahe an der Küste führte die Straße durch kleine Orte wie bspw. Vik und am Nationalpark vorbei nach Kivik. Bevor wir ins Ortszentrum fuhren, besuchten wir die allseits beschriebene Mosterei, die etwas abgelegen lag. In dem zunächst unscheinbaren Gebäude befanden sich neben einem großen Verkaufsraum, ein Schauraum mit „Fermentiertem“ (Eingemachtem), eine museal nachgebaute Produktionsstätte aus früherer Zeit, ein Spielecke sowie ein Außenbereich mit Musterbepflanzung verschiedener Apfelsorten. Jola kaufte im Verkaufsraum diverse Produkte.

Auf dem Weg zum Hafen lotste Jola mich auf ein Hof-Café, das geschlossen war. Umgekehrt und den Weg zurück bis zur Abzweigung, wo wir kurz darauf die riesige steinerne Grabstätte fanden, die ca. 3.500 Jahre alt sein sollte. 30 Kronen pro Person Eintritt waren im Café zu entrichten, durch das wir das Gelände betreten durften. Der Steinhaufen sah aus der Nähe eher wie eine größere Kokshalde aus. Ursprünglich muss das Grab noch um einiges größer gewesen, denn die Historie besagte, dass vor der Entdeckung des Grabes Steine auf einer extra eingerichteten Bahnlinie abtransportiert worden waren. Das Grab selbst fanden Arbeiter, weil sie durch ein Loch ins Innere stürzten.

Wie ein Sammelbecken sah dieses Rund aus den meist kopfgroßen Steinen inmitten von wild wachsendem Grün aus. Der Eingang führte in das dunkle Innere, das Grab. Im Zentrum, abgetrennt durch Eisendraht, mehrere Steinplatten mit Zeichnungen oder Einritzungen.

Im Ort die Fischräucherei am Hafen aufgesucht, dort geparkt, und im Restaurant mit Blick auf das Meer gegessen.

Nach Sölvesborg hin nahm der Verkehr zu, der Regen ab. Hörvik fanden wir nicht sofort, brauchten die Hilfe des Navi. Einsam lag der Stellplatz in einem Gott verdammt verlassen wirkenden Ort am Hafen, wo zwei andere Wohnmobile standen. Nach kurzer Überlegung Abfahrt. Jola wollte den Stellplatz am Hafen des Nachbarortes eine Visite abstatten. Dort angekommen, erschien dieser Stellplatz uns noch weit erbärmlicher. Mich trieb es weiter zum Campingplatz nach Norje. Überrascht registrierten wir auf dem Weg zum Platz, dass gerade ein über Pfingsten stattgefundenes großes Rock-Festival (Schweden-Rock) zu Ende gegangen war. Abbau- und Aufräumarbeiten waren am Tage danach im Gange. Hier musste es ähnlich wie in Wacken zugegangen sein.

Auf dem Campingplatzgelände durften wir uns einen Platz aussuchen, fanden zwischen all den hübsch aussehenden Ferienhäusern keinen. Auf der Wiese, neben dem neu wirkenden Sanitärgebäude, ohne Bäume, das war dann genau der richtige für mich. Platz 219.

Ein heißer Tee, dann mit den Rädern durch das Rock-Areal in den Ort, der nicht allzu viel zu bieten hatte, meist hingen oder standen noch Angebote an die Festivalbesucher am Straßenrand (Frühstück etc.). In einem Hofladen kaufte Jola junge Kartoffel und Eier, ohne einen Karton dafür zu bekommen. Der Rest unserer „Stadtrundfahrt“ musste daher sehr vorsichtig absolviert werden.

An manchen Ecken trennten provisorische Zäune sogar Grundstücke vom Gehweg ab, wahrscheinlich auf Wunsch der Hausbesitzer, um vor marodierenden Besuchern geschützt zu sein.

Wir bekamen dann wenig später nach unserer Rückkehr auf den Campingplatz Nachbarn von einem Kieler Paar. Die Anmeldung an der Rezeption hatte geschlossen und ich wurde um „Stromanschluss“ gebeten.

Kurzer Austausch über Reiseerfahrungen, die beiden kamen gerade von der Insel Öland.

11.06.2019 Dienstag

Noch keine Sonne am Himmel zu sehen, im Gegenteil, aus der grauen Suppe tröpfelte es hie und da. Die Kieler nahmen dankend unsere Tallykey-Card an, für WC und Dusche. Weiche Brötchen und ein Croissant besorgte Jola vom Shop. Leider fehlte der laut Internetseite vorhergesagte sonnige Tagesbeginn total, stattdessen begann es bei Abfahrt zu regnen. Einmal winken und gegenseitig sich „gute Reise wünschen“, so ließen wir die Kieler zurück.

Ausgesucht und die Adresse ins Navi eingegeben hatte ich einen Zeltplatz in Listerby. Die Ausfahrt lag ca. 6 Km hinter Ronneby. Ein Hinweisschild zeigte 7 Km bis zum Campingplatz an. Es wurde immer einsamer auf der Strecke, ab und an ein typisches schwedisches Holzhaus zwischen den riesigen moosbewachsenen Felsbrocken und Bäumen. Ich parkte an der Rezeption, beide waren wir über den Standort wenig glücklich. An der Versorgungsstation stand ein VW-Bus aus Cuxhaven. Ich sprach die Leute an, die es hier für die eine Übernachtung ganz nett fanden. Sie empfahlen eine Wanderung auf der über eine Holzbrücke erreichbaren „Insel“. Nach Ronneby sei es ihnen zu weit gewesen.

Ohne weitere Nachfrage verließen wir den Campingplatz wieder, ich ortete im Navi einen Stellplatz direkt in Ronneby. Wieder einige Kilometer über enge Nebenstraßen. Der Stellplatz zwischen Hafen und Stadt gehörte zum Golfclub. Kein Fahrzeug stand hier. Wählte die Nummer 2, nachdem der Fernsehempfang ausprobiert wurde. An der Rezeption gebucht, 150 Kronen, Dusche, Strom und WC inklusive. Sogar nachts war der Zugang zum WC mit einem Code möglich. Zu unserer Freude erwärmte es sich, blieb trocken und bot daher die Gelegenheit, den Ort zu entdecken. Wir durchforsteten zuerst den „Brunnspark“, der zu einem Kulturreservat gehörte und an das ehemalige Kurgelände angrenzte. Bis zum Park fuhr man an dem schmalen Fluss Ronnebyån entlang, kleine Motorboote lagen vereinzelt am Ufer vor den typischen Häuserfronten. Vor dem Park das Spaßbad mit dem Spa-Bereich. Im Freibad schien gerade eine schulische Feier stattzufinden, Essen und Trinken, angezogen und ausgezogenen Menschen tummelten sich am Beckenrand und auf der Rasenfläche.

Mehrere Hinweisschilder an dem ersten Weg boten alternative Routen durch das Parkgelände. Wir wählten den „Aufstieg” in Richtung Japanischer Garten und Trollsee.

Ein mystisch anmutender Weg brachte uns nach der Auffahrt zuerst geologisches Wissen über Gesteinsarten näher, dann an den See, auf dem Seerosen wuchsen und über dem scheinbar ein alter Troll mit seinem Nachwuchs wachte.

Beeindruckt vom Ausmaß, wähnte ich mich in einer kleineren Version der Landschaft aus dem Film „Herr der Ringe“. Der japanische Garten überzeugte im vorgefunden Zustand nicht besonders, beinahe wäre ich auch noch auf den glitschigen Holzbohlen eines Steges ausgerutscht. Meist wuchsen um den Weg herum Farne, die sich im feuchten Unterholz wohlzufühlen schienen. Kreisten dann weiter im Park, verließen ihn und gelangten wieder an den Fluss, der uns in Richtung Zentrum brachte. Das Tourist-Büro aufgesucht, wo mir eine schnell englisch sprechende, hochaufgeschossene, brünette, langhaarige und, besonders bemerkenswert: mit verschiedenfarbig lackierten, extrem langen Fingernägeln, Prospekt- und Kartenmaterial aushändigte. Ich konnte mich gar nicht richtig konzentrieren, starrte ständig auf die glitzernden Fingernägel ihrer Hand, die erklärend über die ausgeklappte Umgebungskarte wanderten.

Nach einem Spaziergang durch die Fußgängerzone entdeckten wir das Kulturzentrum, in dem es günstigen Mittagstisch gab. Es schien ein attraktives Angebot zu sein und so blieben wir dort zum Essen. Für 95 Kronen durften man aus verschiedenen „Töpfen“ etwas auf sein Tellerchen legen, ein Getränk zapfen, einen Salatteller bis zum Rand aufhäufend füllen und anschließend einen Pott Kaffee zum „Nachspülen“ vom Tresen holen. Dazu, als Krönung, zwei Industriekekse als süßen Abschluss.

Die im Kulturzentrum integrierte Kunsthalle war leider wegen einer Kuratierung geschlossen. Ich hatte, ausschließlich für Jola, im Internet nach einem Lidl in Ronneby gesucht und eine Adresse gefunden. Jola wünschte vorher einen Besuch in Kallinge, wo es einen Fabrikverkauf von Eisenwaren, vor allem Pfannen und Töpfe, gab.

Immer auf einem breiten Radweg an der Zubringerstraße zur Autobahn entlang, hügelig ging es mal hinauf, mal hinab. Der Shop bot verschiedenste Pfannen, oft extra ausgewiesen als Steakpfanne, sogar Teekannen, alles, was man auf einem Herd unter Hitze nehmen kann. Wankelmütig hielt ich eine kleinere Pfanne in der Hand, damit schon beinahe auf dem Weg zur Kasse, siegte schnell die Vernunft und: nichts gekauft.

Lidl fanden wir dann, als wir ein Fabrikgelände umrundet hatten und von oben steil auf ein Gewerbegebiet zufuhren. Jola war sogleich in ihrem Element. Die Ware schaffte Jola in ihrem Fahrradkorb sicher nach Hause. Ein bisschen Buh Buh gemacht, Jola schrieb derweil Postkarten voll, die ich mit meinem Signet ergänzen durfte.

Auf schnurgerader Straße zurück nach Ronneby. Am Rande der Promenade eine herrschaftliche Villa,

oder die alte Trinkkurhalle aus dem Jahre 1897. Ziemlich viel Publikumsverkehr am Kiosk und auf den Spazierwegen, es muss eine Schulabschlussfeier gewesen sein, festliche Kleidung hing an Körpern, die manchmal diese Kleidung nicht verdient hätten.

Feierabend war für uns dann gegen 18.15 Uhr.

12.06.2019 Mittwoch

Nachts Gewitter und Regentropfen, die sich anhörten wie Hagelkörner. Immerhin war morgens das Schlimmste vorbei, sogar der Regen hatte aufgehört. Ausnahmsweise gab es keine Brötchen zum Frühstück, Knäckebrot und schwarzes Pumpernickel taten es auch.

Der Plan war, eine Rundreise zu machen:

Über den Hafen nach Gö, bis dahin ca. 10 Km reine grüne Natur. Das Naturreservat umfasste einen Großteil der Halbinsel. Der Ort schien neben den älteren Häusern einige neue Grundstücke zu generieren. Neue Nachbarn!

Brutplätze für Vögel, vermutlich meist Graugänse. Wie die Gänse mit dem dunklen Hals hießen, war mir gerade nicht geläufig gewesen. Einmal sahen wir ein Reh inmitten tiefen Grases mit abgestellten Ohren aufmerksam die Gegend observieren. Elche sah ich leider keine. Pferde und Kühe dagegen auf Weiden, manchmal schien es, als wenn sie sich vor den Bauern versteckten. Fohlen dösten liegend in der Sonne auf einer scheinbar frisch gemähten Wiese, Muttertiere wachten ganz in der Nähe. An vielen Stellen das Zeichen „ӕ“ für eine Grabstelle oder ein anderes urzeitliches Monument. Die Naturkräfte meinten es nicht besonders gut mit uns, zumindest die, die Wind erzeugten. Selbst mit erhöhter elektrischer Unterstützung kam ich abschüssige Straßen nur mühsam voran. Jola hingegen ließ im Turbo-Modus ihren „Porsche“ von der Leine und eilte oft hunderte Meter voraus.

Bis Listerby mussten wir durchhalten, denn Verpflegung für ein Picknick unterwegs hatten wir nicht dabei. In Listerby sollte es ein Restaurant geben!

Wir begegneten Abzweigungen, die wir mit dem WoMo bereits von der Rückfahrt des Campingplatzes gefahren waren. Endlich im Ort angekommen, musste dieser bis zur Kreuzung der „27“ durchfahren werden. Strategisch günstige Lage, wie ein Trucker-Treff, nur hier gab es auch die bekannten Vergünstigungen für Pensionäre, die Jola an der Kasse einforderte und erhielt. LKW-Fahrer, alleinstehende ältere Damen in Gesellschaft dergleichen, junge Pferdetransporteurinnen (in einem schicken Outfit) sahen wir als Gäste. Das Essen darf ich ruhigen Gewissens als keine Bereicherung bezeichnen. Satt wurde ich trotzdem.

Nun begann die Fahrt ins Paradies, so Jolas Prophezeiung. Sie hatte etwas über den nächsten Ort Juhannishus gehört. Umso enttäuschender war die Durchfahrt. Weder hübsche Häuser, noch sonst etwas, was man als Sicht ins Paradies oder des Daseins in demselben bezeichnen könnte. Zum Schloss waren es ca. zwei weitere Kilometer. Hübsch gelegen, total einsam, kein Mensch zu sehen. Zwar durfte man auf Sandwegen zwischen Gebäuden herumfahren, es fehlte aber aufklärende Information über Herkunft, Besitz etc. Eine Abkürzung nach Ronneby über Edestad bescherte uns eine Rundreise durch nicht beschildertes Waldgebiet, Befürchtung: nur nicht verirren! Einmal links abgebogen und wir standen wieder vor der Schlossanlage mit seinen beginnend verblühenden Rhododendronbüschen.

Ronneby erreichte ich danach windgegerbt mit Jola von Osten, vorbei am Bahnhof suchten wir im Ort einen Bäcker bzw. Jola einen Ort für ein dringendes Bedürfnis. Dabei verloren wir uns, u.a. weil ich an einem Bancomat Geld abhob. Allein kam ich am WoMo an. Genug von grüner Einsamkeit und orkanartigen Sturmböen, die jeweils genau aus der Richtung kamen, in die ich fuhr.

Pause, gegen 19 Uhr radelten wir in den Park, letzte Umschau ohne viel Publikumsverkehr. Dann auf der anderen Flussseite zurück, was bedeutete, dass wir erst bis zum Hafen fahren mussten.

Einzig positiv, es hatte heute nicht geregnet.

13.06.2019 Donnerstag

Der letzten Satz des vorhergehenden Tages wurde durch nächtliches Unwetter Lügen gestraft. Es begann ganz „sanft“ mit einem unregelmäßigen Klopfen einzelner Regentropfen aufs Dach des WoMo. Es dürften ziemlich große gewesen sein, so wie sich das bei deren Aufprall anhörte. Aus der Unregelmäßigkeit entspann sich ein symphonisches Prasseln, verschiedenste Lautstärken, woraus sich innerhalb einer Minute ein Gleichklang entwickelte, den ergänzte Donnergrollen als eine Art Paukenschläge, Blitze sah ich nicht. So dicht unter dem WoMo-Dach zu liegen und nicht zu wissen, wie sich die Lage draußen entwickelt, war ein bisschen beängstigend. Zumal einen Tag zuvor aus Deutschland Bilder von Einschlägen golfballgroßer Hagelkörner gezeigt wurden, die Fenster- und Autoscheiben durchschlagen hatten. Morgens war alles vorbei, sogar die Sonne schien kurzfristig stichig heiß.

Abfahrt um 09.30 Uhr, Ziel war Öland. Nur am Rande soll noch einmal erwähnt bleiben, dass ich bis dato keiner Baustelle begegnet war, es keine Staus gab und somit das Fahren in Schweden fast das reine Vergnügen bedeutete. In Karlskrona machten wir keinen Halt, fuhren bis Kalmar durch. Eigentlich wollte ich auch hier nicht stoppen, zumindest nicht auf der Hinreise. Doch Jola insistierte und wünschte eine kurze Stippvisite. Ich parkte etwas außerhalb bei einem Schulkomplex, wo man drei Stunden kostenlos stehen durfte. Mit den Rädern die knapp zwei Kilometer bis zum Touristenbüro in der Nähe des Schlosses und des neuen Universitätsviertels. Kurz die Prospekte aus dem Büro geholt. Ein „Magazin“ am Hafen bot Mittagstisch an, nettes Ambiente, aber zu früh für ein Diner. Das Schloss thronte wahrlich am Rande der Stadt. Wir suchten die Einkaufsstraßen innerhalb der Stadtmauern, ein in den 30er Jahren erneutes Tor bot Durchlass. Ließen die Räder gleich gegenüber einer Chocolaterie stehen. Auf dem holperigen Kopfsteinpflaster hätte es sich ohnehin schlecht fahren lassen. Die Geschäfte ähnelten denen in Einkaufsstraßen anderer Städte , nichts was es auf einem Bild abzulichten gäbe. Das Zentrum war wie eine Kasernenstadt angelegt, quadratisch kreuzten sich die Wege. Alte Gebäude, auf die ein Blick zu werfen sich lohnte, wechselten mit eher schäbig aufwartenden Häuserfronten ab. Bei einem Vietnamesen ließen wir uns im Außenbereich nieder, aßen aus Schüsseln zwei verschiedene Suppengerichte, waren zufrieden damit. Auf der Stadtmauer ein Stück gewandert, dann wieder Schulabschluss, weiße Kleidung bei den Mädchen und Anzüge bei den Jungen. Blumen, Geschenke in den Händen von – nicht immer – schick angezogenen Eltern, Schilder der „Entlassenen“, mit Fotos wie sie als kleine Kinder aussahen. Dann die LKW, die mit Partymusik durch die Stadt kreisten.

Ich bestand auf eine Rundfahrt durch das alte Kalmar, das sich hinter dem Schloss befand. Hübsch und ruhig, sollten wir uns später noch einmal in Ruhe ansehen. Auf der Rückfahrt kurz den Faden zum WoMo verloren, machte aber nicht viel aus.

Die Fahrt über die Öland-Brücke, die weniger spektakulär aussah wie die Öresundbrücke, endete mitten auf der Brücke in einem schleppenden Tempo, die erste Baustelle bremste mich aus. Dann die Überraschung, es waren auf der Insel mehr Kilometer zurückzulegen als gedacht. Für die über 60 Kilometer benötigten wir eine Stunde, bis wir in Löttorp ankamen. Sonjas Zeltplatz hatten wir fast ganz für uns allein, Wahlrecht auf alle Plätze.

Eine kleine Erkundungsrunde gegen 19 Uhr, erst zum Strand, wo wir auf Holzbohlen fast bis zum Uferrand vorfahren konnten. Dann nach Löttrop, erste Meter auf dem die Insel umspannenden Radweg „Ölandleden” als Umgehung der Fahrstraße. Sportplatz, Bibliothek, Grundschule, alles konzentriert. Im Ort nichts von Bedeutung entdeckt. Auf dem Rückweg einmal falsch abgebogen.

Die viel zitierte Nachtigall hörte ich an diesem Tage nicht mehr.

14.06.2019 Freitag

Um 06.15 Uhr hinters WoMo ausgetreten, die Sonne schien zwischen den hohen Bäumen durch, zeigte bereits jetzt, wie viel Kraft sie heute den Tag über entwickeln könnte. Momentan bremste dunstiger Frühnebel die Hitze noch leicht ab. Gegen 07.15 Uhr ging ich duschen, alles ordentlich und sauber, keine Extravaganzen. Grün leuchtete die Kontaktstelle in der Dusche, wechselte auf rot, als ich die Karte davor hielt. Kaltes Wasser gab es lange Zeit reichlich, dann sprudelte warmes durch den Schlauch, für mich Warmduscher Erlösung. Nach der Morgentoilette stellte ich Stühle und Tisch etwas weiter weg vom WoMo auf den Rasen, die Sonnenstrahlen würden bald über die Bäume hinweg reichen. Deckte draußen den Tisch. Jolas gekochtes Ei schaffte heute nicht den Härtetest. Vom einzigen Nachbarn auf diesem Areal streunten zwei Katzen herum, störten unüberhörbar Amseln und Elstern bei der Nestpflege. Das Gezeter wollte gar kein Ende nehmen. Außerdem schaute der Retriever vom Nachbarn bei uns vorbei.

Um 09.30 Uhr begaben wir uns auf die geplante Rundreise mit dem Etappenziel „Langer Erik“, Leuchtturm am nördlichsten Teil der Insel. Auf dem Ölandleden auf eigens hergerichteten Radwegen oder auf kaum von PKW befahrenen Nebenstraßen. Die Landschaft ähnelte sich meistens, wechselte von Weideflächen zu Grasland und manchmal verschwanden wir im Wald. Hier dominierten Farne das Unterholz oder niedrige Beerengewächse (Blau- oder Preiselbeere). Zwischen all der Natur siedelte der Mensch in größeren Abständen mit seinen Domizilen. Mal das typische Holzhaus in „Schwedenrot“, mal moderne Architektur.

Die scheinbar unbegrenzte Zahl an Steinen jeglicher Größe nutzen die Bewohner u.a. intensiv für den Mauerbau.

Die aus meiner Sicht mäßige Beschilderung der Strecke, insbesondere an Verzweigungen, lenkte uns auf eine Art Schotterpiste, die bei Byrum wieder auf Asphalt führte und uns die erste ungewollte Verlängerung der Tour einbrachte. Zwischenzeitlich befuhren wir den grün gekennzeichneten Sverigeleden. Bei Böda stoppten wir an einer Kreuzung bei einem „Gemischtwarenladen“, der Bonbons, Geschenke und Zubehör für Camper anbot. Während ich mich draußen ausruhte, stöberte Jola durch die Regalreihen, kaufte Windspiele in Sonnenblumenform und Plastikweingläser.

Böda Strand musste unbedingt aufgesucht werden, ein kleiner Umweg, den Jola einforderte. Das Areal entpuppte sich als riesige Freizeitanlage mit Camping- und Golfplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Vergnügungsbad etc.

Strand stand in Hülle und Fülle zur Verfügung, meist in sehr feiner weißer Form (siehe Bild auf der vorhergehenden Seite).

Weiterfahrt, die Stichstraße ein Stück zurück, begann der nervigste Abschnitt, mindestens fünf Kilometer durch Wald auf grobem Splitt hoppelten wir gen Norden. Die Piste machte vor allem Jola ein wenig Sorgen, denn ihr letzte „Platten“ war von einem spitzen Stein verursacht worden. Hier in Waldes Einsamkeit eine Panne wäre gar nicht gut angekommen, obwohl ich das Reparatur-Kit in der Jackentasche hatte. Aber die Luft blieb im Schlauch!

Grankulla und Nabbelund lagen am Grankullaviken, der fast einem Binnensee glich. Hier auf dem rechten Bild ein Blick in Richtung „Langer Erik“.

Den Leuchtturm erreichten wir auf einer abschüssig verlaufenden Straße, von der aus man das Küstengelände prächtig würdigen konnte. Zwischen Steinfeldern kämpften sich scheinbar Pflanzen ins Leben, gelb und blau Blühendes dominierte.

Ein beliebtes Ausflugsziel lag vor uns, Picknickplätze waren meistens besetzt. Zum Leuchtturm durfte man nur „zu Fuß“, ein Damm überbrückte das Wasser zur Insel. Um den Turm führte ein Rundweg auf steinigem Untergrund entlang. Ein Schild forderte Besucher auf, Steinmännchen zu bauen. In der Ferne bildeten sich durch Verdunstung gewandartige Schleier. Sie bewegten sich auf uns zu und vereinnahmten uns sanft. Am Damm graste eine Rotte schwarzer Kühe.

Wir gelangten nach Rückkehr auf die 136 an die Westküste und einen etwas komfortableren Radweg. Gegen 15 Uhr erreichten wir Byxelkrok, ein Ensemble schwedenroter Hütten direkt am Sund gelegen, einer Fischräucherei und einiger Imbissbuden. Pause und Essen fassen. Der Imbissbesitzer bemühte sich im nicht so perfekten Englisch uns die Vorzüge und den Verlauf des Küstenradweges zu erläutern.

Schöne Natur, im Dunst ragte die Insel „Blå Jungfru“ wie der Teide auf Teneriffa aus dem Meer. Irgendwann verhaspelten wir uns wieder, radelten kilometerlang eine Straße durch Wald und landeten wieder in Byrum. Keine Experimente mehr, bekannter Weg führte uns zurück. Abstecher zum Hornssjön, wo es nach einem Hinweisschild einen Restaurationsbetrieb geben sollte. Der Flecken entpuppte sich als Treffpunkt verschrobener Frauen, „Häkelbeutel-Club“, dachte ich, als ich die meist übergewichtigen Frauen dort mit ihren Stricknadeln hantieren sah.

Wieder auf der Hauptstraße spendete mein Elektromotor keine Energie mehr, ich musste mit Muskelkraft die letzten Kilometer zurücklegen, Hilfe von Jola wurde mir zuteil.

Nach 75 Km in der Sonne war es dann auch genug. Zu erschöpft für Live-Musik ließen wir die „Party“ sausen und begnügten uns mit dem Schreiben von Reisenotizen.

Weiter mit Teil 2

2019 Levico Terme

02.10.2019 Mittwoch

Gegen 02.30 Uhr torkelte ich trockenen Fußes auf die Toilette, wieder im WoMo klackerte es vereinzelt aufs Dach, es begann zu regnen. Erst in einem leisen Rhythmus, als wenn ein Ball geräuschvoll eine sandige schiefe Ebene hinabrollt. Wie der Ball, so nahm auch der Regen Geschwindigkeit auf bzw. erhob sich der Pegel lautstark zu einem Trommelfeuer.

Morgens zeigte sich das Umfeld weißlich wolkenverhangen. Die Sachen verstaut, alles richtig und ordentlich verpackt, ging es auf die Tour nach Levico Terme. Am Ausgang musste Jola bei dem Mann mit der Gehhilfe erst unseren Namen auf der vorgehaltenen Papierliste zeigen und die Abfahrtzeit war einzutragen. Dann marschierte er zu seinem Wärterhäuschen und bediente den Türöffner, wobei die beiden schweren Metalltüren sich wie in einem Film ganz langsam aufschwenkten und wir in die Freiheit hinausfahren durften.

Den gesperrten Weg ignoriert, die Alternative ignoriert und wir fuhren auf der Staatsstraße, ob es ein Umweg war, lasse ich an dieser Stelle offen. Nachdem ging es durch den ziemlich langen Tunnel und danach auf der SS47 ca. 25 Kilometer Richtung Padova, die Schlucht im Valsugana wirkte dunkel bedrohlich. Abfahrt Caldonazzo und dann waren Campingplätze bereits ausgeschildert. Der erste war – schon bekannt – geschlossen. So landeten wir auf dem 4 Sterne Campinggelände „Village Lago Levico“, der vor seiner Schranke ein umfangreiches Campergelände für WoMos anbot (20 €/Tag).

Jola wünschte eine Besichtigung des Campinggeländes, wir sahen uns deshalb Plätze für 19 €/ 22 €/ 25 € an. Letztgenannter mit eigener Toilette und Abwaschmöglichkeit. „Das gönnen wir uns für die nächsten drei Tage“ so ihr Kommentar. Platz 446 wurde ausgewählt.

Aufgestellt, alles prima.

Nur es begann zu regnen, die Aussicht für heute: bescheiden. Jola erkundete trotzdem mit dem Rad das Umfeld.

Eine Fahrt in den Ort, wir nutzten ein Stück den ausgeschilderten Wanderweg, der uns fast bis ans Seeufer führte, dann aber wegen „Privat“ nicht weitergefahren werden durfte. Levico Terme lag etwas oberhalb des Sees am Hang. Die Straßen im Ort befanden sich im typisch italienischen Zustand kleinerer Städte/Orte. 6.500 Einwohner sollen hier ihren Wohnsitz haben, deren Vorfahren vermutlich einmal bessere Zeiten erleben durften. Die Therme war kein Wellnesstempel, sondern bot u.a. Anwendungen mit eisen- und arsenhaltigem Wasser etc. an. Die Wege ins Zentrum waren meist steil, die Straße als Fußgängerzone querte den Ort am Hang eben. Hier fanden wir gegen 13.30 Uhr die Pizzeria „Al Conte“, bei der wir im Innenhof zu unserem verdienten Mittagsschmaus kamen. Mangelnde Sprachkenntnisse waren bei Einkäufen oder Bestellungen bisher kein Problem, mit Deutsch oder Englisch klappte das, wenn nicht sogleich, dann doch mindestens unter Zuhilfenahme von Gestik und Mimik.

Die Fußgängerzone wirkte verlassen, kein Wunder, es galt noch die Mittagspausenzeit.

Auf dem Weg zur Therme befand sich rechts die Kirche, am Straßenrand zwischen Fuß- und Fahrweg plätscherte ein Bächlein in einem mit hellem Stein gemauerten Bett in Richtung Rio Maggiore. Ab und an verschloss ein Holzsteg den Lauf oder eine Sitzbank war darüber installiert, von der aus man in heißen Tagen seine Füße dort hineinbaumeln lassen könnte. Am Ende des Bachlaufes sprudelten kleine Fontänen aus irgendwelchen Düsen, danach verschwand das Wasser unterirdisch.

Die Schaufensterauslagen zogen nicht unbedingt die Blicke von Passanten auf sich, jedenfalls nicht während der Mittagspause, wenn alles mehr oder weniger „verrammelt“ war. Trotzdem blieb ich vor einem Geschäft stehen, schaute in die Auslage einer Glasvitrine. Die ausgestellten Handtaschen fanden sofort meine Aufmerksamkeit. Originell fand ich dieses von mir fotografierten Exemplars mit Wählscheibe, älteren Menschen noch bekannt, jüngeren eher ein Zeugnis der Retro-Kultur.

Von der Therme aus wand sich eine Straße zum Ort Vetriolo auf über 1.300m hinauf. Eine Informationstafel erklärte, hier sei der erste Nichteuropäer beim Radrennen Giro D‘Italia als Etappensieger oben angekommen und wer es den Profis nachmachen wolle, für die stand eine Tafel mit Angaben zu den prozentualen Steigungen für jeden Kilometer bereit. Wir folgten dem Hinweis Therme-Park, auf dem Weg umkreisten wir die Therme zu Fuß, fanden den Park aber nicht. Die Kirche als Orientierungspunkt führte uns zurück zur Via Regia. Mit den Rädern unterm Hintern trudelten wir die Straße Via Marconi hinunter, an der links sich alsbald ein Eingang zum Park befand. Herrschaftlich thronte in der Ferne ein Gebäude, das sich später als Grand Hotel zu erkennen gab. Keine Beschränkungen hinsichtlich des Fahrens mit Rädern am Eingangstor gesehen, strampelten wir auf unseren E-Bikes im Park die Wege ab, meist seicht hinauf, erst zu einer Bar mit WC, dann zu dem Gebäude.

Am Ende machten wir einen Abstecher an den See, tatsächlich kam nach dem Lido bereits das Verbotsschild „keine Fahrräder“. Artig schoben wir unsere Drahtesel, wollten keinen Ärger mit Spaziergängern bekommen. Jola kaufte sich am Kiosk ein Eis und wir setzten uns für ein Viertelstündchen an eine Picknickbank in die Sonne.

Der Versuch, noch einen höher gelegenen Aussichtspunkt namens San Biagio über die Via Belvedere anzufahren, scheiterte an der Unterführung, wo Jola fröhlich weiter in die Pedale trat, mein Rufen ignorierte/nicht hörte, ich den Fußweg beschritt, die weitere Auffahrt aber scheute und umkehrte. Jola hatte wohl den gleichen Gedanken, war schon eher abwärts gefahren und hantierte am WoMo mit dem Wasserkocher.

03.10.2019 Donnerstag

Nachts öffnete der guten Mann im Himmel wieder seine Schleusen, Trommelfeuer auf dem Dach, dazu heftigste Sturmböen, die unsere Satellitenantenne in Schwingungen versetzten. Immerhin sorgte dann der Sturm für klare Verhältnisse am Morgen, keine Wolke mehr am Himmel. Die von Jola besorgten Brötchen glichen ein bisschen aufgepumpten Hefebällchen, ließen sich aber essen. Das morgendliche Reinigungszeremoniell in der Holzhütte vollzog sich spartanisch. Anmerkung: Im Winter möchte ich hier nicht meine Säuberungsrituale durchführen, der Raum hat nämlich keine Heizung; aber das ist ohnehin irrelevant, denn der Campingplatz schließt am 13.10.). Ärgernis war zudem, den Stopfen für den Abfluss im Waschbecken versenkte ich soweit, dass ich ihn zunächst nicht wieder herausfummeln konnte.

Unsere Tour heute führte uns nach Caldonazzo, Ort als Namensgeber für den gleichnamigen See. Der Radweg bis dorthin verlief ca. 1,5 Km im Zickzack durch Apfelplantagen. Im Ort übersichtliche Beschilderung, die uns in die Nähe des Seeufers lenkte. Kleine weißliche Schaumkronen, erzeugt von dem immer noch böigen Wind kräuselte die Wasseroberfläche. Der See mit seinem ihn umringenden Panorama erinnerte ein wenig an ähnliche Gewässer, wie bspw. den Lago Maggiore.

Bei meinem Blick auf den See entdeckte ich auf dem Wasser ein herrenlosen Surfbrett als Spielball der Strömung/ des Windes. Kein Besitzer in Sicht (hoffentlich kein Unfall!). Nach der Asphaltfahrt gerieten wir für ein kurzes Stück auf einen am Ufer befestigten Steg. Nach gut 4,5 Km blieb der See rechts zurück und wir näherten uns Canale, ein winziger Flecken, kurz bevor wir das eigentliche Ziel Pergine erreichten.

Ziemlich am Anfang der Einfahrt in den Ort sahen wir das Schild „Castel Pergine“, das uns auf eine schmale steile Straße gelenkt hätte. Die Ortsbesichtigung stand zunächst im Vordergrund. Am Piazza Fiere dockten wir die Räder in der Nähe zweier Ladestationen für E-Mobile an und begaben uns auf Erkundungstour. Aus dem Spaziergang durch die Fußgängerzone blieb mir ein lautes Durcheinanderreden mehrerer älterer italienischer Frauen an einem Restauranttisch in Erinnerung, zu dem ich kommentierte „hört sich an, wie wenn Waschweiber beim Aufhängen miteinander tratschen“. Suchten einen Bäcker, fanden einen, wo wir Brötchen, Brezel, Kuhbonbon und Kringel kauften. Damit im Schlepptau marschierten wir an unseren Rädern vorbei, gefunden werden wollte ein Kastanien-Park. Stattdessen pausierten wir ca. 100m weiter im Café Teatro. Die beiden Kaffee americano brachte uns der Mann an unseren Hochtisch, zwar in sonniger Lage gelegen, aber stürmisch war es nach wie vor. Jola probierte von ihren Küchlein und spendierte mir Kuhbonbon.

Großflächig blickte von einer bemalten Hauswand ein Mann mit am Ohr angelegter Hand herab, augenscheinlich wollte er mithören, was am oder über das Theater gesprochen wird.

Ein Stück weiter zwischen Baumreihen der Friedhof, etwas versteckt hinter weißen Mauern, gegenüber die Kirche zu Ehren Maria (Santa Maria).

Ich hatte bereits in der Ferne die Silhouette des Castel auf dem Berghügel gesehen. Da hinauf sollte es als nächstes hingehen.

Deutsch war hier an vielen Stellen allgegenwärtig, von „tedesco canopi” (= Knappen) war auf einer Infotafel die Rede, eine Büste eines Herrn Regensburger neben der Kirche und die Habsburger tauchten alle Nase lang bei Erläuterungen auf.

Kleinstädtische Tristesse, aufgemöbelt durch diverse Schautafeln über Vergangenes, ausgenommen die Kirchen, deren Vorplätze und der Friedhof. Wir wendeten, holten unsere Räder, fuhren ca. 2 Km bis zum Kreisverkehr, wo die etwas über tausend Meter steile Auffahrt begann. Hier musste ich schon den Modus „Sport“ und „Turbo“ bemühen, um diese Herausforderung zu meistern. Trotz Unterstützung pumpte das Herz reichlich Blut durch die Adern.

Die Mühe lohnte sich am Ende, denn die Räumlichkeiten waren absolut sehenswert, zudem boten Exponaten aus Holz allenthalben Abwechslung bei der Erkundung der alten Gemäuer nebst Außenanlagen. Im fein restaurierten Rittersaal, gleichzeitig Rezeption und Gastraum mit angrenzender Kapelle (Andreas) in Miniform, saßen wir am Burgfenster, das mit den Wappen alter Fürsten, Grafen oder sonstigen wichtigen Persönlichkeiten aus vergangener Zeit geschmückt waren.

Solche Räumlichkeiten gefallen Jola ja generell, so war ein etwas längerer Aufenthalt nichts Ungewöhnliches.

Blätterten bei Mineralwasser und Aperol Spritz in den Annalen des Kastells und lasen über die jetzigen Besitzer und deren Modernisierungsmaßnahmen. Die Abfahrt vom Kastell erfolgte notgedrungen mit angezogener Bremse. Ein Zwischenstopp nutzte ich für den nebenstehenden Schnappschuss.

Auf der Nebenstrecke an einigen Häusern des Ortes Masetti vorbeigefahren, einmal wohl falsch abgebogen, so gerieten wir kurz an die viel befahrene Straße direkt am See. Die konnten wir nach ca. 200m wieder verlassen, mussten allerdings bis Tenna gut vier Kilometer aufsteigen. Von dort aus bei 10% Neigung in rasanter Talfahrt hinunter nach Levico Terme, wo wir direkt am Campingplatz ausrollten.

Vom 30. Jahrestag des Mauerfalls bekam man hier wenig mit.

04.10.2019 Freitag

Frisch war es geworden, den morgendlichen Sonnenaufgang durch das Sonnendach im WoMo betrachtet.

Kleine Besonderheit, im Privatbad passte der Stecker vom Föhn nicht in die Steckdose.

Unser Plan, bzw. Jolas Vorschlag war, den Brenta-Radweg (nach dem gleichnamigen Fluss benannt) abzufahren. Als „familienfreundlich“ im Prospekt tituliert, sollte es auf ihm beständig bei leicht abschüssiger Neigung bis zum bekannten Grappa-Ort „Bassano“ gut zu fahren sein. Dem war dann auch so, lobenswert zudem die Beschilderung auf der gesamten Strecke. Zunächst plätscherte der schmaler Bach neben dem breiten und durchgängig asphaltierten Radweg daher, umgeben von krautigem Wildwuchs, durchsetzt von gelben Tupfern einer den Margeriten ähnlichen langstieligen Pflanze. Der Lauf erinnerte mich ein bisschen an die „Schwartau“ bei uns zu Hause. Apfelplantagen wurden teils durch Maisfelder abgelöst. An den Hängen zeugten Häuser und Kirchen von urbanem Leben in diesem breiten Tal. Unterwegs an vielen Plätzen Bänke und Tische zum Rast machen (auch Biker-Grill). Ein Stück des Radweges nutzten etliche Skater als Trainingsstrecke, wahrscheinlich übten sie für den winterlichen Langlauf. Novaledo, Marter, Roncegno hießen die Orte, die linker Hand nach und nach hinter uns verschwanden. An einer am Hang gelegenen kirchlichen Ruine baute man unterhalb Wein an. Diente die Ruine als Schutzwall gegen Murenabgang etc.?

Zwischenzeitlich breitete sich das Bächlein zu einem ansehnlichen Flusslauf aus, führte mehr Wasser bei höherer Geschwindigkeit mit sich. Enten saßen auf Felssteinen inmitten des Bettes, welche schwimmen mussten, paddelten mit ihren Füßen angestrengt gegen die Strömung an.

Radfahrer natürlich in beiden Richtungen anzutreffen, kaum jemand ohne Akku unterwegs, ausgenommen die Rennradler.

Es kam unser Zwischenziel „Borgo“ gegen 11.15 Uhr in Sicht. Ins Zentrum gelangten wir kaum 5 Minuten später. In der Nähe des gerade neu gestalteten Platzes vor dem Rathaus blieben die Räder zum Ausruhen stehen (Dante Piazza; Dante und Battisti sind im Trentino häufig Namensgeber für Plätze und Straßen). Endlich konnte sich mein Körper in der angenehm warmen Luft an der Sonne aufwärmen (die Temperaturen im Schatten und der Fahrtwind taten unterwegs ein Übriges zu fast erfrorenen Fingern und kalten Füßen).

Der Fluss suchte sich seinen Weg durch den Ort. Brücken gab es deshalb einige zu queren. Auf der vermutlich ältesten davon standen zwei Steinaltäre auf den seitlichen Steinmauern, in denen irgendwelche Heiligenbilder verewigt waren. Die Brücke vermittelte ein bisschen „Venedig feeling“.

Äußerlicher Zerfall fiel uns zuerst beim Schlendern durch die Gassen im Zentrum auf, zu Innenansichten reichte es nicht.

Doch bei genauerem Hinsehen fanden sich andere Beispiele. Viel Farbe ward auf Fassaden aufgetragen, Mauerwände verputzt und Zimmerer und Dachdecker taten ihre Arbeit: neu gedeckte Dächer und Dachstühle zeugten von Modernisierung.

Hübsch die Schule, gegenüber ein architektonischer Tupfer, ein altes Industriegelände wurde umfunktioniert, untergebracht darin u.a. die Stadtbibliothek und das Theater.

Beim Durchlauf durch die Innenstadt hatten wir bereits ein Lokal mit einer ansprechenden Speisekarte entdeckt. Dorthin kehrten wir zurück, nahmen draußen Platz. Scheinbar war dieses Lokal eine Domäne von einheimischen Werktätigen, soweit ich das an der Kleidung festmachen wollte. Es dauerte, bis eine Bedienung kam, erkannte in uns „ausländische Gäste“, schickte deshalb eine andere mit Deutschkenntnissen. Es wurde das Menü aufgezählt, zu schnell und mir nicht ganz verständlich, wünschte ich einen Blick in die Karte. Ein Fehler vielleicht, denn bis die gebracht wurde, waren wir fast verhungert. Jola nahm das Menü, was sich später als Menü Surprise entwickelte. In Erwartung eines leckeren Essens geduldeten wir uns. Währenddessen strömten gesättigte Gäste haufenweise das Lokal, wunderten uns, wo die alle herkamen. Gerade stellte ich Jola mit der Frage „gehen oder bleiben?“ vor eine Entscheidung, die natürlich zugunsten des „Wartens“ ausfiel. Just als sie aufstand, um nachzufragen, kam ein Mann mit drei Tellern. Die rötlichen Nudeln sollten eigentlich die Vorspeise des Menüs sein. Das gegrillte Gemüse war essbar, aber lieblos auf dem Teller drapiert. Das Rehragout mit Tagliatella mundete mir. Den Weißwein frizzante, der zu Jolas Menü gehörte, von dem ich probieren durfte, ließ ich als ungenießbar stehen.

Das Hauptgericht für Jola kam nicht, der Nachtisch sollte Tiramisu sein, das war jedoch aus, stattdessen musste Jola sich mit einem Stück Apfelkuchen zufrieden geben. Mein Kaffee corretta wurde mit Grappa „gestreckt“ und war für mich ein schmackhafter Abschluss.

Etwas fröstelig zogen wir von dannen der Sonne entgegen. Wir radelten weiter, Wolken zogen vermehrt auf, die Variante bis Bassano fiel durch, zu weit noch, mit dem Zug zurück wäre eine andere Option. Eine Abzweigung wies nach Castelnuevo, vorbei, dann einigten wir uns, bei der nächsten Ortsausfahrt abzubiegen, dort auf einen Kaffee einzukehren und den Weg zurück anzutreten.

Agnedo hieß der Ort, zu dem wir bei 8% Steigung uns hinauf hangelten, uns dann wunderten, das Ortsschild von Stringo vor uns zu sehen. An der Bar Centrale gehalten, Cappuccino (2,60 € für beide!) bestellt und den Puls auf Normalfrequenz kommen lassen.

Was wir an Anstrengung für das Hinauf aufwendeten, neutralisierte das genüssliche Hinabgleiten nach Scurelle und Castelnuevo, wo wir wieder auf den Brenta-Radweg gelangten. Wundersamerweise schien es auch auf dem Heimweg nicht wirklich Steigungen zu geben. Kurz vor Levico Terme schickte die Sonne eine Botschaft durch die Wolkendecke, was einer Szene „göttlichen Sendungsbewusstseins“ glich.

Ein angenehmes Gefühl, trocken, nicht (mehr) unterkühlt und ohne Pannen wieder am WoMo zu sein.

Die Planung des weiteren Reiseverlaufes warf seine Schatten voraus. Jola tendierte zu einem Aufenthalt auf der Seiser Alm, ihrem Wunschziel. Für mich derzeit kein Thema, wenn, dann nur auf der Rückreise. Ohnehin sei es nach dem Wetterbericht dort regnerisch und Schnee sollte fallen. Keine Option für mich. Entweder gen Adria um Venedig herum oder Bergamo und an die Seen (Iseo / Lago Maggiore).

Weil morgen die Sonne (ein letztes Mal) scheinen soll, werden wir wohl den nächsten Tag noch am jetzigen Standort bleiben.

05.10.2019 Samstag

Genau so kam es, beim Frühstück fiel die Entscheidung, hier zu bleiben. Kaum etwas beeinträchtigte die Sonne beim Scheinen. Eine Fahrt nach Roncegno Terme, Jolas Idee von gestern, verschoben wir auf den Nachmittag. Stattdessen zogen wir unsere Wanderschuhe an, marschierten zum See, den Weg Belvedere entlang, wie schon vor ein paar Tagen mit dem Rad. Das Ziel: das Kirchlein San Biagio in rund 550m Höhe mit Aussicht auf See und Stadt. Keine Wanderwegmarkierung oder Beschilderung. Da es aufwärts gehen musste, beschränkte sich die Suche auf der Via Emanuele Richtung Zentrum auf eine Abzweigung auf die nach oben führende Via Biagio. Über einen Parkplatz und eine Treppe konnten wir den Weg abkürzen. Gemächlich wanderten wir bergauf, leicht schwitzend legten wir die Strecke in ca. 30 Minuten zurück. Am Wegesrand Rastmöglichkeiten, von wo aus ein Blick auf die Stadt möglich war.

Eine Kehre noch, dann erschien das weiß getünchte Kirchlein, davor eine Wiese, auf der Krokusse (?) blühten.

Aus Holz gefertigte Sitzgelegenheiten (für die 12 Apostel?) vor einem überlangen Tisch, dessen Platte krümelsicher breite offene Rillen aufwies und eine Sitzbank, dessen hölzerne Lehne mit aus Holz geschnitzten Noten verziert war, sehr putzige Idee. Vermutlich sitzt hier – „nach dem Abendmahl“ – der Dirigent/Chorleiter. Vor der Bank dann wieder fünf oder sechs Holzklötze für den „Chor“.

Es blieb natürlich nicht aus, dass wir die Position des „Chorleiters“ auf der Bank einnahmen und für die kurzfristige Ewigkeit ablichteten. Die Kirche war geschlossen, Besichtigung nur montags oder nach Absprache mit Pensionären, die ehrenamtlich Führungen machen. An den Wänden huschten einige kleinen Eidechsen hin und her, nutzten die recht kräftigen Sonnenstrahlen zum Auftanken, genau wie ich. Eine verschwand plötzlich unter meinem Rücksack, der auf einem Mauersims stand.

Ein Mann saß hinter der Kirche auf einem Rastplatz, hatte wohl gerade gespeist und rubbelte auf seiner Jacke herum. Er nickte und kam kurz darauf zu uns herüber. Ein Bayer, gesprächig (wie er später selbst anmerkte nur dann, wenn ihm die Gesprächspartner sympathisch sind), verriet, er sei seit 14 im Ruhestand und hätte „nichts“ gemacht und nun hätte seine Frau ausgerechnet im Urlaub plötzlich über 40° Fieber, und es könnte doch alles ganz schnell vorbei sein, und dann ärgerte man sich, etwas nicht gemacht zu haben usw. Er wirkte noch nicht richtig orientiert, hier am Urlaubsort, wo sie in einem Spa-Hotel untergebracht seien, durch Zufall hier gelandet, weil sie eigentlich in die Wachau wollten, aber keine passenden Angebote … usw. Nachdem wir von unserem WoMo und den Reisen erzählten, schien er nachdenklich zu sein, bedankte sich für das anregende Gespräch mit dem Hinweis, wir hätten ihm vielleicht den entscheidenden Kick gegeben. Was auch immer daraus würde… Vielleicht kauft er sich ein Wohnmobil?

Eigentlich wollte ich mich ein bisschen Sonnen, Freikörperkultur in Teilen betreiben. Ein fast gänzlich in lila gekleideter Mann kroch den Berg hinauf, schaute sich um, saß später abseits auf einer Bank und sinnierte vor sich her (vielleicht betete er ein Mantra). Ich clusterte ihn als einen Krishna-Anhänger (dazu fiel mir die Anmerkung von Frau Karasek aus der Talkshow ein, man solle nicht jemanden vorschnell in eine „Schublade“ einsortieren, vielmehr mehr Offenheit demonstrieren … oder so ähnlich). Jola zog es hinab. Ein Bild von der Kirche, die uns so seltsame Erlebnisse gebracht hatte. Die Loc. Belvedere umfasste einen Sportpark, an dem wir uns vorbei dem Zentrum näherten. Ich animierte Jola, mich auf einer der Sitzbänke liegend über dem Bächlein abzulichten.

Um 13 Uhr saßen wir zum zweiten Mal im Al Conte, Pizza für Jola, ein Stück vom Ibericoschwein für mich, zwei Glas Sauvignon und Kaffee Corretta mit Grappa als Abschluss.

Der Verdauungsspaziergang erfolgte am Rio Maggiore hinab zum Sportplatz, das Wasser mäanderte in einem Rinnsal gen Tal. Unsere neuen Schweizer Nachbarn begrüßten uns mit „wieder da“, woraus nach einer halben Stunde ein „und schon wieder los“ wurde. Los fuhren wir mit den Rädern nach Roncegno Terme, dort sollte irgendwo ein Alpinsee sehenswert sein. Wagten die Strecke durch Levico Terme über Novaledo und Marter. Wesentlich stärker rollerten wir hier die Straße hinunter, kaum einmal war in die Pedalen zu treten. Den Blick auf die Tal- und Bergwelt rechtsseitig der Brenta fand ich beeindruckender als vom Radweg auf die linke Seite. Nach Roncegno Terme für nicht ganz zwei Kilometer dann auf Sport den Anstieg gemeistert. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein, drei sehr schöne alte Villen lagen verlassen und ruiniert beidseitig der Zufahrtsstraße, eine davon gehörte früher einmal dem Direktor der Therme. Im Ort kein Schild mit Wanderweg zum See. Den gab es hier auch nicht. Der Park war keinen ausführlichen Besuch wert. Verließen den Ort, wechselten nach Marter auf den Radweg und fuhren heim.

2019 Trient

30.09.2019 Montag

Moosbauer ade, letztes Mal fünfzehn Minuten im Schwimmbecken verbracht. Diesmal vergaß ich nichts beim Abbau. Wir hatten uns auf Trient als nächstes Ziel geeinigt. Den Weg kannten wir ja bereits von der Radtour, zwei Stellplätze hatte Jola aus dem Internet herausgesucht. Wir stoppten in Kaltern bei der Kelterei, musste kreisen, um einen Parkplatz fürs WoMo zu finden. Weine sind alle recht hochpreisig. Sammelten mehrere verschiedene Flaschen ein (Lagrein, 2x Weißwein, Chardonnay etc.). Für 50 € sechs Flaschen.

In Trient führte uns das Navi an der Nase herum, bzw. passte ich bei Abfahrten nicht richtig auf. Der angefahrene ausgeschilderte Stellplatz war nicht der, dessen Adresse ich ins Navi eingegeben hatte. Immerhin standen wir vor dem Eingang, nur Einlass gewährte uns niemand in diese „Festung“, alles umzäunt und alle Tore geschlossen. Keine Aufsicht im Wärterhäuschen. Auf dem Platz standen vier WoMos, aber keine Menschenseele zu sehen. Unverrichteter Dinge zogen wir von dannen, ließen uns vom Navi leiten. Es ging leicht am Hang hinauf aus der Stadt, kein einziges Schild mit „Camping“ oder dem „WoMo-Zeichen“. An einer roten Ampel mit Linksabbiegerpfeil war genügend Wartezeit, um alle Hinweisschilder an der Straßenecke zu lesen, und tatsächlich war eins darunter „Camper Club Trentino“. Also wähnten wir uns am Ziel. Doch weit gefehlt, wir landeten hinter einem Hochhaus quasi in einer Sachgasse. Nirgends ein Stellplatz oder Campinggelände. Ich fragte einen Mann, der bedauernd den Kopf schüttelte, mir dann aber eine Zeichnung machte, wo er einen Stellplatz vermutete. Leider führt nicht jede gut gemeinte Hilfestellung zum Ziel. Alles auf Null und zurück zum eingezäunten Gelände. Immer noch der gleiche Sachstand, kein Wärter im Häuschen, niemand auf dem Platz. Ich bat Jola die Nummer auf dem Schild anzurufen. Es meldete sich jemand, der zusicherte, in ca. 20 Minuten am Platz zu sein. Ich kochte einen Espresso, der noch nicht ganz fertig war, als der gute Mann mit seinem Auto auftauchte. Jola buchte für zwei Tage (je 20 € inkl. Strom und Dusche).

Vom Stellplatz aus brachte uns der Radweg an dem Fluss Fersina zunächst unter den Bahngleisen hindurch, dann die Via Marsala entlang durch einen Park, bis wir auf einer Brücke dem Schild „Zentrum“ folgten. Immerhin gab es auch hier durchgängig einen Radweg, manchmal nicht mehr auf der Höhe der Zeit eines guten Pflegezustandes, aber sicher vom Autoverkehr getrennt. Am Piazza di Fiera die Räder abgestellt und den Stadtbummel begonnen. In der Via Calepina in der Bar „Fiorentina” ein Focaccia gegessen und 0,1 Ltr Wein dazu probiert. Wie beim ersten Besuch prägte das studentische Leben auch zu diesem Zeitpunkt das Stadtbild. Auf dem Piazza Duomo wurden Zelte innerhalb eines abgesperrten Areals abgebaut, am Wochenende hatte ein Halbmarathon stattgefunden.

Wir wollten zur Gondel uns nach Fahrzeit, Kosten und Wandermöglichkeiten erkunden.

In der offene Kathedrale traten wir ein, innen der Mittelteil vollgestellt mit Gerüsten bis zur Decke. Weiter vorne ein paar lichte Ecken ohne Absperrung oder Gerüst. Dort befand sich der nebenstehende abgelichtete Altar in Form eines mit einem Baldachin ausgestatteten Bettes.

Jola meldete eine vergessene Jacke und taperte zur Bar zurück.

Natürlich war die Jacke noch da, man hatte sie bereits in Gewahrsam genommen.

Bei der Funivia angekommen, die Talstation befand sich direkt an der Etsch, der Radweg nach Bozen führte hier vorbei, erfuhren wir den Preis für die Auf- und Abfahrt und was die Mitnahme des Rades kostete (3 €/ 5 €/ 2 €). Heute schien es mir für eine spontane Auffahrt zu spät zu sein, schlug vor, morgen das Oberland zu erkunden. Streiften erneut durch die Stadt, tendenziell den Rückzug zu den Rädern antretend.

01.10.2019 Dienstag

Aufgewärmte Brötchen zum Frühstück, die Sonne brauchte für eine Stadt wie Trient, die von Bergen eingeschlossen in einem Talkessel liegt, einen längeren Anlauf, um dem Ort den morgendlichen Glanz zu verleihen. Wieder einmal durfte der Begriff „mystisch“ dafür herhalten, um das Bild der wabernden Wolken an den Hängen mit den dazwischen durchstechenden Sonnenstrahlen zu beschreiben. Von den sechs über Nacht gebliebenen WoMos reisten vier nach und nach ab.

Ein bärtiger Mann, bestückt mit einer Gehhilfe humpelte über den Platz, einer der „Aufpasser“. Er sprach mich an, mehr ein Gestikulieren mit der freien Hand, dazu ein paar gutturale italienische Vokabeln, aus denen ich bei bestem Willen nicht schlau wurde. Da begann er, mit dem Finger auf der Motorhaube unseres Autos Zeichen zu malen und nickte dazu, als er damit fertig war. Ich schüttelte den Kopf, das Spiel begann von vorne. Wieder einige italienische Wortfetzen, wieder mein Kopfschütteln. Er zog sein Handy und zeigte auf die Uhrzeit auf dem Display. Mir schwante, er wolle mir mitteilen, dass ab 12 Uhr die Pforte dicht sei. Aber wir bleiben ja noch einen weiteren Tag.

Jola hatte sich vorgenommen, einen Supermarkt zu suchen und ihren Einkaufszettel dort abzuarbeiten.

Gegen 11.30 Uhr kamen wir dann zu unserem eigentlichen Tagesprogramm, die Fahrt zur Gondel dauerte etwas länger, so verpassten wir die Auffahrt um 12 Uhr nach Sardagna. Nächste Tour um 12.15 Uhr. Jola wollte im Vorraum warten, schlug meinen Vorschlag, den Espresso in der Bar im Erdgeschoss zu trinken, aus.

Jeder knipste dann von seinem Standort ein paar Motive ab.

Pünktlich ließ uns der „Schalterbeamte“ in die Kabine, die individuelle Auffahrt, wir waren die einzigen Reisenden, begann.

Rasch gewannen wir an Höhe, trotz diesiger Sicht hatten wir wunderbare Ausblicke auf die Stadt, die Berge und die Etsch.

Oben angekommen, öffnete ein weiterer „Schalterbeamte“ die Tür und entließ uns aus der Kabine. Das angrenzende Gebäude mit einem Restaurant bestach durch gähnende Leere, wahrscheinlich zu wenig Gäste, um hier oben abseits von Touristenströmen zu bestehen. Von einem Aussichtspunkt kamen wir immerhin in den Genuss eines Weitblicks ins Tal.

Sogar unser WoMo konnten wir auf dem Stellplatz identifizieren.

Der Ort Sardagna lag etwas versteckt hinter einer Kurve ganz malerisch in einem seichten Kessel am Hang. Wir sprachen beide in ähnlicher Formulierung aus, wie „Dorf Tirol“ (ich ergänzte „nur ohne Touristen“). Eine Kirche mit grünen Schindeln stellte das Wahrzeichen des kleinen Dorfes dar. Aus einer Elementarschule tönten die einzigen Geräusche des Ortes, die Schulkinder. Daneben ein Sportplatz mit Kunstrasen. Die parkenden Autos davor dürften allesamt den Lehrern gehört haben (aber vielleicht war es auch anders).

Die äußerlich eher unscheinbare Kirche wirkte wie „eine prunkvolle Wohnstube“, so Jolas Kommentar nach der Besichtigung. „Lag es an dem ausgerollten Teppich?“ fragte sich Jola. Mir fielen die beiden Beichtstühle auf und ich fragte mich, was wohl die beiden Begriffe „confessore“ und „penitente“ an dem Gehäuse bedeuten sollten?

Keinen Menschen trafen wir bis dato, dann die Überraschung, eine Bar/ ein Restaurant vor dem drei Einheimische bei irgendwelchen Getränken saßen, einer davon, ein alter Mann, paffte eine Zigarette oder ähnliches Kraut. Mir schien Jolas Vorschlag, hier etwas zu Essen, nicht angeraten, ohnehin war mein Appetit noch nicht auf dem höchsten Level angekommen.

Was gehört noch zu so einem Flecken auf gut 600 m Höhe? Ein Brunnen, ein Lebensmittelgeschäft (mit Gittern verrammelt) und ein Eisladen, zumindest hing eine Fahne mit dem Eissymbol an einem Zaun. Das Schild mit dem Hinweis „Restaurant 20m“ hatte fast einen größeren Umfang als das Restaurant selbst (zwischen den beiden gelben Häusern).

Wir wandte uns ab vom Dorf, fanden den Wanderweg nach Trient, der neben einem verschlossenen Kirchlein sogleich auf Geröll abwärts ging. 45 Minuten waren auf dem Wanderschild bis nach Piedicastello veranschlagt. Leider bewahrheitete sich, dass es keine direkte und vor allem auf gleicher Höhe befindliche Verbindung zum Weg nach Dos Trento mit dem Mausoleum von Battisti gab.

Zudem irrten wir uns nach der Überquerung einer Straße, liefen unter einer Autobahnbrücke neben gekreuzten Hochspannungsmasten in eine Sackgasse. Wunderten uns über einen ansehnlichen Neubau mit bunt gestalteten Fassadenelemente hier im Schatten dieses Pfeilers der Brücke neben den Hochspannungskabeln.

Der Aufstieg zum Mausoleum ward gefunden, erfreute uns aber weniger, denn, wenn auch auf asphaltiertem Belag, es ging ein ganzen Stück bergauf. Ich spielte für wenige Meter den Kavalier und schob Jola Stück um Stück voran.

Das Mausoleum entpuppte sich als wirklich erstaunliches Relikt zur Erinnerung an einen Kämpfer für den Anschluss Trients an Italien. Battisti musste sein Engagement mit dem Leben bezahlen, er wurde 1916 von den Österreichern gehängt.

Der Marsch in die Tiefebene erfolgte erst kurz über einen Trampelpfad, dann Treppen sowie mit unebenen Steinen gepflasterten Weg. Zwischendurch auch über an den Hang gehängte Metallplatten. Jola hatte ihren Faible für Pizza noch nicht abgelegt, aber entweder waren Geschäfte geschlossen, die Auslagen behagten ihr nicht oder Sachen, die auf der Karte standen, gab es derzeit nicht (wie im Café Tridente). In der Stadt herrschte reges Treiben, jedoch dominierten augenscheinlich die Studenten die Zahl der über den Piazza Duomo wandelnden Menschen.

Wir radelten zum Castello. Die Gärten durften eintrittsfrei besichtigt werden, Imposantes Gebäude, an dessen äußerer Mauer wir uns bis zum Café bewegten und dort einen verlängerten Kaffee (heißes Wasser und warme Milch) nebst vier kleinen Schokoladen genossen.

Ein junges verliebtes Paar saß bei einem Wein, eine Reisegruppe traf ein, manche der Senioren setzten sich auf die Rundbank unter einen Baum, andere holten sich eine Erfrischung.

In der Infothek erfuhren wir durch eine schön gemachte Animation allerhand über die Entwicklung und Entstehung von Trient.

Jolas Scoutrolle ging etwas daneben, auf der Suche nach dem Supermarkt verfuhren wir uns und gelangten erst nach der Durchfahrt durchs Gewerbegebiet zu dem Markt.

Abends machte Jola die Crevetten fertig, ich die Nudeln, so kamen wir zu einem genüsslichen Schmaus, den wir so sicher in keinem Lokal vorgesetzt bekommen hätten.

2019 Bozen (Moosbauer)

25.09.2019 Mittwoch

Jola machte morgens ihre Frühschwimmübungen, nach dem Frühstück begann der Abbau und dabei passierte mir ein dummes Malheur: Setzte das WoMo zurück, weil ich die Auffahrhilfen einsammeln wollte. Dabei hatte ich vergessen, dass eine Stütze noch nicht hochgedreht war. Diese knickte beim Zurückrollen um und verbog. Ich konnte das Teil nicht reparieren und auch nicht vollständig abbauen. Befestigte es mit einer Schnalle. Wut im Bauch!!

Jola kam mit der Rechnung und zeigte eine sorgenvolle Miene, 35 € für Strom, der nach Verbrauch abgerechnet worden war. Zwischenzeitlich war es so spät geworden, dass wir direkt zum Golfplatz fuhren. Keine Parkplatzprobleme hier auf dem Areal. Wir spielten mit einem Schweizer Paar, die zum ersten Mal in Südtirol waren und den Platz noch nicht kannten. Sie waren Gäste in einem Hotel in St. Martin im Passeiertal. Mein Start war vielversprechend, die Schweizerin schlug fast alle Abschläge mit dem Eisen und machte dabei eigentlich eine gute Figur beim Schwung, wenn sie auch nicht immer traf. Viel geredet wurde nicht, zu verstreut lagen unsere Bälle. Ärgerte mich besonders am Teich, weil ich gut heran gespielt hatte und es übers Wasser aufs Grün schaffte, aber dann…

Wir machten uns gleich auf zum Kofler, parkte direkt vor dem alten Geschäft. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckte ich eine Werkstatt. Ließ Jola bei Kofler den Einkauf machen, fragte in der Werkstatt um Hilfe und hatte dabei Glück, ein junger Mann eilte mit mir zum WoMo, schaute sich den Schaden an, ruckelte an der Strebe, holte Werkzeug und schraubte die Stütze ab. Nichts wollte er dafür haben, ich reichte im 5 € Trinkgeld, für das er sich artig bedankte. So sparte ich mir das Aufsuchen der Wohnmobilwerkstatt in Sinich.

Zum Moosbauer ging es dann gleich, in Terlan abgefahren und bald standen wir auf dem Gelände des Platzes. Platz 17 war uns zugewiesen. Ganz in der Ecke, natürlich mit Baumbestand. Kein Empfang, ein Wechsel war nicht möglich, dafür reichte mir die junge Frau an der Rezeption ein Kabel für Satellitenempfang. Ich probierte es, die Länge reichte nicht. Im Tausch bekam ich ein anderes. Der Anschluss war dann ein Puzzlespiel, der aufgeschraubte Stecker passte nicht, was ich nicht sofort merkte und an der Buchse am Fernseher herumdrehte. Immerhin gab es dann Empfang, musste das Kabel nur knicksicher verlegen. Jola machte Schnittchen, die wir bei milden Temperaturen draußen verspeisten, dabei wechselte sich die Sonne mit etlichen Wolken ab. Später setzte Regen ein, der mal ins Tröpfeln überging, dann aber wieder heftiger wurde. Wir verzichteten auf einen Ausflug, ich reservierte gegen 17.45 Uhr im Restaurant für 19 Uhr einen Tisch. Im Lokal schien gerade die Vorbereitung für den Abend im Gange zu sein, wobei eine der junge Damen lasziv in einem Sessel fläzte und mit ihrem Handy spielte.

Schnell noch kurz vor 18 Uhr die letzten Sonnenstrahlen am WoMo eingefangen. Ich berichtete Jola, ging dann ins Freibad und schwamm ca. 15 Minuten. Das Gewittergrollen in der Ferne schreckte mich vor dem Gang ins Wasser ab.

Im Restaurant registrierten wir Neuerungen, der Vorhang am Eingang war verschwunden, lichter die Ecke gestaltet und der äußerliche Vorbau war jetzt fester Bestandteil des Lokals, mit durchgezogener Sitzbank und jeweils kleinen Zweitischen davor.

Bestellte Hähnchenbrust gefüllt mit Frischkäse und Spinat auf grünen Linsen, Jola nahm das Risotto mit Pfifferlingen. Dazu gab es Weißwein, ein Flasche Sauvignon aus Naefer (19 €).

26.09.2019 Donnerstag

Schon beim ersten Austreten waren einige Wohnmobilisten beim Abbau. Nach dem Frühstück erfolgte die Abstimmung und Planung der Tour auf den Ritten. An der Rezeption erfuhr ich, Fahrräder dürfen in der Gondel mitgenommen werden, damit war das erste Problem gelöst. Wertkarte oder Mobilcard lohnten sich nach weiteren Recherchen für uns nicht. Jola Streckenplan durchkreuzte ich, weil ich vor dem Kreisverkehr in Gries in die Dreiheiligengasse abbog, später auf die Drususallee gelangte, über die Fahrradbrücke am Zusammenfluss von Eisack und Talfer direkt zum Bahnhof fuhr. Bis zur Gondelstation waren es dann noch ca. 500 m, die hatte ich gedanklich nicht „auf dem Schirm“ gehabt. An der Kasse bewahrheitete es sich dann, Normalpreis bezahlen kam für uns am günstigsten (26 €). Mit dem Fahrstuhl hinauf. Sonderbehandlung für uns beiden Radler, durften gleich durch die Schranke und auf die nächste freie Gondel warten. Die Reise auf den Ritten mit der Gondel war mir erst wieder in Erinnerung, als ich unterwegs war. In der Ferne sah man Teile der Erdpyramiden. In Oberbozen angekommen, blitzten weitere Details auf, Parkhotel, Café Fink, das Schwimmbad mit Bergblick, der Schnee, der Bahnhof für die Schmalspurbahn.

Mein Vorschlag, den Weg zu den Erdpyramiden zu wählen, stieß zunächst auf wenig Resonanz, doch dann willigte Jola ein. Ein Stück um das Parkhotel die asphaltierte Straße hinab, die alsbald endete und in einen steilen Eselsweg mündete.

Räder schlossen wir gezwungenermaßen an und wanderten durch schattigen Wald ziemlich lange einen recht abschüssigen Weg entlang. Die Erdpyramiden standen ähnlich prägnant in der Landschaft wie vor ca. sieben Jahren, als wir schon einmal Gast auf dem Ritten waren und hier an gleicher Stelle fotografierten.

Der Weg wieder hinauf war zwar mühseliger und leicht schweißtreibend, dafür aber gangbarer. Wieder bei den Rädern, warf ich einen Blick hinter den Hang, wo ich dieses Schindelhaus mit Zwiebelturm sah.

Wieder an der Gondel, zeigte mir ein Blick auf die Uhr 12.45 Uhr an. Bei Babsi hing eine attraktive Tageskarte aus, sodass es uns nicht allzu schwer fiel, hier auf der schmalen Terrasse vor dem Lokal Platz zu nehmen. Noch im Schatten liegend wurde es uns schnell zu kalt, zumal der Rücken vom Schweiß feucht war. Zum Glück verschwanden die Gäste vom sonnigen Nachbartisch und wir wechselten an die Sonne. Hirtennudeln und – wieder – Risotto für Jola, beides wurde recht flink serviert und schmeckte ausgesprochen lecker. So gestärkt schwangen wir uns auf die Räder und es ging unter der Sonne und mit Blick auf die Bergwelt mit Schlern, Rosengarten etc. in Richtung Klobenstein. Erste Ortschaft war „Wolfsgruben“, dann schossen wir meistens rasant bergab auf Klobenstein zu. Das letzte Stück gab es sogar einen separaten Radweg, der hinter der Sportarena in den Ort führte. So viel „Bergwelt“, wir stoppten an diversen Stellen, um diese Ausblicke zu genießen und „abzulichten“.

Das Hotel Bemelmanns fand ich sofort, hier schien sich nichts verändert zu haben. Suchten ein Café, es hätte nicht Bemelmanns sein müssen, aber ein anderes hatte heute Ruhetag, das Zentral bot mir keinen schmackhaften Kuchen an, so landeten wir doch bei Bemelmanns, nur im Hotel gab es auch hier keinen Kuchen. Dazu mussten wir uns in der Post-Stube nebenan (gehört ebenfalls zum Hotel) niederlassen bzw. orderten wir am Tresen, wo ein paar Einheimische beim Espresso standen und schwatzten. Zuvor hatten wir einen Blick ins Foyer des Hotels geworfen, gediegene Gemütlichkeit im Glanze alter Zeiten. Hier hätte vielleicht auch Ludwig II. seinen Spaß gehabt. Immerhin hielt sich hier S. Freud sechs Wochen lang auf und feierte sogar seine Silberne Hochzeit.

Nach Lengmoos radelten wir nicht mehr. Jolas Akku meldete mangelnden Saft. Ich setzte mich bei der Bestimmung der Route ins Tal hinab durch. Die – angeblich – vielbefahrene „Prinzipale“ wies eine geringere Neigung und besten Untergrund auf. Tatsächlich ließen sich die 12 Kilometer bis Bozen auf dieser Hauptstrecke zwischen „Oben“ und „Unten“ mit entsprechend harter Hand an den Bremsen gut fahren. Ich machte nicht den gleichen Fehler wie am Kohlern, nur die Rücktrittbremse zu benutzen. Und wir machten mehrfach einen Stopp, um die Bremsen zu schonen und den Blick auf die Berge richten zu können. Wir glaubten den Golfplatz Seiser Alm St. Vigil gesehen zu haben (Irrtum).

In Unterinn bremste Jola ab, wollte gerne zu Loacker Kekse kaufen. Und wirklich, es gab hier den sogenannten „Detailverkauf“.

Bei St. Justina hielt ich, wies Jola darauf hin, hier wären wir heraus gekommen, wenn wir bei Wolfsgruben abgebogen wären. Sechs enge Kehren, die es in sich hatten, dann gelangten wir auf die Rentscher Straße und über die Brenner Straße ins Innere von Bozen zurück.

Spaziergang zur Osteria, die hatte gerade wieder aufgemacht, uns war‘s zu früh für Schnittchen, bummelten noch durch die Gassen. Jola kaufte Tomatenstreusel, Tomaten, ich Kaffee bei Eurospar, Jola dann Strümpfe bei Goldenpoint.

18 Uhr, jetzt lagen die Schnittchen auf unseren Tellern, der halbe Liter Weißwein abgefüllt, ein Tisch wurde gerade frei und von uns sogleich okkupiert. Nicht so voll wie an den Wochenendbesuchen der letzten Jahre, aber alle Tische waren besetzt. Als Abschluss gönnte ich mir ein warmes Bruscetta „nach Art des Hauses“.

Auf dem Stellplatz umgaben uns wieder neue Nachbarn.

27.09.2019 Freitag

Schönes Wetter in Südtirol sieht eigentlich – meistens – anders aus, heute war es jedenfalls mehr oder weniger bedeckt, bei zunehmendem Hochnebel oder wie nennt man das, wenn diesiges Gewölk gen Himmel zieht? Egal, unser Vorhaben stand fest, heute fahren wir mit dem Rad nach Trento (Trient). Erfrischt hatten wir uns dafür zuvor für 15 Minuten im Freibad. Die Strecke war einigermaßen bekannt, verfuhren uns nicht. Allerdings war mir der langanhaltende Anstieg an St. Pauls und St. Michael vorbei nicht mehr recht in Erinnerung. Unterwegs riss einem Mann auf seinem Mountainbike seine Kette, den Fluch nahm ich noch im Vorbeifahren wahr, helfen konnte ich nicht (wohl aber hätte man zumindest stoppen und „guten Willen“ demonstrieren müssen).

Jola wollte kurz in eine der große Verkaufshalle, hier der Kellerei Cantina Kaltern, nach dem Sortiment gucken. Mitnehmen konnten wir sowieso nicht, also blieb ich draußen und schaute in die Landschaft bzw. beobachtete Menschen, die auf kleinen Transportwägelchen ihren Einkauf zu ihren Fahrzeugen transportierten. Der erste Zwist entstand, als wir uns entscheiden mussten, links oder rechts um den Kalterer See zu fahren. Am Ende war es wohl egal, zum See hinunter durften wir uns jedenfalls wieder einmal im Geschwindigkeitsrausch wähnen, obwohl abgebremst. „Auer“ mit 10 Km ausgeschildert war nach Recherche unsere nächste Anlaufstelle. Leider trieb uns einige Kilometer der Autoverkehr bis zum Kreisverkehr vor sich her. Dann wieder ein Hinweisschild auf einer Radwegpiste (nach Auer). Schien aber ungünstig, deshalb blieben wir in Richtung Neumarkt (4 Km) auf der normalen Straßen ohne Radweg. Die Hoffnung auf lichten Himmel blieb unerfüllt, verpackte die umliegenden Felsmassive dafür in mystisch anmutende Gebilde. Ab Neumarkt gelangten wir dann – endlich – an die Etsch, die milchig daherfloss, ein paar Strudel im Verlauf erzeugte, ansonsten aber eher mäßig ihr Wasser mitnahm. Neumark, soweit wir den Ort streiften, war geprägt vom Unternehmen Würth. Nun radelten wir beständig auf dem Schutzdamm, so um 12.30 Uhr fand ich, wäre es Zeit an einen Imbiss zu denken. Kurtinig (der Ort mit der geringsten Höhenabweichung) wäre ggf. ein geeigneter Ort für eine Mahlzeit gewesen, doch ich scheute mich vor „zusätzlichen“ Kilometern, drängte auf Weiterfahrt. Das Gelände schien sich leicht zu verändern, die Felswände links und rechts wurden niedriger – oder täuschte das? -, jedenfalls verführte uns Salurn mit seiner Infotafel an der Etsch dazu, den Ortskern nach Restaurants abzusuchen. Den Mühlenweg fanden wir nicht, die Harderburg hingegen hätte leckeres zu Essen geboten. Dazu hätten wir einen Schotterweg ca. 900m ziemlich steil durch einen Zecken befallen Weg hinauffahren müssen. Gefrustet brachen wir das Vorhaben ab, besuchten die Pizzeria Jolly, wo wir hausgemachte Pasta mit frittiertem Stücken vom Schwertfisch und Aubergine aßen. Wieder zurück auf dem Damm trafen wir auf Entfernungsschilder, die uns erst Mut machten – noch 17 Km bis Trient -, bzw. etwas später entmutigten – noch 24 Km bis Trient -. Endlich begrüßte uns der Radweg „Trentino“ bzw. „Adige“ mit neuer Entfernungsangabe (0) und einem Schild „bis Trient 28 Km“. Die errechneten 56 Kilometer blieben nun Illusion, wir mussten mit mehr als 70 Km rechnen.

Links und rechts die Verkehrsstraßen mit den von Autobahnen bekannten Perlenketten von LKW, mal näher, mal weiter weg. Wir umkurvten dann ungefähr bei Trient – Nord ein Biotop, was zusätzliche Kilometer mit sich brachte. Unterwegs überholten wir bzw. uns zwei Schweizer Radlerpaare, von denen eine Frau kurz vor dem Eintritt in die Stadt uns zuwinkte. In Trient strebte ich, Jolas Wunsch noch in den Ohren, dem Bahnhof entgegen. Gut ausgeschildert fanden wir den schnell. Der erste Kontakt zum Bahnpersonal deprimierte mich, er verstand hinter seiner Glasscheibe (Panzerglas?) kein Deutsch, er schickte mich mit Handzeichen und mickrigem Englisch woanders hin. Zumindest verstand ich soviel, dass wir zu einem anderen Bahngleis müssten. Gesagt, getan, nur ein paar hundert Meter weiter versuchte Jola diesmal ihr Glück an einem Ticketverkaufsschalter, und hatte Erfolg, Fahrkarten ohne Zeitbeschränkung für ca. 21 €. Nun konnten wir uns der Erkundung der Stadt widmen. Die Information war schnell, nachdem wir den Dante-Platz durchschritten hatten, erreicht. Jola besorgte einen Stadtplan und ließ ihren Akku nebst Ladegerät dort.

Die historische und verkehrsberuhigte Altstadt schloss sich unmittelbar an. Marode Rückfronten konnten dem Charme der Stadt keinen Abbruch tun, hinzu kam das turbulente Treiben der Absolventen der Universität. Die Erfolgreichen zogen mit Siegeskranz auf dem Kopf, verkleidet als „was auch immer“ oder im kleinem Schwarzen / Anzug durch die Gassen, saßen in den Cafés bei Aperol oder anderen Getränken und feierten ihren Abschluss. Wir taumelten durch die Innenstadt, beeindruckt, von Fresken an Häusern, Figürchen hier und dort an alten Gebäuden, Türmchen und Kirchen und Tore. Geschäfte jeglicher Couleur, groß und klein in Manier eines Containers. Musik tönte vom Piazza Duomo, wo auf einem Laufsteg junge Mädels, äußerst hübsch anzusehen, ihren Auftritt probten.

Die Modells müssen männliche Fans gehabt haben, denn in den überwiegend noch leeren Sitzreihen saßen in zwei ganz vorne Jungs und spendeten enthusiastisch Beifall, wenn ein oder zwei attraktive Mädels die Hüften schwingend den Laufsteg beschritten.

Einen Kaffee tranken wir in einem Geschäft mit Kaffee und sonstigem Schnickschnack. Bei der Sorte „Kolumbien“ stand auf dem Sortenschild u.a. „woman“. Sollte das bedeuten, dieser Kaffee wäre für Frauen prädestiniert? Vier kleine Schokoladenstücke (zwei hell, zwei 75% Kakaoanteil) gesellten sich dazu und wurden verspeist.

Zu den Malereien und Fresken gefiel mir mein Schnappschuss dieses vor einem Haus dösenden Mannes ganz gut:

Der Charme rührte heute für mich wohl nicht nur von der gut erhaltenen Substanz der Gebäude her, vielmehr beeinflussten die hübschen Mädels auf dem Laufsteg (hier rechts) oder sonst wo in der Stadt augenscheinlich die Wahrnehmung eines alten Mannes.

Schönes Ambiente fanden wir auf dem Marsch zurück zur Touristen-Information im „Teatro Sociale“, allerdings blieb nicht viel Zeit, um sich näher umzuschauen. Nach zwei Stunden, mit einer Plastiktüte voll Brot und gebratener Aubergine, eilten wir der Touristeninformation entgegen, hasteten durch die Gassen, die Wahrzeichen ignorierend. Nur noch 9 Minuten bis zur Abfahrt um 18.54 Uhr. Jola musste noch „austreten“. Im Bahnhof die Aufschrift Verona – Bolzano über der Treppe zur Unterführung. Jola hatte resigniert, meinte „dann nehmen wir eben einen Zug später“. Dabei war noch genügend Zeit. Ich schleppte die Räder die Treppe – mangels entdecktem Aufzug – hinunter, las das Display der Fahrplanauskunft, Gleis 3!. Unten keine Nummer 3. Scheiße! stand als Aufschrei im Raume und das Wort strömte sogleich mehrfach aus meinem Munde. Wieder die Treppen hinauf, suchend den Hinweis auf Gleis 3 gesucht. Fragte eine junge Frau, die mich wieder nach unten winkte und mit ihrer Hand irgendwie „rechts“ zeigte. Jola verzweifelte „das schaffen wir nicht“. Ich entgegnete, der Zug sei noch gar nicht im Bahnhof eingefahren, und wir schleppten die Räder hinauf. Schweißgebadet hievten wir sie erst einmal in einen Waggon. Geschafft!

Nur standen die Räder eigentlich „im Weg“. Zum Glück deutete uns ein Schaffner an, im nächsten Radabteil seien die Räder besser untergebracht. Plumpsten in die Sitze, Jola sagte kein Wort, schonte ihre Nerven, ich wartete darauf, dass der Schweiß aufhörte, meinen Rücken herunter zu laufen. In Bozen gab es im Bahnhof immerhin Aufzüge, was uns den Transport der Räder erleichterte.

Auf dem letzten Watt im Akku erreichte ich die Anhöhe im Moritzinger Weg und trudelte ohne Elektrounterstützung um 20 Uhr zum Moosbauer hinunter.

Jola traf wenig später mit der Meldung ein, wir dürfen noch zwei Tage länger auf unserem Platz stehen.

28.09.2019 Samstag

Der zehrende Tag von gestern forderte ein verlängertes morgendliches Schlummern. Nachts überkam mich leichtes Strampeln in den Beinen, sie wollten wohl weiter in die Pedale treten. Geruhsames Angehen am Vormittag, um dann gegen 10.30 Uhr den Bozener Markt zu besuchen. Rund 15 Minuten brauchten wir mit dem Rad bis in die Freiheitsstraße. Die leichte Bewölkung erleichterte den Marsch durch die Standreihen. Ungebremst gab Jola ihrem Einkaufstrieb nach, Tomatenflocken, Käse, Honig, ein neuer Gürtel, Gemüse, ich fand bei den Backwaren meine Heimat, orderte Brötchen, Baguette und Vinschgauer. Für einen Mittagsschmaus stellte ich mich am Pollo-Stand an, zog eine Nummer (87), erschrak, als ich die aktuelle Bediennummer (40) sah, stand eine Zeit lang stoisch in der mittlerweile heftiger aufs schüttere Haupt brennenden Sonne. Lustig fand ich das Werbeschild am Stand: drei Verkäufer hinter drei aufrecht stehenden schwarzgefleckten Kühen mit der Aufschrift „eat more chicken“. Dem Hitzetod geweiht, wandte ich mich nach dem Aufblenden der Nummer 60 aus der Warteschleife ab, erinnerte mich an einen anderen Brathähnchenverkäufer am Ende des Marktes, zu dem wir uns dann schnellsten begaben. Für einen Euro (9 €) mehr erhielt ich sofort meine zwei halben Hähnchen.

Bevor wir uns jedoch um unsere Mittagsmahlzeit kümmerten, streifte ich mit Jola durch die Reihen mit Bekleidungs- und Accessoireartikel, leicht benebelt von den Ausdünstungen der Lederwaren, genervt von der Enge mit den schlendernden, dann wieder stehenbleibenden Besuchern, verabschiedete ich mich von Jola, strebte der Bar „Amba Alagi“ entgegen. Immerhin blieb mir so viel Zeit, die Menschen bei ihrem Fortkommen zu beobachten. So traf mein Blick einmal auf sehr stramme und muskulöse Waden einer kleinen Frau, die in ihrem kurzen Rock sehr sicher auf ihren High Heels durch die Gänge ein kurzes Stück vor mir her stöckelte und dann in der Menge verschwand.

Natürlich steuerten diese zentral gelegene Institution mehr Einkaufsmüde an, so war es nicht verwunderlich, dass kein „Platz an der Sonne“ frei war. Manchmal hilft tatsächlich geduldiges Warten, das diesmal kaum eine Minute dauerte und schon trat unerwartetes Glück aufs Trapez, zwei dickliche ältere Frauen mimten den „Aufstand“, was mich sofort zum „Wird hier frei?“ animierte. Ein Aperol Spritz stand schnell nach der Bestellung auf dem Tisch. Jola trottete nach wenigen Minuten heran, den neuen Gürtel im Gepäck.

Ein Abstecher zu Egger Ramer bescherte uns zwei Literflaschen Wein (weiß und rot) für je 4 Euro.

Wieder am WoMo zerfledderten wir den Mittagsimbiss, unsere halben Hähnchen. Nichts weiter gemacht, also nicht Rad gefahren, gewandert etc.

Gegen 18 Uhr betätigte ich mich für eine Viertelstunde im Schwimmbecken sportlich.

29.09.2019 Sonntag

Jola war umtriebig, hatte sich die Wanderung zum Noafer zum Ziel gesetzt und an der Rezeption nach dem Weg, der möglichen Dauer und der Mühe gefragt. Steil sei es und ca. 800 Höhenmeter zu bewältigen. Die „Chefin“ schaffe den Weg in 1 ¼ Stunden. Beim Noafer ließ es sich gut speisen. Das mit den 800 Höhenmetern hatte ich wohl falsch verstanden, deshalb willigte ich ein und wir marschierten ca. 10.30 Uhr los. Bis zum Einstieg, ein Stück den Moritzinger Weges entlang, benötigten wir lediglich 5 Minuten. Durch Reihen von Weinstöcken wohl gemütliche 300m, stießen wir auf ein offenes Metalltor, dessen Durchgang jedoch strengsten verboten war (weil er zum Schießplatz führte). Kein Zeichen und kein Schild wohin es nun weiter gehen sollte. Unser Leben wollten wir nicht aufs Spiel setzten, auch wenn keine Geräusche schießender Schützen zu hören war.

Umgekehrt, festgestellt, dass wir das hölzerne Schild vor der Kurve beim Betrachten der bläulichen Rebenvielfalt übersehen hatten.

Schwupps befanden wir uns auf einem Stein bewährten Pfad, der sich in Schlangenlinien den Hang hinaufzog, ohne dass ich dabei viel vom Bozener Panorama mitbekam. Ab und an ließ sich ein Blick ins Tal werfen und dabei sogar einen Teil des Campingplatzes sehen. Vor uns wanderten zwei einheimische Frauen, die wir aber bald aus dem Blickfeld verloren.

Nach zwanzig Minuten Kampf gegen die Schwerkraft durfte eine Verschnaufpause eingelegt werden.

An einem einsam gelegenen Haus verursachte mein erwanderter Vorsprung eine Irritation. Obwohl Jola mich aufwärts streben gesehen hatte, verlief sie sich und ich stand im Schatten einiger Bäume am Hang und wartete auf sie. Die Warterei nutzte ich, um mir aus dem losen Bruchholz einen Wanderstock zu rekrutieren. Den Griffbereich schnitzte ich mir glatt für einen besseren Halt.

Noafer schien aus einer Perspektive schon sichtbar, es war dann „Fehlalarm“. Aus einer halben Stunde Restzeit wurde fast eine, dann hörte ich Stimmen, sah parkende Fahrzeuge und klapperndes Geschirr. Noafer muss als Ausflugsziel für Einheimische eine beliebte Adresse gewesen sein, an fast allen Tischen saßen Menschen, meistens speisend. Draußen am letzten freien Tisch Platz genommen, zog es uns in unseren nassgeschwitzten Sachen schnell ins warme Innere des Gasthauses. Nette Bedienung, schneller Service, Essen in Ordnung, kein Highlight. Trotzdem bestellten wir Kaffee und Kuchen (erstmals Apfelstrudel für mich) zum Nachtisch. Eine Flasche Sauvignon vom Hof für 7,50 € wanderte als „Wackerstein“ zum Abschied in meinen Rucksack, verschaffte mir aber keine stärkere Bodenhaftung.

Kurz vor 14 Uhr marschierten wir weiter, Jola bestand darauf den Burgenweg nach Gries zu gehen, er sei weniger abschüssig als andere Strecken. Weg Nr. 9 war am Noafer nicht ausgeschildert, mussten im Gasthof nachfragen. Aus der ersten Kehre blickten wir über einen Hang auf eins der immer wieder mal in der Landschaft stehenden Architektenhäuser, diesmal mit viel Holz verkleidet.

Ein Stück Straße gewandert, dann den Weg Nr. 9 ins Tal, auf glattem Stein in steilen Lagen war mit meinem Wackelknie schlecht voranzukommen. So zog sich der Abstieg, und tatsächlich schwitzte ich fast mehr als bergauf. Einmal kam uns ein Mountainbiker in raschem Tempo bergauf entgegen, bedankte sich, dass wir ihm Platz machten. Zweimal rief Jola „jetzt sei es geschafft“ (gemeint war wohl der abschüssige Part), doch bis wir den Promenadenweg erreichten, bedurfte es noch etwas Geduld.

Wieder im Flachland, fanden wir keinen Anschluss an den Bus. Der, der gleich kommen sollte, fuhr lediglich bis zum Krankenhaus, der, der am Campingplatz halten sollte, stand nicht als Linie auf diesem Fahrplan. So marschierten wir leicht gequält den Moritzinger Weg bis zum Moosbauer zurück. Das reichte nun auch wirklich!

Jola nicht, sie schwamm sich die aufgestaute Hitze aus dem Leib.

2019 Würzburg

18.09.2019 Mittwoch

Unseren ersten Tag verbrachten wir vom 17.09.19 an in Kassel. Heute verließen wir Kassel so um 12 Uhr. Auf die Autobahn mit Ziel „Würzburg“.

Voller Hoffnung die Auffahrt genommen, und schon gleich in zäh fließenden Verkehr geraten. Das war dann auf den rund 200 Km auch die einzige bemerkenswerte Behinderung. Sonnenschein erhellte nicht nur den Tag, auch das Gemüt. Würzburg, den Main und den Stellplatz an diesem erreichten wir um 14.20 Uhr. Normaler Parkplatz mit separiertem Areal für die WoMos. Wenige freie Plätze, Jola eruierte die Lage und lotste mich zu einem hin. Strom anschließen erwies sich als Lotterie, die Münzen fielen stets durch, egal welcher Wert, alle Lampen leuchteten rot, auf dem Display stand „FREI“. Ich fragte einen Mann um Rat, letztlich führte seine Frage, ob ich schon geschaut habe, ob ich Strom habe, zum Ziel. Strom war „inklusive“, also „FREI“.

Mir war nach einem neuerlichen Fußmarsch, den konnten wir direkt vom WoMo aus am Main antreten. „Kunst am Main“ bescherte uns schon nach ersten Schritten Objekte, die von mir mehr oder weniger als gelungen bezeichnet werden sollten. Ich steuerte zielsicher das Café an der Fußgängerbrücke über den Main an. Ein Plätzchen draußen mit Blick auf die Touristenströme bot Abwechslung.

Schulklassen und Reisegruppen schoben sich intervallartig über das Kopfsteinpflaster in Richtung Zentrum. Ein Pärchen versuchte mit auf einem Dreibein befestigten Handy Fotos von sich zu machen, Misserfolge inbegriffen, da das Gestell mehrfach umkippte.

Wir wanderten bis zur Ludwigsbrücke, über die wir den Main überquerten und an der Promenade uns Richtung Innenstadt bewegten. An vielen Stellen begleiteten uns Erinnerungen an frühere Besuche, die wir versuchten, aus der schummerigen Versenkung ans Helle Jetzt zu zerren. Der Blick auf die Festung war hier einen Schnappschuss wert.

Während des Stadtbummels schlenderten wir auf den Markt. Wenige Stände befanden sich hier mit Gemüse, Käse und Wurst. Ein recht neu wirkendes Gebäude bestach architektonisch mit einer verkleideten Fassaden. Die versetzt angebrachten Verblendelemente sahen wie flache Holzscheite aus, waren aber aus steinernem Material.

Neben dem Haus kennzeichneten aus Plastik aufgeklebte Streifen in Form eines Sternes einen Punkt, der mir wie eine Markierung für Freunde guter Fotomotive vorkam. Tatsächlich stellten sich mehrere asiatische Touristinnen genau auf diesen Stern und knipsten die Kirche. Ich machte dann ebenfalls ein Foto von diesem Stern aus.

Wieder an der Promenade, die auf dieser Seite hübsch bepflanzte Beete aufwies und mit diversen Bänken zum Verweilen einlud, lockte auch Jola zu einer Rast in der nachmittäglichen Sonne an. Wir ließen die Menschen an uns vorüberziehen, hielten unsere Nasen in die Sonne, beobachteten die ankommenden Flusskreuzfahrtschiffe oder die am Ufer sitzenden Pärchen. Verliebte streichelten sich gegenseitig den Rücken, andere hatten ihr Fläschchen Wein und Weintrauben mitgebracht, wieder andere lasen in einem Buch oder auf ihrem Smartphone.

Auf der Alten Mainbrücke standen die Menschen mit Weingläsern entlang der Brüstung in der wärmenden Sonne. Jola hätte wohl jetzt gerne einen Schoppen getrunken, doch mein Plan war, mit dem Rad zur Festung Marienburg hinauf zu fahren und dort den Biergarten zu besuchen (von dem ein Ehepaar im Café am Nebentisch berichtete, es sei so nett dort oben). Als wir wieder am WoMo ankamen, stand ein größeres Mobil neben uns, so eng, dass ich die Räder kaum aus der Garage bekam.

Mit ein bisschen Schweiß unter dem Hemd erreichte ich die Festung, enttäuscht festzustellen, dass der Biergarten nicht geöffnet hatte. Wenigsten entschädigte uns der Ausblick auf die Stadt und das Umland.

Wieder am Main und auf der Brücke, hatte sich die Zahl der mit einem Weinglas versorgten Menschen drastisch erhöht, kaum ein Durchkommen zum Verkaufsstand. Musikalisch versorgte ein Mann mit Gitarre die Weinseligen mit Songs von Eric Clapton, wobei seine Stimme aus einem Verstärker schallte. Der gut gekühlte Silvaner für 4,50 € war wirklich üppig eingeschenkt. Jola mahnte mich an, vorsichtig mit dem Glas umzugehen, 5 € Pfand war nicht gerade wenig. Gegessen wurde dann im Brauhaus Alter Kranen.

2019 Lana

20.09.2019 Freitag

Mystisches Panorama über dem Forggensee, Schwaden verdunstenden Wassers zogen über die Oberfläche. Brötchenauswahl im Shop war umfangreich, alle gekauften Teile schmeckten gut. Im Anschluss keine Ausflüge mehr unternommen, die vor uns liegenden gut vier Stunden Fahrzeit schienen mir Herausforderung genug für diesen sonnig begonnenen Tag. Die gewählte Route führte bei Füssen alsbald über die deutsche Grenze, Imst, Landeck, Nauders, Reschen, dann durchs Vinschgau gezuckelt. In Lana dann zu guter Letzt direkt vor der Abzweigung in den Feldgatterweg eine ärgerliche Umleitung (Deviation).

Am Rande des Platzes 97 gegenüber dem Hochspannungsmast stand auf dem Gelände des Schlosshofes ein blutroter Laubbaum (Sorte?). Der versperrte zunächst den Fernsehempfang, drehte das WoMo, was die Lage verbesserte. Pause dann bei einem Tee.

Angekommen!. Jola schwindelte leicht, woher das Unwohlsein?

Nach dem Besuch der Sanitäranlagen entdeckte ich auf dem Tagesplan das Happy Hour Angebot eines Cocktails, den ich dann am Tresen im Hotel bestellte. Grenadine, Kokosrum, Prosecco im Glas mit Eiswürfeln, ein paar Oliven und Chips. Auf einem Tablett schunkelte ich zum WoMo, überraschte damit Jola, die im Gartenstuhl döste.

Leckeres Gesöff zum wohlverdienten Beginn des Aufenthaltes und zum Anstoßen.

Muss wohl ein bisschen Alkohol im Cocktail gewesen sein, aufgestanden und leicht gewankt. Nach einer Lesepause fuhren wir zum Kofler. Neuerliche Überraschung, Das Geschäft ist in das nebenstehende Gebäude umgezogen, wesentlich vergrößert, verschönert und im Angebot umfangreicher.

Wir nahmen Leberkäse, Weißwürste, Speck und Käse mit. An der Kasse, die schon aus dem Vorjahr bekannte ältere Dame, die nach einem kurzen Wortwechsel uns scheinbar als „erkannt“ titulierte. Danach strampelten wir durch den Ort, schauten beim Schwarzschmied vorbei (Eingangsbereich umgebaut), sahen einen Neubau in der Fußgängerzone, dort kaufte ich zwei blaue Spannbettbezüge (je 19,95 €). Auf dem Aichweg trafen wir auf den Bäcker „Mein Beck“, dort trug man im letzten Jahr T-Shirts mit lustigen Sprüchen. Schauten bei dem Kirchlein St. Agatha vorbei.

21.09.2019 Samstag

Ruhiges Angehen des ersten autofreien Tages. Spätes Frühstück bei Hochnebel, beratschlagten, wohin geradelt und was gemacht werden sollte. Es blieb bei der Wanderung auf Brandis Waalweg. Jola wand ein, es gäbe einen Wochenmarkt, der noch vorher besucht werden sollte. Den Weg dorthin versuchte ich möglichst außerhalb der viel befahrenen Durchgangsstraßen zu fahren. Laurinweg, dann auf einem Parkplatz ca. 6 Stände mit Angeboten von Gemüse, Brot, Käse, Speck, Marmelade etc. Das sei nicht der gesuchte Markt, so Jola, und weiter ging es aufwärts nach Oberlana zur Post, wo wir im letzten Jahr auf dem Bauernmarkt die grünen Eier kauften. Kein Marktstand hier heute! Dafür entdeckte ich eine Käserei, bei der wir Eier und zwei Sorten Käse kauften.

Probierte ein paar schmale Pfade, die als Fuß- oder Radweg gekennzeichnet waren. Einer führte an einem rauschenden Waal entlang, ein anderer im Rücken der Klostergärtnerei.

Bei den aktiven Bäuerinnen kaufte Jola dann Tomaten und ein Glas Marmelade. Brachten „die Beute“ in Sicherheit (Kühlschrank), dann selbige Route zurück bis zum Margarethenweg, nahe beim Kloster Lanegg. Der Brandis Waalweg war hier schon auf den obligatorischen Holzschildern ausgezeichnet. Die Räder banden wir an eine Ruhebank an. Den Weg von ca. 300m zum Waalweg hinauf erklommen wir in gemäßigtem Tempo, noch im Aufwärmmodus quasi. Kastanien- und Apfelbäume im Wechsel begleiteten uns die meiste Zeit. Manchmal vernagelten Grundbesitzer am Wegesrand ihre Grundstücksgrenze mit hohen Holzzäunen (ob als Sichtschutz oder eher gegen Fruchtdiebe blieb ungeklärt). Das Kirchlein St. Margareth kam in Sicht, etwas später die Pfarrkirche mit dem weltberühmten Schnatterpeckaltar (im Bild). Zwei schwarzbraune Eichhörnchen spielten „Hasch mich, ich bin der Frühling …“ oder so etwas in der Art und jagten sich dabei an einem Baum um denselben.

Erreichten das Restaurant Waalrast um 12 Uhr, wanderten weiter ca. 10 Minuten bis zum Wasserfall, vorbei am Golfplatz. Am Wasserfall war es deutlich kühler, ein Mann posierte direkt davor für ein Foto. Ansonsten floss das Wasser unentwegt, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr wäscht es den Fels aus.

Im Restaurant aßen wir eine Kleinigkeit (Omelette Jola und ich gebackene Zucchini), dazu ½ Liter Vernatsch, der leichte Nebelerscheinungen ums Hirn verursachte. Gingen dann zum Golfplatz und besorgten uns eine Startzeit für Dienstag um 09.45 Uhr. Eine Hochzeit fand im Restaurant statt, eine blutjunge Frau im hübschen Hochzeitskleid kam gerade zu einem Foto-Shooting mit ihrer Mutter (Schwiegermutter?) aus dem Gebäude. Wir marschierten auf der Straße zu den Rädern zurück.

Zwischenzeitlich erzeugte die Sonne reichlich solare Wärme. Wir landeten dann bei Mein Beck, saßen bei Saft/Espresso draußen, lasen Zeitung/Illustrierte. Nahmen vier Vinschgauer fürs Abendbrot mit. Jola machte einen Abstecher zu Lidl, ich steuerte den Heimathafen an.

Um 17 Uhr marschierten wir ins Hotel, gingen ins Schwimmbad, wo wir zunächst die einzigen sportlich Aktiven waren. Mir war‘s recht, so konnte ich in aller Ruhe meine fünfzig Bahnen schwimmen. Ungefähr müssten das ca. 1.000m gewesen sein, bei einer mit zwanzig Schritten abgemessenen Länge des Beckens.

Beinahe wäre ich auf den nassen Fliesen daniedergeschlagen, ausgerutscht und konnte mich gerade noch aufgefangen.

Am Außenbecken standen jetzt ungewöhnliche Sitzgelegenheiten, in blau eingefärbte Gesichtsmasken, die mit Löchern dort, wo sonst die Augen erstrahlen, ein wenig unheimlich wirkten, vor allem im Dunkeln.

Textstelle aus dem Buch „Die 150 Tage des Markus Morgart“: „Meine Texte dümpeln als Flaschenpost im Ozean der Nichtbeachtung“. Der Satz hatte mich wirklich beeindruckt.

22.09.2019 Sonntag

Wie angekündigt, war es leicht bewölkt und etwas kühler als die Tage zuvor. Jola besorgte wieder Brötchen. Gefrühstückt wurde trotz Abkühlung draußen.

Meine Idee von einer Fahrt nach Schenna wurde in die Tat umgesetzt. Was wir dort dann weiter machen wollten, sollte vor Ort entschieden werden. Die Strecke nach Meran galt als hinlänglich bekannt und somit gab es von unterwegs wenig zu berichten. Bogen dort nach Schenna ab, wo es auch zu den Gärten von Trauttmannsdorff ging. Über die Dantestraße mit ihren mondänen Villen, in großen Parks gelegen und oft durch hohe Zäune vom sonstigen Leben abgegrenzt, gelangten wir zum Brunnenplatz. Kurz orientiert, dann die Fahrstraße hinauf neben den durch Autos stark frequentiertem Weg. Zum Glück nur ein kurzes Stück, von da ab ohne Autoverkehr, dafür stark ansteigend durch die Apfelfelder Meter um Meter Höhe gewonnen. Schauten wir bei einer Verschnaufpause ins Tal, so schienen wir uns bereits über Dorf Tirol zu befinden. Ohne den Turbo „Sport“ hätte ich kaum den Aufstieg bis zur Schennastraße geschafft. Das „Blumenhotel“, unser Domizil im Jahre 2006, sahen wir nicht, dafür tauchte das Schloss, die Pfarrkirche sowie das neugotische Mausoleum auf.

Wir beließen es erst einmal mit dem Fortkommen zu Rad, parkten die Drahtesel an der Abzweigung zum Taser (Seilbahn), begaben uns zum „Zentrum“, wo sich die Hörmuschel, das Rathaus und die Information befanden. Letztgenannte hatte geschlossen. Aus einer Übersicht über Wandermöglichkeiten durften wir uns eine Tour aussuchen. Jola gab zu bedenken, keine Überanstrengungen mit ihr zu veranstalten. Der „Wiesenweg“ schien deshalb die geeignetste Variante für eine gemütliche Runde. Schenna sollte umrundet und dabei Sehenswürdigkeiten und die Vielfalt der umgebenden Natur wahrgenommen werden. Mit gut zwei Stunden wären wir dabei. Es war gerade 11.30 Uhr durch, als wir den Schlossweg hinauf pilgerten, alsbald das Schloss hinter uns ließen und auf einen Feldweg auf ein Waldstück zugingen, der Sagenweg begann. Figuren waren in unregelmäßigen Abständen aufgestellt, dazu Erklärungen zu der Sagengestalt beschrieben.

Vor der Verzweigung der Wege ein Foto als Memo für diesen Teil der Route gemacht.

Es folgten verschiedenartige Beschaffenheiten der Wege, unterschiedliche Steigungen, aber fast immer begleiteten uns die Apfelplantagen. Erstaunlich die Sorte in einer blau-rötlichen Farbe, die insgesamt befallen sein musste, Stellen verunstalteten die Oberfläche. Schloss Thurn nebst Hof mit Gastronomie (zu früh für eine Pause) streiften wir, wanderten, oft mit freiem Blick auf die Täler ins Vinschgau oder Passeier, auf den Ort St. Georgen zu.

Genau zur richtigen Zeit trafen wir im Ort auf den gut besuchten Gasthof, der Hunger hatte sich gemeldet, aber es war nur ein Platz auf der Veranda frei. Etwas kühl, aber wir deckten uns mit Kissen und einem Überwurf ein. Jeder bestellte ein Menü für 16 €. Schneller Service, alles schmeckte ausgezeichnet. Im Ort befand sich eine Rundkirche mit Wohnhaus.

Bewerkstelligen mussten wir ab hier einen relativ steilen Abstieg, über den wir dann – vom Zentrum weg – auf den Goyenweg gelangten. Ein Stück auf der Straße, die wir schnell wieder links hinab zum Mitterplattweg verließen. Wieder in Schenna gönnten wir uns ein Stück Kuchen und ein Kännchen Kaffee im Schenna Hof. Ohnehin zu teuer (18,20 €), ärgerte ich mich darüber, dass mir die nicht bestellte Sahne auf meinem Pflaumenkuchen berechnet wurde und die junge Servicekraft pikiert auf meine Reklamation reagierte.

Die Rückfahrt erfolgte meist bergab, was vor allem Jolas Akku schonte. Exakt um 17 Uhr waren wir dann zurück am WoMo.

Ich verschwand sogleich mit Badesachen in der Schwimmhalle (30 Bahnen).

Besorgte nach der Erfrischung im Hotel drei Brötchen (von heute morgen) bei einem der Servicemitarbeiter, „bezahle später“, kommentierte er die Übergabe der Tüte mit den Brötchen. Auf die Bezahlung verzichtete der Chef dann am Abend, so Jolas Anmerkung.

23.09.2019 Montag

Regen fiel, wie angekündigt. Erst in geringer Dosis, dann in schöner Regelmäßigkeit. Der Ausflug mit dem Rad zur Meraner Mühle in die Industriezone wurde gecancelt. Buchten die Sauna für den Nachmittag (18 €). Rafften uns zu einem Spaziergang mit Regenschirm zum Tourismusbüro auf. Ein Schirm war letztlich zu wenig, nass würden wir beide. Die abschüssige Straße triefte und die vorbeifahrenden Fahrzeuge erzeugten Wasserfontänen. Beim Ultner Bäcker kaufte ich vier Brötchen und zwei Stück Kuchen. Die Tüten musste ich dann möglichst im Trockenen halten.

Die Wanderung am Rosengarten sollte 18,50 € pro Person kosten, 15 Personen hätten sich schon angemeldet, bis 17 Uhr müssten wir uns anmelden. Wir beließen es bei dieser Informationseinholung,

Jola buchte unsere Startzeit für die Golfrunde auf Mittwoch 11.30 Uhr um. Mittags aßen wir die Bratheringe aus Wismar, alles typisch Norddeutsch: Fisch und Regen.

Um 16 Uhr zogen wir mit den Badeutensilien zur Sauna los. Drei Durchgänge machten wir, zwischendurch erfrischte ich mich kurz im Schwimmbad, wobei ich im Wasser fröstelte. Am Ende schwamm ich dann doch noch ein paar Bahnen, duschte und wanderte mit dem klitschnassen Saunatuch zum WoMo. Jetzt hatte es aufgeklart, sogar die Sonne blitzte kurz auf, bevor sie hinter den Bergkämmen verschwand. So gegen 19 Uhr trafen wir beim Pfefferlechner ein, draußen wollte Jola nicht sitzen, zu kalt sei es. Innen gedrängte Enge, alle Tische waren besetzt, Jolas Reservierungsversuch per Email war gescheitert, zu spät abgeschickt. Lotste Jola zum Forst-Bräu. Auch hier kein freier Tisch, ein Servicemitarbeiter notierte meinen Namen (falsch, aber egal!). Wir warteten am Tresen, einen Blick in die Speisekarte werfend. Vor uns eine Vierergruppe, die gleich einen Tisch zugewiesen bekam.

Uns teilte der Servicemitarbeiter einen Vierertisch in der Nähe des Ausgangs zu. Das bestellte Bier ward schnell gebracht und damit angestoßen. Orderten Suppen (Gulasch und Knödel) und teilten uns danach eine Pizza „Lana“. Das zweite helle Bockbier passte gerade noch.

24.09.2019 Dienstag

Keine Wolke am Himmel, als wenn nichts gewesen wäre. Jola war frühaktiv, hatte die Toilette gelehrt, Wäsche gesteckt und Brötchen besorgt.

Jola forderte einen Entschluss, was heute gemacht werden sollte. Ihre Idee war, zum Vigiljoch mit der Seilbahn zu fahren und dort zu wandern. Meine Favoritenlösung war, den Marlinger Waalweg zu gehen. Schnell noch die Leine gezogen und die Wäsche aufgehängt.

Bis zum ZOB nach Lana, dann, nach einem prüfenden Blick auf die Übersichtskarte, fiel die Wahl auf den Einstieg in der Raffeingasse. Den Waalweg von hier aus zu erreichen, bedurfte eines recht steilen Stückes die Straße hinauf zu gehen. Die Räder ließen wir vor einer, leicht der Baufälligkeit anheimfallenden, Villa an einem Geländer angekettet stehen.

Der Waalweg wurde im Laufe des Tages mehr und mehr zu einem stark frequentierten Ausflugspfad für Reisegruppen. Aber auch viele Paare (mit oder ohne Kind/Hund) oder Kleingruppen marschierten in beiden Richtungen den schmalen Weg am Waal entlang. Balance halten, ansonsten könnte man unversehens nasse Füße im Waal bekommen oder am Hang straucheln. Mehrmals wanderten in Pausenstellung unsere Blicke auf die andere Talseite, wo wir die Fragsburg suchten. Unsere erste Rast machten wir gegen 11.30 Uhr im Gasthaus Leitenschenke. Mein Vorschlag, einen Kaiserschmarrn zu bestellen, nahm Jola wohlwollend auf. Der stand auch wenig später auf dem Tisch, wo er nicht lange unberührt blieb. Einen kleinen grüne Zaungast begrüßte ich am Tisch nachdem ich gerade bezahlt hatte, eine Gottesanbeterin kroch am Tischrand, verharrte. Bewegte sich nach einem Stupser mit meiner Handy-Hülle. Zweite tierische Überraschung waren zwei Schildkröten am WC.

Die Orte Tscherms und Marling tauchten unter uns auf und verschwanden nach einigen Biegungen wieder.

Ein Waldlehrpfad gesellte sich zum Waalweg, auf verrosteten Metallplatten waren Blätter und Früchte von Bäumen in weiß eingraviert (Rückseite die Lösung als Text).

Der Waal sang uns sein Lied (so tönte ich manchmal laut vor mich her) begleitend, mal rauschend, mal gurgelnd, mal kaum hörbar glitt das milchig aussehende Wasser im Kanal dahin. Ab und an huschte auf dem Wasser schwimmend ein grüner Apfel mit dem Strom vorbei. Einige der Sperrschotten waren geöffnet worden, damit Wasser ins Tal oder auf Felder abfließen konnte.

Einmal wurde über eine Infotafel erklärt, dass es früher hier die Waalwächter gegeben hatte. Sie „bewachten“ den Waal gegen heimlichen Wasserdiebstahl. Als Hilfsmittel diente ihnen die Wasserglocke an einem kleinen Mühlrad, das, wenn Wasser unerlaubt abgezweigt wurde, die Glocke beim Anschlag anders klang, als wenn der Waal vollen Durchfluss aufwies.

Ein Viertel Roter durfte es an einer Schankstelle sein, wozu wir unsere geschmierten Vinschgauer auf einer Holzbank neben vier älteren Schweizern verspeisten.

Der Waal war vermessen, kleine metallene Schilder mit der Kilometerzahl waren im Kanal an den Betonplatten angebracht (gesehen hatte ich 8,9, 7,4, 5,5 und 4,4). Kurz nach dem letztem Entfernungsschild bogen wir auf den Wanderweg Nr. 1 nach Forst ab (Zusatzschild „Brauhaus“). In Forst gönnten wir uns im Biergarten einen Imbiss (Weißwurst und Brezel), dazu ein Bier. Wir durften Zeuge eines Gespräches am Nachbartisch werden: scheinbar kann der Betreiber nicht genug Personal rekrutieren und will den Biergarten schließen). Diese Saison wäre ohnehin am 29.09.19 zu Ende. Wir marschierten zur Bushaltestelle an der Hauptstraße, wo der Bus der Linie 212 um 15.15 Uhr abfuhr. 3 € kosteten beide Tickets, zwei brauchte ich nur einzuwerfen, ein Euro Guthaben hatte ein Vorgänger hinterlassen. Am Bahnhof Meran stiegen wir in die Linie 211 um, mussten auf den Bus ein paar Minuten warten. Diesmal 3 Euro für die Fahrt bezahlt. Marschierten in Lana vom ZOB zu unseren Rädern, Jola kaufte bei Lidl Käse und Quark, mit den Lebensmitteln im Gepäck kehrten wir beim Pfefferlechner ein. Fanden einen kleinen freien Tisch im Biergarten, aßen beide Spareribs und gönnten und zwei Halbe dazu.

2019 Schwangau

19.09.2019 Donnerstag

Nachts einmal „ausgetreten“. Direkt am Main ins Gebüsch gespendet. Schöne nächtliche Ansicht hinüber auf die Stadt, wo wenige Straßenleuchten dezentes Licht an der Promenade verstreuten.

Frisch war es am Morgen, trotz Sonne am Himmel. Brötchen in der Pfanne aufgebacken, kurzes Frühstück, Abfahrt kurz nach 9 Uhr. 12 € für das Tagesticket inklusive Strom. Disput um die Streckenführung und das Ziel. Dabei war alles abgesprochen. Richtung Füssen sollte es gehen (knapp über 300 Kilometer). Autobahn A3, danach auf die A7. Gemütliches Fahren wäre zwar anders zu definieren, aber immerhin gerieten wir in keinen Stau. Teilstrecken entpuppten sich als so holperig, dass das Navi mehrmals von der Scheibe rutschte. Baustellen gab es auch alle „naselang“.

Schwangau bzw. Camping Brunnen am Forggensee erreichten wir gegen 14 Uhr, uns bot man zwei Plätze zur Wahl.

Nummer 20 lag etwas erhöht, geeignet, um aus dem WoMo einen Blick auf den See werfen zu können. Taperten gleich ins Stüble, aßen auf der Sonnenterrasse. Jola zweifelte an meinem Fisch, der als „frischer Saibling“ angepriesen worden war. „Es sei wohl eher eine Lachsforelle“, so ihr Kommentar (auch gegenüber der Bedienung, die leicht pikiert negierte).

Jola hatte zwischendurch Unterlagen zum Besuch des Schlosses Neuschwanstein besorgt. An der Rezeption entmutigte man uns insofern, als dass kaum Hoffnung auf heutigen Einlass bestünde. Egal, wir fuhren trotzdem hin. Und siehe da, keine Schlange am Ticketschalter, bekam gegen 15.30 Uhr Tickets für den Besuch um 17 Uhr. Ca. 35 Minuten ginge man bis zum Schloss, Räder dürfe man nicht bis hinauf mitnehmen. Als „Pausenfüller“ nutzten wir einen Abstecher zum Alpsee, den wir kurz mit dem Großen Alpsee verwechselt hatten. Ein älterer Herr entkleidete sich und sprang in den See.

Auf Schritt und Tritt empfand ich mich wie auf Maos Marsch auf dem Pfad der Revolution, Asiaten aller Nationen versammelten sich hier in dem kleinen Dorf Hohenschwangau.

Die Wanderung hinauf verursachte leichtes Schwitzen, ein schwarzes Eichhörnchen lugte Keck aus einem Graben, schien um eine milde Gabe zu bitten. Oben fluteten im 5 Minutentakt Gruppen den Eingang, die Führung dauerte exakt 30 Minuten, dabei folgte eine Gruppe der anderen fließbandartig. Im Schnelldurchgang bekamen wir Informationen über das Leben Ludwig II., sein Vorhaben, dass er nicht vollziehen lassen konnte, weil er bereits mit 40 Jahren verstarb. Das, was er initiierte, erschien märchenhaft, künstlerisch und „sagenhaft“.

Anlehnung an Sagen oder Werke (Parsifal, Tristan und Isolde und Lohengrin) von Richard Wagner waren unübersehbar.

Der Schwan als „Markenzeichen“ war in fast allen Räumen omnipräsent. Hier als porzellaner Wasserverdunster, andernorts als Wasserhahn.

Kalt war es geworden, also rasch mit kurzer Hose zurück zum Campingplatz. Die letzte Haxe ergatterte ich für 8,50 € im Restaurant.

Sie wurde ritterlich von mir am Abendbrottisch zerkleinert und als Hauptmahlzeit kredenzt. Jola bevorzugte Heringe in Tomatensoße, knabberte dann aber doch an der Knusperkruste mit.

2019 Colmar

05.08.2019 Montag

Nachdem mit Miriam geklärt war, wann wir sie in Kassel besuchen kommen können, war für uns Colmar ein nahes und bekanntes Zwischenziel. Rund 180 Km verbrachten wir gemächlich auf verschiedenen Straßentypen, immer kamen wir gut voran. Wieder im Elsass fühlte ich mich gleich der Heimat näher, wieso eigentlich? Obwohl ich die Adresse des Campingplatzes eingegeben hatte, steuerte ich den Stellplatz am Hafen in Colmar an. Um die Mittagszeit reisten einige Gäste ab und genügend freie Plätze standen zur Verfügung. Nur wenig mehr als 15 € für eine Nacht mit Strom, und noch näher zum Zentrum.

Die letzte Melone verspeist, dann aufs Rad geschwungen und zur Markthalle gestrebt. Vieles war seit dem letzten Aufenthalt in Vergessenheit geraten oder kam erst mit der realen Bebilderung zurück. Die Altstadt wimmelte von Touristen, mehrere Gruppen asiatischer Herkunft tourten durch die Gassen, ein bunter Haufen Menschen, bei denen ich deren skurrilen Einkleidungsstil bei bestem Willen nicht nachvollziehen konnte, meist mit Selfiestick bewaffnet, wurde alles abfotografiert.

Die Markthalle hatte dummerweise am heutigen Montag geschlossen.

So durften wir uns der Suche nach einer anderen Speisestätte widmen. Die drückende Hitze belastete das Gemüt, schnell geriet man wegen Kleinigkeiten in einen Disput. Trotzdem fanden wir am Place Ancienne Douane einen freien Tisch am Gehwegrand und aßen „Überraschungsteller“, weil das Französische auf der Speisekarte falsch interpretiert wurde.

Gegen 13.20 Uhr verhängte der Service die Essenssperre, neue Gäste wurden mit dem Hinweis „geschlossen“ verprellt, Stühle zusammengeschoben und die Speisekarte weggesperrt. „Terrine lapin“ entpuppte sich als zwei kalte Scheiben Undefinierbares, dazu geraspelte Karotten, und Speckkohl. Auf Jolas Teller befand sich ein Hähnchenschenkel und Frites mit dicker herbstlicher Soße.

Ein heimischer Winzer verkostete Elsässischen Wein, wir probierten ein Glas 0,1 Ltr. Rosé für 2 €. Werden ihn nicht vermissen.

Latschten durch zwei Einkaufsstraßen, Jola auf der Suche nach einem Kleid und nach Geschenken für Miriam. An der Touristen-Information „angeklopft“ (Jolas Typisierung) und an den Wasserlauf gesetzt und den Füßen eine Abkühlung gegönnt. Neues Hobby von mir: mich in freien Gewässern selbst fotografieren.

Folgten kurz den metallenen Dreiecken zur Rue de Tété. Das „Kopfhaus“ noch einmal betrachtet, dann einen Espresso im „1921“ getrunken und 250.o Kaffee gekauft. Immer noch so viele Touristen, eigentlich mehr, als zu dem Zeitpunkt, an dem wir hier eintrudelten. Nicht ganz bei den Rädern, stoppten wir erneut bei der Weinverkostung, Jola spendierte einen Crémant, danach einen weißen Muscat. Beide trinkbar, aber nichts, für einen Flaschenkauf.

Jola meckerte über meine Vorliebe, jungen Frauen nachzuschauen. Nun ja, ab und an gab es ja schließlich auch was zu sehen!

„Paul“, der Bäcker, mit seinen leckeren Baguette noch in Erinnerung aus der letzte Reise, tauchte auf und ich nahm zwei Paulette mit. Schwüle Luft begleitete uns auf dem Heimweg, der schneller zu Ende war, weil kürzer als bis zum Campingplatz. Der Stellplatz war „closed“, alle Plätze vergeben.

Jola zog gegen 18.40 Uhr erneut los, Besorgungen machen. Zu diesem Zeitpunkt war nicht nur der Stellplatz geschlossen, auch Toiletten und Duschen konnten nicht mehr benutzt werden.

06.08.2019 Dienstag

Katzenwäsche von Jola im WoMo gegen 07.30 Uhr, Grund: Duschen waren erst am 08.30 Uhr nutzbar. im Anschluss auf die Räder geschwungen und zur Markthalle gefahren. Berufsverkehr an der Hauptstraße, im Ort gähnende Leere, kaum Menschen in der Fußgängerzone, wenn, dann saßen sie vor einer Patisserie und aßen Croissant und tranken Kaffee.

Punkt 8 Uhr schlossen wir die Räder vor der Markthalle an. Ohne Touristen wirkte die Gegend am Quai de la Poissonnerie verlassen, konnte da, durch seine fein gemachten Häuser würdigen. Marschierten ins Innere, bestellten zwei kleine Frühstück. Der Mann bot uns einen Tisch auf dem außen über dem Wasserlauf des La Lauch angebrachten Ponton an, erste Gäste. Ein Glas kalter Orangensaft, ein Drittel Baguette, ein Croissant, ein kleines Glas Marmelade und einen Kaffee, typisch französisch.

Ein bisschen Käse, Zwiebeln, Tomaten, Baguette und eine Flasche Cidre schafften wir zum WoMo. Neuer Versuch, Schweiß von der Haut zu bekommen, Sanitärtrakt aufgesucht, Dusche besetzt, also warten, zusammen mit Jola. Gemeinsam in die Dusche, saunaartige Luftmasse waberte von der Vorgängerin um uns herum. Nach der Dusche schwitzte ich mehr als zuvor.

Ich kam mit den Nachbarn aus Bremen am WoMo ins Gespräch, die erstmals mit einem geliehenen WoMo unterwegs waren.

Die Abfahrt verzögerte sich, Jola musste unbedingt den Wasserbehälter auffüllen. Dafür stand sie ziemlich lange an der Zapfstelle an (Grund: zu geringer Druck in der Leitung).

Die Fahrt bis kurz vor Straßburg reine Freude, kein Stau, flüssiger Verkehr, die Temperatur stieg im Fahrzeug an, Klimaanlage an, dann war es zu kalt, Klimaanlage wieder aus. Dann den Rhein überquert und Deutschland hatte uns wieder. Bis 13 Uhr auf der Autobahn durchgehalten, dann abgefahren nach Lorsch (ca. 13 Km von Worms) in ein Gewerbegebiet und auf dem Parkplatz von tegut gehalten. Jola bereitete Mittag, zwei Quiche in der Pfanne warmgemacht, ich vertrat mir derweil die Beine und besuchte die Toilette.

Im Navi hatte ich nach der nächsten Tankstelle gesucht. Dafür kreiste ich 1.500m (nach Navi), es waren dann wohl ein paar Meter mehr. Goldene Tankzeiten schienen nach dem teuren französischen Diesel angebrochen zu sein, nur 1,269 € für den Liter.

Nach und nach reisten wir in eine dunkle Wand, kurze starke Schauer wechselten mit aufgelockerter Bewölkung. Ursprünglich war Fulda mit der Therme in Künzell als Ziel vereinbart. Alternativ kam Bad Hersfeld in Betracht, allerdings kein Campingplatz, dafür Stellplatz am Freibad.

Mal was Neues ausprobieren war unsere Devise, also fiel die Entscheidung zu Gunsten Bad Hersfeld aus. Dafür musste ich ca. 55 Km mehr auf der Autobahn abreißen. Immerhin besserte sich das Wetter. Wie ich befürchtete, die wenigen Stellplätze waren alle besetzt, zumindest auf den ersten Blick. Eine Lücke bot mir den Versuch an, meine Einparkkünste unter Beweis zu stellen. Jola half beim Abstand halten. Sogar eine freie Stromsteckdose war für uns übrig.

Zum Hausmeister in den Pavillon, wo ich 6,25 € für den Stellplatz löhnte und einen Stadtplan bekam.

Direkt an einem Fußballfeld mit Kunstrasen standen wir, das Freibad auf der anderen Seite. Das besuchten wir zuerst für eine Erfrischung. 2,20 € Eintritt nach 17 Uhr, zusätzlich 20 Cent fürs Duschen. Wundersame Welt: im Freibad fürs Duschen einen Obolus zu entrichten.

50m Bahn, kaum Besucher, ideale Bedingungen für ein paar ordentliche Züge. 600 Meter schaffte ich, trotz schmerzendem Knie.

Danach den einen Kilometer in die Innenstadt zurückgelegt. Der Marktplatz fungierte als Parkplatz, ansonsten Fachwerkhäuser, viele Lokale in verkehrsberuhigter Lage, einige imposante Sakralbauten und die Festspielbühne in der Ruine. Aßen im Wirtshaus zum Mückenstürmer am Marktplatz. Einige „schöne Frauen“ fuhren in teuren Cabriolets um den Marktplatz.

Jola war von der Stadt begeistert, plante schon für morgen vor, ein Bummel bei geöffneten Geschäften.

Das Festspielgelände beeindruckend in Szene gesetzt, das Innere der Ruine mit einer riesigen Zeltplane überspannt. Ein kleiner Biergarten lud zum Verweilen ein. Nach dem Rundgang gab es seit langer Zeit mal wieder ein Weizenbier (und das für nur 3,50 €). Heute fand keine Aufführung statt, ich erfuhr dies im angrenzenden Museum, in dem vor einer winzigen Bühne im Halbkreis Stühle unterschiedlicher Art und unterschiedlichen Alters standen. Sie seien aus dem Fundus des Museums, restauriert mit Spenden oder Fördergeldern.

Langsam ausgekühlt, dachte ich an die Rückfahrt. Zu uns an den Stammtisch der Darsteller (eigentlich reserviert) setzte sich eine Gruppe, zu der sich bald ein „Uwe“ gesellte und wohl noch weitere Freunde kommen sollten. Die beiden jüngsten waren zwei Frauen, wieder ausgesprochen aparte Wesen. Optisch hatte dies Stadt einiges zu bieten!

Jola wurde auf dem Rückweg durch eine rote Ampel ausgebremst. Ich wartete vorsichtshalber, der Verdacht, sie konnte die Abzweigung übersehen, bestätigte sich alsbald. Zum Glück übersah sie mich nicht, als sie angerauscht kam.

Rest der Fahrt ist privat. Am 08.08.2019 wieder in Lübeck.

2019 Besançon

04.08.2019 Sonntag

Gut 250 Km sollten heute zurückgelegt werden, Ziel der Campingplatz in der Nähe von Besançon. Ggf. war eine Weiterfahrt bis Mulhouse angedacht (-→ 130 Km mehr). Den größten Teil legte ich entspannt bei 100 Km/h auf der Autobahn zurück, was uns am Ende 31,80 € kostete. Die Landschaft veränderte sich unmerklich, der Wein wurde weniger, dafür mehr Felder mit Mais, der jetzt bereits eine gewisse Höhe erreicht hatte. Abfahrten mit Ortsnamen, die mir aus der Hinfahrt geläufig waren, weil wir sie auf den Landstraßen durchfahren hatten.

Der Campingplatz war eigentlich gut ausgeschildert, ich hatte wohl auch die korrekte Adresse eingegeben, doch das Navi wollte mich in Besançon stets woanders hinlenken. Am Ende landeten wir am Ortsende von Chalezeule direkt am Freibad. Es war ca. 13.30 Uhr, an der Rezeption ein Hinweis, um 14 Uhr sei man wieder für Gäste da. Die Snackbar bot nichts Esswürdiges an, das Restaurant auf der anderen Straßen glänzte durch gähnende Leere, weil geschlossen. Also im WoMo das Baguette von heute Morgen aufgetischt, Gemüse geschnitten, Sauerfleisch den Rest gegeben, Ziegenkäse, Oliven, was will man mehr. Dann den schattigen Platz 101 eingenommen, einen Espresso getrunken, danach ins Schwimmbad, kostenlos mit Campingplatz-Ticket, sonst 2,50 €. Es war, ohne Übertreibung, mehr Menschenmasse als Wasser im Becken. Ich wurde gleich nach der Durchschreitung des Fußbeckens vom Bademeister aufgefordert, meine Turnhose auszuziehen. Überall in den Anlagen wird stets darauf hingewiesen, dass es aus hygienischen Gründen nicht erlaubt sei, mit Shorts ins Wasser zu gehen. Warum nur?

Die dunkelsten Hauttypen sprangen kopfüber ins Becken, warfen im Wasser mit Bällen oder tollten am Beckenrand herum, ohne dass die Aufsicht einschritt. Die schönsten Mädchen/Frauen posierten, sonnten sich, schwammen, auch mal ein ansehnlicher Kopfsprung war dabei. Slalom war notwendig, um einmal durchs große Becken ohne Anecken zu schwimmen.

Gegen 17 Uhr machten wir uns nach Besançon auf.

Schöner Radweg, teils neu und nur für Radfahrer, teils auf fast unbefahrenen Nebenstraßen entlang der Doubs. Sie floss quasi durch ein Tal, links und rechts bewaldetes Felsmassiv, manchmal oben gespickt mit Ruinen alter Festungen/Burgen. Am Ufer angedockt lagen einige bewohnt wirkende Kähne. Die Citadelle thronte mit dicken Mauern über der Stadt.

Um die Stadt, die auf mich nach wie vor wie eine Festung wirkte, am Flusslauf herumgefahren. So gelangten wir ca. 18 Uhr wieder an altbekannter Stelle an der Pont Battant und der Kirche St. Madeleine in den inneren Kern der Stadt. Zeit für ein Bier, passend dazu die Lokalität direkt an der Brücke. Ein heimisches Bier, ziemlich kalt, löschte den aufgestauten Durst, während wir das Treiben um uns herum auf uns wirken ließen.

Jola wurde nicht warm mit diese militärisch anmutenden Aneinanderreihung von kompakter Bauweise, außerdem fehlte Grün in den Straßen. Die Räder ließen wir stehen, suchten auf der Wanderung durch die sediert wirkende Stadt ein Abendmahl. Konzentrierte sich auf das Umfeld um die Brücke, Flammkuchen war nicht mein Ding. Die Grand Rue empfing uns als Einkaufsstraße mit geschlossenen Läden. Am Ende wäre es zur Citadelle hinaufgegangen, später vielleicht!

Gutes französisches Essen war hier heute und jetzt kaum zu erwarten, am Ende speisten wir in der Rue Pasteur im Café Leffe, Systemgastronomie. Meine beiden Geflügelspieße waren ein Witz, jeweils 3 Stücke hingen auf den Holzstöckchen zwischen laschen roten Paprikascheiben.

Während wir auf Getränk und Essen warteten, ereignete sich an einem Nebentisch eine Art Mundraub. Ein Zwillingspaar, cool mit dunkler Sonnenbrille, leicht gebräunt und stets mit süffisantem Lächeln um den Mund, bestellten sie zwei große Bier, nörgelten beim Service daran herum, der zwei neue mit einem Löffel darin brachte. Ständig telefonierten sie (oder taten so?), die Steaks verdrückten sie, telefonierten wieder, der eine verschwand, kam zurück, der andere entfernte sich mit seinem Handy, kam ebenfalls zurück. Dann verdrückte sich der eine erneut, in eine Richtung, der andere folgte wenig später telefonierend über den Platz, wurde plötzlich schneller und entfleuchte um die Häuserecke. Niemand nahm Notiz davon. Später räumte ein Kellner die Teller weg, die halbvollen Biergläser ließ er stehen. Dreiste Zechprellerei, live dabei!

Zwei Impressionen aus der Stadt: eine sonntägliche Straßenansicht mit Menschen auf äußerer Haustreppe bei der Handynutzung und Jola mit Monsieur Battant auf der gleichnamigen Brücke.

Danach etwas sportlich aktiv die ungemein steile Straße zur Zitadelle hinaufgefahren. Imposantes Gemäuer, für ein Foto fand ich allerdings kein Motiv. Es gab leider keine alternative Abfahrt, die uns auf unseren Radweg gebracht hätte. Wieder an der Doubs, verpassten wir die Überfahrt über den Fluss, was ich ca. nach einem Kilometer anmerkte. Umkehr und Rückfahrt bei nun frischem Fahrtwind und beginnender Dunkelheit.

2019 Lyon

03.08.2019 Samstag

Abfahrt, erst ein Stück auf den wenig befahrenen D-Straßen u.a. durch Valréas, dann 176 Km auf die Autobahn A9 nach Lyon. Reger Verkehr, aber wir kamen gut voran, heißt keine Staus. Das konnte man von der Gegenseite nicht behaupten, Sitzfleisch war bei den Reisenden angesagt, Stau ohne Ende auf drei Spuren (waren das die Pariser, die ans Mittelmeer wollten?). In Lyon dann doch noch zwei Kilometer Kriechspur durch den Tunnel. Der Campingplatz wirkte etwas lieblos gepflegt, aussuchen durften wir nach Belieben einen Platz. Immerhin ein Swimmingpool, ganz ordentliche Sanitäreinrichtungen. Nach einigem Hin und Her und Nachfragen an der Rezeption verzichteten wir auf unsere Räder, benutzten Bus und U-Bahn um in die Altstadt zu kommen. 6 € ein Tagesticket, günstig für eine Großstadt. Um 15 Uhr bretterte der Busfahrer über holperiges Pflaster in Dardilly (ein weniger aparter Ort, soweit ich das aus der Perspektive im Bus beurteilen konnte) und war in gut 25 Minuten an der U-Bahn-Station. Alles gut ausgeschildert, alles sauber und ordentlich. Drei Stationen, dann krochen wir aus der Tiefe des U-Bahnschachtes an die Oberfläche der Altstadt und befanden uns unmittelbar im Touristenstrom um St. Jean. Gleich in ruhigere Gassen geschwenkt, die Rue de Doyenné. Ein kleines Restaurant bot Essen an, möglich, dass es lecker war, aber wir zogen vorbei, in der Hoffnung, bessere Einkehr zu finden.

An der Église St. Georges wendeten wir uns dem Ufer der Saône zu und marschierten zurück in das Auge des Orkans, Place de St. Jean und Rue St.Jean, wo am Platz gerade eine Gruppe Demonstranten der Marke „Gelbwesten“ markige Sprüchen von sich gebend eintraf und für Unruhe sorgte. Wenig später, wir traten gerade nach der Besichtigung der Kathedrale auf den Vorplatz, tauchten diverse schwerbewaffnete Polizisten auf, tauchten in der Menge der Touristen unter. Jola befürchtete Schlimmes, ich zog einfach weiter durch den Strom der „Ausländer“, warf einen Blick in diesen Gang oder den Hinterhof.

Im Rückblick aus der Fußgängerzone ergab sich ein schönes Motiv der Kathedrale in Seitenansicht:

Immer noch waren wir auf der Suche nach einer ansprechenden Pausenstation, die wir aus lauter Verzweiflung im Bogen der Saône am Ende des Altstadtviertels St. Paul in der Rue Lainerie bei einer Art Steakhaus in Anspruch nahmen. Auf der Karte keine alkoholischen Getränke, was den Verdacht schürte, es handele sich um einen islamisch geprägten Betrieb. Zumal ein Teil der Gäste durchaus dazu gepasst hätte, Kopftuch bspw. Bei der Bezahlung klärte sich die Sache auf, gegenüber befand sich eine Schule, im Umkreis von X Metern dürfe kein Alkohol verkauft werden.

Ein bisschen Ausgleichssport schien nicht unangebracht, so schlug ich Jola Treppensteigen vor, die gleich hinter der U-Bahnstation St. Paul hinauf führten und allein optisch schon eine Herausforderung darstellten, weil nach oben kein Ende in Sicht war.

Trotz gemäßigter Gangart auf flachen Steinstufen trat Schweiß auf die Stirn und Innenhalten war angebracht. Nach ca. 950 Stufen erreichten wir, überholt von jüngeren Spaniern/Spanierinnen, ein Plateau. Es gab einen Abzweiger mit dem Hinweisschild „Parc de Hauteurs und Notre Dame de Fourvière“, der zwar registriert, aber an dem wir vorbeigingen. Endlos zog sich linker Hand eine Mauer, unterbrochen von Stahltoren, die Grundstücke absicherten, hin, rechts ebenfalls Gemäuer, im Verfall befindlich, an anderer Stelle modernisiert. Kunst soll hier ausgestellt sein, aktuell alles hinter verschlossenen Toren versteckt. Uns deuchte, hier finden wir keinen Weg in den Park oder zur Kathedrale und kehrten um. Diesmal folgten wir dem Hinweisschild, was uns wiederum Schweiß aus den Poren trieb, denn es ging noch ein weiteres Mal Steinstufen hinauf. Oben dann die Belohnung, die Kathedrale und die Aussicht über Lyon. Dicht gedrängt standen die Menschen an der Brüstung und knipsten Erinnerungsfotos.

In die Kathedrale drangen wir nicht ein, Jolas Versuch, durch das Portal ins Innere zu gelangen, wurde abrupt durch einen Türsteher vereitelt, er schlug ihr die Tür vor der Nase zu.

Aus dem Stadtplan war mir bereits bekannt, dass von hier oben eine Art Seilbahn zur U-Bahnstation St. Jean fuhr. Diesen Kurztrip nahmen wir gerne in Anspruch. Im Wartebereich kam ich mir vor wie auf einem Berg in den Alpen.

Ohne weitere Aktivitäten, es war 19.15 Uhr, stiegen wir nach der Seilbahnfahrt gleich weiter in die Katakomben der Station St. Jean hinab, bzw. ließen uns auf der Rolltreppe nach unten transportieren. Gut ausgeschildert fanden wir gleich den Bahnsteig der Linie D nach Gare de Vaise. Nach zwei Minuten kam die recht volle Bahn an. An der Endstation wartete der Bus der Linie 89 schon (so jedenfalls der Eindruck). Kaum eine Minuten nachdem wir eingestiegen waren, fuhr der (gleiche) Busfahrer los. Im Bus meistens Touristen, die ebenfalls am Campingplatz ausstiegen.