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alter (weiser) Mann, kommunikativ (wenn es sein muss).

2019 L‘Isle-sur-la-Sorgue (2)

30.07.2019 Dienstag

Abwasch (Jola) und Duschen (Uwe) überschnitt sich fast, beide schienen wir unter die Frühaufsteher gegangen zu sein. Jola trollte sich mit dem Rad davon, Basisnahrung beschafften, sprich Baguette. Ich riet ihr zu der Boulangerie Artisan gleich nach dem Kreisverkehr zu fahren. Es dauerte, aber als sie wieder auftauchte brachte sie die frohe Botschaft mit, ihr Schlüsselbund sei wieder da. Sie hatte einen Abstecher zur Patisserie gemacht, die heute wieder geöffnet war. Und wirklich, die Frau aus dem Laden hatte den Schlüsselbund an sich genommen, nur noch nicht zur Polizei gebracht. Wenigstens dieses Problem erledigte sich von selbst. Méze verließen wir gegen 09.30 Uhr, Jola schwärmte länger von „diesem schönen Ort“, wo alles so gut zu erreichen war, die Menschen zu arbeiten und hier zu wohnen schienen, die Stadt nicht so verfallen wirkte wie anderswo (bspw. Agde). Meine Routenplanung eingeschaltet, wonach es zunächst Richtung Avignon und weiter nach Lagnes und L‘Isle-sur-la-Sorgue gehen sollten, an einem der nächsten Tage in die weiter nördlich gelegene Weinregion um Gigondas und Rasteau. Die Domaine Tourbillon in Lagnes fanden wir nicht sofort.

Die Auswahl in der Verkaufshalle reichte von dem Eigenanbau bis hin zu Weinen aus der Domaine Châteauneuf de Pape. Doch die Preisklasse für diese Weine war mir definitiv eine Kategorie zu hoch. Dafür beglückte mich das Angebot des Rotweines der Sorte „Plan de Dieu“, mit 12 € eigentlich immer noch eine Preisklasse außerhalb meines Budgets, aber es gab beim Kauf von 3 Flaschen 1 gratis dazu. Mit Olivenöl (für uns und als Geschenk), Weißwein und Rosé löhnte ich zu Jolas Entsetzen 424 €. Dafür erbot ich mir etwas Entgegenkommen, bekam eine Flasche Rotwein und einen Flaschenverschluss als Zugabe. Alles im WoMo verstaut, ob bruchsicher, wird sich zeigen.

Jola schlug dann einen Abstecher nach Gordes vor, ein Dorf wie ein Schwalbennest gebaut am Fels, einst dem Ruin verfallen, gerettet und nunmehr eine Touristenattraktion, wie ich bald feststellen durfte. Busladungen, vor allem asiatischer Herkunft, strömten in diesen „pittoresken“ Haufen alten Gemäuers. Zudem war in der Ortsmitte gerade der Wochenmarkt zu Ende gegangen.

Die 13 Kilometer Anfahrt mündeten auf schmaler Straße in Serpentinengekurve, im Ort zum Glück einen bezahlten Parkplatz in der Mittagssonne ergattert (4 €). Fußmarsch schattensuchend zum Mittelpunkt (Kirche) ca. 500m. Wie eine Kolonie Ameisen stratzten die Asiaten mit aufgeklappten Sonnenschirmen oder einige im Ganzkörperkondom gen Filmkulisse. Oben ergatterten wir an einem der Wochenmarktstände warme Mahlzeiten ohne Besteck, mit den Tüten beschritten wir einige der engen Gassen, meist führten sie nach „abwärts“. Unlust überfiel mich, Hunger trieb mich zu dem Stand zurück,

Jola bat auf französisch-englischem Kauderwelsch um Anschnitt der erworbenen Bulette. Auf einer Steintreppe vor dem Touristenbüro verzehrten wir dann unsere Plate de Jour.

Ich verweigerte die Erkundung des Restes dieses Konvolutes touristischer Photomanie. Marschierte zum WoMo zurück, knipste allerdings selbst noch ein Bild von der Felswandansicht.

Nicht genug von dieser Schmalspurstrecke, Jola wollte unbedingt nach Roussillon, wo der Ocker abgebaut wird.

Wieder Ausweichmanöver auf engen Straßen und wieder Kurven hinauf in den Ort, wo kein Parkplatz für Wohnmobile zu finden war, uns eine Aufpasserin stoppte und zu einem anderen Parkplatz verweisen wollte. Mein Geduldsfaden besaß wahrscheinlich nur wenig mehr als strapazierfähige Fasern im Mikrobereich. Deshalb auch schnelle Umkehr und Roussillon unbesichtigt verlassen die Rückfahrt nach L‘Isle-sur-la-Sorgue angetreten. Die Hitze ohne Luftbewegung wurde unerträglich, das trotz Klimaanlage. Genervt von den Unnützwegen trafen wir gegen 16.30 Uhr auf dem Campingplatz ein.

Jola erledigte die Formalitäten, schilderte mir, wir hätten mehrere Optionen, vornehmlich Nummer 9 als Schattenplatz sei angepriesen worden. Nahe dem Ausgang, rangierte ich das WoMo rückwärts auf den Stellplatz. Da kein Satellit die Schüssel erreichte, scannte ich die anderen freien Plätze ab, drehte quasi eine „Ehrenrunde“ auf dem Gelände. War ziemlich viel Lauferei für „umsonst“ gewesen. Drehte danach das WoMo und Empfang war da. Jola wollte Action, ich erst einmal Tee. Pastis zur Ankunft.

Gegen 18 Uhr den Weg um das Campingplatzgelände getapert und ins eiskalte Wasser der Sorgue getaucht. Menschen saßen an den flachsten Stellen auf Stühlen bei einer Dose Bier im Wasser und klönten oder sahen ihren Kindern beim Plantschen zu. Eine Polizeistreife im Kanu, vorschriftsmäßig mit Schwimmwesten bestückt, hievte sich das Wehr geschickt hinunter und verschwand im Flussbogen. Bei 13° freiwillig ganz untertauchen, ich hätte nicht gedacht, dass das solche Freude sein könnte.

Als ich mich aufs Trockene begab, stand ein äußerst ansehnliches Mädchen, mir deuchte, es sei indischer Herkunft, im Wasser und animierte einen Jungen an Land, zu ihr ins Wasser zu kommen. Die Engelszungen wirkten nicht unmittelbar, er zauderte oder genierte sich, was weiß ich über die Mentalität.

Abends fuhren wir in den Ort, bummelten, die meisten Läden hatten schon geschlossen oder verwiesen ihre Kundschaft der Verkaufsfläche. Mediterranes Treiben dort, wo Restaurants ansässig waren.

In der Kirche begann gerade eine Veranstaltung, Internationales Jugendorchester mit ca. 70 Beteiligten spielte ab 20 Uhr Klassik. Eine Cellistin bekam beim zweiten Stück einen Solopart. Meine Musik war es insgesamt nicht.

Aßen in der Rue de Goudard bei Le 17 Place aux Vins eine Kleinigkeit (Tapas) und tranken dazu 0,12 Ltr. Rosé. Nächtliches Leuchten an der Avenue des Quatre Otages. In lauwarmer Luft radelten wir gegen 22 Uhr gelassen zurück zum WoMo.

31.07.2019 Mittwoch

War es der Mistral, der die Nacht über nicht zur Ruhe kam? Langschläfer, nennt man uns so, wenn wir erst 08.40 Uhr aufstehen? Die Hitze hielt sich noch zurück, als wir uns auf den Weg nach Le Thor zu der Grotte von Thouzon machten. Am Kreisel fanden wir ein Fahrradweghinweisschild nach Le Thor. Dem folgten wir, in der Hoffnung auf eine gute Beschilderung und vernünftige Straßenverhältnisse. Beides traf mehr oder weniger zu, teils neu geteerte Straße und an den entscheidenden Ecken die grünen Schilder. Keine fünf Kilometer und das Ortseingangsschild „Le Thor“ tauchte auf. Vom Ortspanorama keine besondere Kenntnis genommen, eher auf die Beschilderung geachtet, wo es zur Grotte ging. Mit Hilfe des Mistrals schafften wir die restlichen 4 Kilometer, ohne unter der Hitze der Sonne besonders zu leiden. Das Monument erwies sich außen als unspektakulär, ein kleiner Parkplatz, ein Picknickplatz, eine Souvenirshop und die metallene Eingangstür in die Höhle. An der Kasse im Shop handelte Jola den Eintrittspreis um einen Euro pro Person herunter (Pensionär). Wir bekamen eine DIN A4 Seite mit der Beschreibung der wichtigsten Anschauungsobjekte. Wir warteten, es dauerte dann ein Weilchen. Einmal strömte aus dem Eingang eine Menschenmenge, darunter erstaunlich viele Kleinkinder. Unter den Bäumen am Parkplatz stromerte ein Pfau herum, einer mit einem langen bunten Schwanz, der bei Windböen seinen Körper zu überholen wollen schien. So gegen 11.45 Uhr rief man die Interessierten über Lautsprecher zusammen. Der junge Mann brabbelte in schwer verständlichem Französisch (egal, auch mit Verständlichem hätte ich nicht viel mehr anfangen können), was bei der Begehung der Höhle zu berücksichtigen und zu beachten wäre. Kinder bekamen in Form eines Comic ein Höhlenerforschungsheft. In der Höhle herrschte eine konstante Temperatur von 13°. Auf den Kopf musste ein großer Mensch bei der Begehung Acht geben. Stalaktiten wuchsen auch am oder über dem Höhlenweg. Mit effektvoller Beleuchtung setzte man die natürlich entstandenen „Objekte“ aus Kalk, Wasser und Zeit besonders in Szene. Manchmal spielte auch Eisenoxyd eine Rolle bei der Farbgebung.

Schattenwurf und das Gehirn mit seiner eigenen Phantasie produzierten laufend aus den verschiedenen Formen Figuren, die aussahen wie Pferdeköpfe, Menschen in Mänteln, Gesichtern, Fischkörper etc. Makkaroni hingen von der Höhlendecke, Wasser sammelte sich nach und nach hinter dem Rand von abgelagertem Kalk, der zum einem Becken anwuchs, schafften sich im Laufe der Zeit selbst ab, indem der Kalk das Becken zu einer Glocke schloss.

Nach dem Ende des Rundganges suchten wir das Zentrum von Le Thor auf, mittags so verschlafen wie müde Augen nach einer durchzechten Nacht. Hinter der Kirche der Markt, wo gerade die Beschicker ihre Stände abbauten. Eine Bar, wo unter einer Plane ein paar Menschen bei Getränk und Essen saßen. 12.45 Uhr, eine gute Zeit, einen Imbiss zu uns zu nehmen. Außerdem würden wir der Hitze eine Zeitlang ausweichen. Die Bedienung, eine blondgefärbte Frau in kurzem Rock mit Serviceschürze und einer Zahnreihe, die nur künstlich geformt worden sein konnte, bediente freundlich, klebte die Sets mit Tesa auf dem Tisch fest, rollte die Bestecke fachgerecht in die Serviette ein. Neben Einheimischen saß auch ein Paar „Fremdlinge“, geschätzt Holländer oder Skandinavier, mit E-Bikes unterwegs, an einem der Tische bei alkoholfreien Getränken.

Jola fand das Essen zu teuer.

Als ich in der Bar zahlte, fand ich ein quirliges Innenleben mit Einheimischen vor. An der Kasse ein kleiner Mann, Typ indischer Herkunft, der mich gleich in Englisch ansprach und wissen wollte, wo ich herkomme. Artikulierte jede Position unseres Verzehrs überdeutlich und wartete auf mein o.k. dazu.

Wieder in L‘Isle-sur-la-Sorgue besuchten wir die Villa Datris ein zweites Mal. Gleich am Eingang empfing mich eine dunkelhaarige Frau im roten Kleid, hübsch anzusehen, nur störten mich leider ihre schiefen Zähne wenn sie sprach oder lächelte. Sie instruierte mich über die Villa und wünschte mir einen angenehmen Rundgang (so würde ich ihren französischen Texte frei übersetzt haben wollen). Jola blieb im Vorraum und sah sich Videos an.

Ich erklomm die beiden bisher nicht zu Gesicht bekommenen Stockwerke. In einem fand ich Holzfiguren, mit der Säge bearbeitetes Grobmaterial, hier zwei Löwentorsos.

2019 Méze

27.07.2019 Samstag

Ungewohnt mit T-Shirt zu schlafen, lag an den stark heruntergekühlten Temperaturen.

Nachdem ich gestern Abend diverse Szenarien für die nächsten Etappen durchgespielt hatte, u.a. weiter hoch an die Dordogne zu fahren, kamen wir am Morgen beim Frühstück überein, dass wir uns rückwärts an den Étang de Thau bewegen wollen. Méze als Zielort, eventuell auch Pézenas, das als lohnenswerter Besuch im Reiseführer Erwähnung fand.

Abfahrt erst gegen 11.30 Uhr, bis 9 Uhr geschlafen, weil gestern der Fernseher so lange lief.

Keine Lust auf Kreisverkehr, schaltete „Maut vermeiden“ aus und fuhr auf die Autobahn A9, wo gleich nach dem Ticket und der Auffahrt zäh der Verkehr dahinkroch, sich aber auf meiner Seite schnell beschleunigte. Auf der anderen Seite meist auf drei Spuren Stau bzw. ebenfalls im Schneckentempo ein Vorankommen.

Regen, Regen und noch einmal Schauer. Wenn schon hier in der Gegend, dann sollte es einen Versuch geben, Pézenas zubesuchen. Im Ort reger Betrieb, ein Parkplatz vor den Toren fast vollgestellt, für unser WoMo ohnehin nicht nutzbar, weil höhenbeschränkt.

Umgekehrt, aus dem Ort gefahren, Jola meldete hier einen freien Platz, dort eine Abstellmöglichkeit, ignorierte ich und drehte eine Ehrenrunde um den nächsten Kreisel. Gut einen Kilometer vor dem Ort, vor einem Gebäude, in dem Stücke von Moliere vor langer Zeit aufgeführt worden waren, fand ich einen passablen Halt. Bei Nieselregen in die Stadt (ca. 11.000 Einwohner), wo gerade der Wochenmarkt sich dem Ende neigte, dennoch emsige Geschäftigkeit herrschte. Touristen waren hier momentan in der Mehrzahl vertreten. Wesentlich attraktiveres Umfeld, hübsche Läden, oft Töpferhandwerk, Malerei etc., Museen. Moliere hat hier einmal wohl bei einem Barbier auf einem Stuhl gesessen, den man jetzt verehrungswürdig fand und der irgendwo ausgestellt sein sollte. Fußstapfen in signierten Fliesen im Trottoir, wo jeweils „Moliere“ erwähnt wurde. Jola kaufte Oliven, schwarze und grüne. Zum Weinkauf konnte ich mich nicht durchringen, zwei drei Stände boten ihren aus der Region an, probieren wollte ich nicht, obwohl eine aparte schwarzhaarige Schönheit hinter einem der Tresen Gläser zur Degustation anbot.

Ein von Jola ausgegucktes Restaurant erwies sich als scheinbar von den Servicekräften überfordert, niemand tauchte auf, um eine Bestellung aufzunehmen, außerdem sah das herausgebrachte Essen wenig ansprechend aus. Ob unsere spätere Wahl nun besser oder schlechter war, sei dahingestellt. Keinen Platz gab es im Coq Vieux, schade, denn dort sah alles appetitlich aus. Daneben ein weiteres Lokal namens La Pomme d’Amour, in das wir durchs Fenster einen Blick warfen und einen freien Tisch entdeckten. Auf den durften wir dann draußen noch 5 Minuten warten. Im Eingang ragte ein Schlauchrohr dem eintretenden Gast entgegen, es blies oder saugte warme oder kalte Luft durch eine Art Klimagerät an oder aus. Die „Mutter“ des Hauses, ein winziges Persönchen mit gerüschter schulterfreier Bluse, auf dessen nackter haut diverse Tätowierungen noch mehr abschreckten als das Outfit. Den Haarschnitt durfte man getrost „originell“ nennen. Hinten in einer Art Stufe um den Atlas herum das Haar auf Stoppellänge weggetrimmt, seitlich zottelige Strähne, alles in weißlichem Grau. Nicht nur die Schultern lagen blank, auch der Busen hüpfte ab und an aus dem rüschigen Weiß herauf, hielt sich aber soweit bedeckt, dass niemand erschrocken aus dem Lokal flüchtete.

Der Weißwein war so mies (hätte ich bei 7,50 € für ½ Liter mehr erwarten dürfen?), nach zwei Schluck blieb das Glas wie eine Unberührbare stehen. Die Miesmuscheln waren allerhöchsten zweite Wahl, viele geschlossen und das Muschelfleisch, wenn vorhanden, so klein, als wenn es künstlich geschrumpft worden wäre. Immerhin war der Käsesud essbar. Das ganze lag mir ziemlich im Magen, fürchtete kurzzeitig um meine Gesundheit. Mochte gar nicht an die Enge der Küche (ein winziger Flecken) und das Hantieren vom „Chef“ denken. Im WoMo schnell einen Schluck Rum zum Desinfizieren hinterher geschüttet. Schade, dass das Wetter nicht so mitspielte, der Ort hätte sicher einen intensiveren Rundgang verdient gehabt.

Méze bot vor dem Ortseingang eine braun-gelbe Brache als Stellplatz an, auf dem etliche weiße Gehäuse nass glänzten. Den Campingplatz fanden wir nicht gleich. Beau Rivage war eine Straße, ebenso hieß der Campingplatz. Kreisten zweimal, bis wir an der Rezeption standen.

Schöner Stellplatz mit ein wenig schattenspendenden Bäumen. Swimmingpool, stark frequentiert von Kindern und Jugendlichen. Sanitäreinrichtungen wurden gemeinsam genutzt. Waschmaschine vorhanden. An Klopapier war selbst zu denken.

Spaziergang durch den Hinterausgang des Campingplatzes zum Étang de Thau mit Blick auf Sète.

28.07.2019 Sonntag

Stürmische Nacht gewesen, der Wind hatte alle Register gezogen und mächtig am WoMo gerüttelt und die umstehenden Bäume geschüttelt.

Das Sonntagsei vorbereitet, abgewaschen; Jola verschwand, verlängerte den Aufenthalt an der Rezeption, Baguette gab es dort nicht. Sie startete eine Suchaktion, der Supermarkt in der Nähe hatte am Sonntag geschlossen, in der Stadt mehr Menschen auf den Beinen als sonst üblich: Wochenmarkt! Irgendwo am Rande des Markttreibens fand sie eine Patisserie und kam mit zwei leckeren Baguette zurück.

Den Wochenmarkt besuchten wir später. Zwischenzeitlich nicht mehr ganz so ungewöhnlich die umfangreiche Zahl der Stände und die Markthalle hatte außerdem mit Fischangeboten aufgewartet. Ohne Hunger oder Appetit kaufte es sich schlecht ein, Jola konnte bei den Bekleidungsständen der Werbung „alles 5 €“ nicht widerstehen und erwarb zwei Hängekleider. Nachdem alles gesichtet und begutachtet war, blieben wir unentschlossen; weiterfahren (den Radweg am Étang entlang Richtung Sète) oder bleiben und Mittagessen. Tranken dann in einem Bistro einen Pastis, ließen dabei die Marktbesucher auf uns wirken. Der Marktbesuch endete in der Halle, wo Jola den Rest von Crevetten an einem Fischstand für uns günstig ergatterte.

Immer noch sehr stürmische Böen bei klarem Himmel und blitzender Sonne, das waren die Rahmenbedingungen für unsere Radtour auf dem ersten ordentlichen Straßenbelag für Radfahrer auf dieser Reise. Zuerst leitete der Weg uns etwas ins Landesinnere, wo wir bei der Villa Gallo-Romaine auf einem vertrockneten Feld weiße Zelte stehen sahen, die uns anlockten. Es handelte sich um eine Art „Mittelalterlichen Markt“, am einzigen Verpflegungsstand eine lange Schlange. Kein Interesse, setzten die Fahrt fort, bald parallel zur D613. Bouzigues lockte schon am Ortseingang sofort mit Degustation und Kauf von Austern, Muscheln und sonstigen Schalentieren. Das Herz der Austernzucht war erreicht. Nicht lange gefackelt, das dritte oder vierte Lokal „Le jardins d’Oc“ gefiel uns gut und die Wahl bereuten wir nicht. 18 gratinierte Muscheln für 12 € und 9 € für den ½ Liter Weißwein. Als alle Muschelschalen geleert waren, zählte ich sogar 20 Stück.

Der Radweg blieb erfreulich breit und gut zu befahren. Der Ort strahlte einen gewissen Charme aus, Restaurants am Hafen alle gut besucht, die Sonne erleuchtete die Häuserfronten, auf dem Étang ragten die Holzgestelle der Zuchtanlage in endlosen Reihen aus dem Wasser. Der Radweg bot kurzzeitig sogar einen Damm im Étang, hier blies der Wind von landwärts besonders heftig. Balaruc-le-Vieux und Les-Bains irgendwie verschmolzen, erschienen mir größer als erwartet. Großer Campingplatz, Promenade, Stege zum Sonnen und Baden, eine moderne Therme und ein Casino. Sète rückte näher, aber uns schien der Weg bis dahin zu weit. Drehten bei und fuhren zurück.

Abends begann der nächste Alptraum, Jola fand ihr Schlüsselbund nicht. Mehr oder weniger jede Ritze im WoMo untersucht, kein Schlüsselbund, nirgends. Verzweiflung griff um sich, u.a. auch, weil nicht exakt der Zeitpunkt des Verlustes bestimmt werden konnte.

Nach vielem Überlegen fanden wir immerhin heraus, dass Jola gestern Abend beim Supermarkt ihr Rad an- und wieder aufgeschlossen hatte.

29.07.2019 Montag

Wenig erbaulich der Morgen, wieder Grübelei und Insichgehen, wo konnte der Schlüssel nur geblieben sein? Hatte Jola morgens ihr Rad / unsere Räder aufgeschlossen, sie war zur Rezeption und dann im Ort Baguette kaufen. Dort schloss sie das Rad nicht ab.

Tagsüber Recherche, Nachfrage an der Rezeption, Fahrt zur Patisserie, die hatte geschlossen.

Blieben dann einen Tag mehr in Méze. Jola fuhr den Weg zum Supermarkt ab, nichts. Einige Zeit am Campingplatz verbracht. Mittags Spaziergang die Promenade bis zum Strand, bzw. mehrere Strände. Jola nutzte die Gelegenheit, fragte im Touristenbüro nach, wo man sich nach verlorenen Sachen erkundigen könnte. Ich wartete und schaute ins Wasser, wo sie tausende Babyquallen zwischen den Schiffswänden tummelten.

Am Hafen beschauliches Treiben, die Restaurants warteten auf einen Ansturm, der am Montag wohl nicht so kommen würde. Uns kam die wochenanfängliche Ruhe zugute. Auswahl an freien Plätzen war reichlich vorhanden. Muscheln, vielleicht zum letzten Mal direkt aus dem Étang (oder wo sie auch immer herkommen mochten) im Restaurant du Port gegessen. Diesmal „ohne Limit“, hieß, wir konnten nachordern, was wir einmal machten.

Stadtrundgang, ohne Marktstände sah die Gegend gleich ganz anders aus. An der Polizeistation am Chateau Giranch trafen wir niemanden an.

Der Versuch, im Étang zu baden misslang mehr oder weniger. Am Strand stürmischer Wind, der einigen Besuchern Kummer bereitete, mal kippte ein leichter Klappstuhl immer wieder um, mal sprühte das Duschwasser der Brause durch die Gegend, mal wehte der Sand eines aufgenommenen Handtuchs auf den gerade eingecremten Nebenmann bzw. eingecremte Nebenfrau. Mein Badegang verlief wie eine Wanderung durch feuchte Grünanlagen, aufgewühlt vom Seegang waberte alles mögliche an Wasserpflanzen mit den Wellen hin und her. Ich kämpfte mich bis zum Bauchnabel ins braune Wasser vor, ließ mich von den Wellen schaukeln, gab aber schnell auf und verschwand wieder an Land. Jola beließ es bei einer Besichtigung aus sicherer Uferentfernung.

Baguette gekauft, dann im Supermarkt nach Sekt brut nature gesucht, den wünschte sich Miriam zum Geburtstag, fanden aber keinen. Dafür schnappte ich mir verschiedene Weine der Sorte Picpoul de Pinet, dem Wein der Region, der gerne zu Austern getrunken werden soll.

Abends hörten wir eine weibliche Stimme von der Bühne des Campingplatzes so laut singen, dass man die Nachrichten im Fernsehen nicht verstand. Gegen 22 Uhr schauten wir nach, wer da so einen Lärm machte. Eine etwas pummelige Frau im schwarzen Outfit namens Magalie Vae schmetterte auf den Brettern vor „vollem Haus“ ganz allein Popsongs und Chansons. Kinder tanzten in wildem Reigen vor der Protagonistin.

2019 Narbonne

26.07.2019 Freitag

Bewölkter Himmel, kaum noch ein bekanntes Phänomen auf dieser Reise. Erleichterte etwas die Abfahrt aus Villeneuve-sur-Béziers. Narbonne mit einer der schönsten Markthallen Frankreichs sollte besucht werden. Kaum 40 Km entfernt, dauerte es doch wieder länger, bis wir auf dem Campingplatz ankamen. Der angesteuerte Stellplatz existierte gerade nicht, eine Großbaustelle fanden wir stattdessen vor. Den Viersterneplatz Nautique angesteuert; der Platz lag am Étang de Bages et Sigean.

Größerer Platz (Nr. 222), eigenes Kabäuschen mit Dusche, Waschbecken und WC in einfachster Ausstattung.

Gruselige Verkehrssituation, keine Radwege in die gut 7 Km entfernte Innenstadt. Der Kanalweg betrug mehr als 14 Km, sieben davon direkt am Wasser, als schmale Furche durch Grasland, der Rest später auf einer befahrenen Teerstraße, die u.a. am zweiten Campingplatz Mimosa vorbeiführte. Ging mittags Schwimmen, das Becken doppelt so groß wie auf dem vorherigen Campingplatz.

Trotz der zugezogenen Wolkendecke drückte warme Luft auf die Schweißdrüsen. Durch den Ausgang des Campingplatzes auf Sandweg am Étang entlang, landeten wir im Port Nautique. Ein paar schöne Häuser mit Seeblick, dann war der geteerte Weg und der Ort zu Ende und der sandige Wanderweg begann. Jola verweigerte die Weiterfahrt.

Die verkehrsträchtigere Strecke raubte uns die bisher gewonnene Erholung schnell, an einem Kreisverkehr mit Auffahrt auf die Autobahn gelang es uns nur mit Mühe, in eine weniger befahrene Ausfallstraße abzubiegen. Danach ein bisschen nach Gefühl und nach Google gefahren. Half auch nicht wirklich weiter, etwas ländliche Atmosphäre an der Kreuzung Chemin du Quatourze / Chemin du Grand Quatourze mit Blick über ein Weinfeld auf ein Chateau (?). Umgekehrt und mit letztem Mut an der Abzweigung in die andere Richtung gefahren, dann eine Brücke überquert, danach schien uns das historische Zentrum endlich aufgenommen zu haben. Die Hallen, die Platanenallee am Quai Dillon, die Kathedrale St. Just & Pasteur, die schmalen Shoppinggassen und der Kanal Robine.

Auf dem Rundgang warfen wir einen Blick in die Kathedrale, meine Ambitionen für eine intensive Erkundung waren begrenzt, ruhte mich auf einer kalten steinernen Bank auf und sah einer hübschen Frau zu, wie sie einer Gruppe Menschen mit Beeinträchtigungen etwas über Bethlehem erzählte.

Wieder einmal in die Pausenzeiten der Franzosen gefallen und nichts gegessen. Die Pizzeria am Platz vor dem Palast-Museum verweigerte quasi mit Gongschlag ab 16.30 Uhr warme Mahlzeiten. Getrunken hatte ich kurz zuvor einen Tee, Jolas Cola Zero blieb deshalb einziges bestelltes Getränk. Zu regnen begann es nun doch noch, wenn auch nur wenig. Spazierten trotzdem über die Brücke der Händler, Menschen errichteten auf der anderen Seite entlang des Kanals Marktstände, Jola stöberte einen davon auf, der frischen Ziegenkäse verkaufen wollte. Für 7 € nahm sie drei Stück mit.

Die Hallen fotografierten wir, hinein kamen wir nicht, weil schon geschlossen war.

Regentropfen an mein Brillenfenster klopften als wir uns für die längere Strecke am Kanal entschieden. Nur wenige Radfahrer begegneten uns auf dem Stück bis zur Schleuse Mandirac. Der Regen wurden heftiger, der Modus und die Umdrehungszahl erhöht, leicht angefeuchtet erreichten wir das WoMo gegen 19.10 Uhr. Im Restaurant probte just jetzt eine Frau am Mikrophon für den Auftritt um 21 Uhr.

Unsere Bestellung wurde leider falsch verstanden, plötzlich standen zwei Behälter mit Muscheln vor uns, gewünscht hatten wir gratinierte Muscheln. Einer der Töpfe wanderte gleich an den Nebentisch zu eine hungrigen Engländerin.

Jetzt hatten sich die Regentropfen verbündet und fielen per Dauerauftrag vom Himmel, dazu der eine oder andere Blitz. Kurz vor 21 Uhr verließen wir ohne Musikgenuss das Restaurant, wurden fast nasser auf den 200m bis zum WoMo als auf den 14 Km von Narbonne zum Campingplatz.

2019 Villeneuve-les-Beziers

23.07.2019 Dienstag

Und immer wieder grüßt das Murmeltier, oder wie sollte ich die Diskussion um die nächste Etappe umschreiben?

Eigentlich wollten wir vor dem Frühstück noch einmal im Mittelmeer baden, wir kehrten die Reihenfolge um, nach dem Frühstück spazierten wir zum Strand, fast allein hatten wir den Abschnitt hier für uns. Gleich ging es ab ins Wasser, die Wellen wogten mich hin und her, wie auf einer Hollywoodschaukel.

Duschen, eingepackt war ja schon fast alles. Nass aus der Dusche, trocken am WoMo und dann schon wieder verschwitzt. Jola bezahlte, die Rechnung musste ich an der Schranke am Ausgang vorzeigen. Die Route, zunächst mit Zwischenziel Sète, dann sollte es – eventuell – nach Villeneuve-les-Béziers gehen. Bei Carrefour in Pérols getankt.

Aus der Ferne war Sète bereits an seinem Berg und die Industrietürmen am Hafen auszumachen. Im Ort kein Hinweis auf einen Campingplatz, das Touristenbüro mitten im Zentrum, zu wuselig und eng die Straßen. Parkte bei Carrefour, dazu ein Ticket gezogen, wonach die ersten zwei Stunden kostenlos seien. Nahm die Hitze zu, ziemlich benommen marschierten wir eine Straße bis zu Brücke über den Kanal und folgten der Beschilderung zum Touristenbüro. Langer Fußweg an mit aller Art von Automobilen verstopften Straßen.

Campingplatz lag ca. 10 Km außerhalb, erfuhr ich von einem Mitarbeiter. Danach wandelten wir auf ruhigeren Wegen auf einen Freiplatz mit Pagodenzelten, angeboten wurde Literatur im Rahmen eines Lese-Festivals. Kurz darauf die Markthallen, magisch schluckte uns dieser Genusstempel. Fisch in allen Variationen, teils auch zum sofortigen Verzehr. Gemüse, Wurst und Fleisch, Baguette waren fast schon ausverkauft.

Jola bestellte Aubergine mit Hack, ich besorgte ein Bier und eine Cola Zero. Einen Sitzplatz ergatterte ich vorab, Glück gehabt, denn alle Stühle waren ausgebucht. Crevetten nahmen wir 500,o für ca. 10 € mit.

Bei Carrefour eingekauft, alles im überhitzten WoMo verstaut, mit der Parkzeit reichte es, ohne Kosten vom Hof zu kommen.

Den Campingplatz Les berges du Canal erreichten wir gegen 14.30 Uhr, er befand direkt am Kanal. Die Platzsuche wurde dadurch erschwert, dass die Plätze anders bezeichnet als sie auf dem Lageplan benannt waren. Dann die Wahl: diesen oder jenen, wo könnte mehr Schatten zu ergattern sein?

Pause, nachdem alles installiert war. Attraktiv, das zum Campingplatz gehörende Schwimmbecken. Ein Sprung in das ca. 12 m lange Becken erfrischte ungemein. Es war so viel Platz, dass ich sogar ein paar Bahnen ziehen konnte. Danach folgte ein Ausflug in die Umgebung.

Die ersten 5 Kilometer am Canal de Midi legten wir in Richtung Portiragnes zurück.

Unmittelbar neben dem Campingplatz zwei stets gut frequentierte Restaurants. Wahrscheinlich gerne besucht von den Bootsanlegern, die hier vor der Schleuse Zwischenstation machen.

Am anderen Ufer das Touristenbüro, natürlich stilgerecht auf einem Holzboot.

Freuten uns über den breiten und zum Teil neu gemachten Radweg direkt am Wasser. Wie so oft in diesem Landesteil säumten Platanen den Kanal, wahrscheinlich gepflanzt beim Kanalbau. Der Ort wirkte ausgestorben, bei einer Pizzeria saßen zwei drei Einheimische, die Kirche dominierte das Stadtbild.

Wieder am WoMo, wollten wir die Gelegenheit beim Schopfe greifen und Wäsche waschen. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Waschmaschinen, eine auf dem Platz, eine davor (für Bootsanleger). Nutzten die außerhalb, weil uns die Beschreibung eine leichtere Bedienung ermöglichte.

Die Handtücher wurden über Nacht natürlich nicht trocken.

24.07.2019 Mittwoch

Die Nächte waren recht anstrengend, wegen der dauernden Bestrahlung durch die Sonne heizte die Luft im WoMo so stark auf, dass wir bis zum Morgen reichlich mit den Tropischen Temperaturen zu kämpfen hatten. Morgens nächste Fuhre Wäsche gewaschen.

Die Tour nach Agde sollten ca. 20 Km lang sein. Die ersten fünf davon kannten wir von der gestrigen Erkundung. Leider währte der gute Fahruntergrund nur knappe drei weitere Kilometer. Danach mündete der Radweg auf verengtem Weg, knochentrocken, ausgedörrt, rissig und mit grobsteinigem Splitt versehen, später schien er als Reitweg gedacht, geführte Ausritte kamen uns entgegen. Der Rüttelkurs bremste natürlich das anfangs hingelegte Tempo total ab. Auf dem Wasser dümpelten neben kleinen Elektrobooten auch diverse gemietete Yachten von „Le boat“ nebst einigen privaten Schiffen. Ab und an hing an einem angetauten Boot ein Verkaufsschild. Radfahrer waren in beiden Richtungen unterwegs. An der Schleuse Ouvrages du Liberon durften die Fahrräder durch eine schmale Absperrung geschoben werden. Die Schleuse gehört zum Kulturgut, sorgte sie doch in früherer Zeit für einen freien Schiffsverkehr auf dem Kanal. Der Liberon floss in ihn hinein, brachte viel Geröll und Sand bei auftretenden Gewittern mit und sorgte für Versandung. Durch die Konstruktion schaffte man es, dass das Wasser des Liberon über das Wasser des Kanals hinwegfloss und der Sand nicht im Kanal landete. Zwei Schleusenwärter mussten dafür an der Anlage ihre Arbeit verrichten. Bis Vias mussten unsere Räder durchhalten, gerüttelt und nicht gerührt kamen wir dann in Agde am Fluss Hérault an. Eine Brücke überquert, landeten wir in der Altstadt. Genau wie in anderen Orten, enge Gassen; bei genauerem Hinsehen, fast als apathisch zu bezeichnende Tristesse. Marode Bausubstanz, Jola meinte, in einer der Gassen hätte der Schimmel ihre Riechorgane gefährlich strapaziert, so verzichtete sie sogar auf den Restaurantbesuch und den Verzehr eines Galette.

Die Halles entpuppten sich als Marktstände für Trödel und nicht für mediterranes Essen.

Schön war es dagegen, dass ich noch diese dekorierte Hauswand entdeckte (kaum zu erkennen, dass es sich um Malerei handelte):

Am Ufer des Flusses wählten wir das Restaurant Mare Nostrum für eine Stärkung. Menü für 16 € (überbackene Muscheln – beide – , Rotbarbe (Uwe) und Ente (Jola)). Ein Rose aus der Region.

Trauten uns in der Mittagshitze noch bis Le Grau d‘Agde, der Badeplatz am Meer. Schnell die Räder angeschlossen, an den Strand, heißer Sand!, ausgezogen und ins kühle, nein, kühl war es nicht wirklich, warme Wasser des Mittelmeeres eingetaucht.

Jola meinte, sie sähe in ihren schwarzen Dessous aus wie eine weiße Larve, verschwand dann ebenfalls für ein paar Minuten im Wasser. Trocknung auf einer Parkbank, die im Schatten eines Baumes auf der Promenade stand.

Rückfahrt durch ein paar Gassen dieses stark frequentierten Küstenortes zum Kai, wo ich auf eine Art Dschunke zusteuerte, eine Fähre, die uns über den Fluss bringen würde, quasi eine Abkürzung auf dem Weg zurück nach Villeneuve. Die Räder etwas umständlich an Bord gebracht, auf mein Haupt achtend, denn das Verdeck hatte eine geringe Höhe. 5 € zahlte ich, obwohl eine einfache Fahrt nur 1,50 € kosten sollte (so der Preisanschlag am „Kapitänsstand“). Beim Ausstieg war mir ein junges Mädchen behilflich (it‘s my job), trug es gemeinsam mit mir die Treppen hoch. Jola bekam Unterstützung eines charmanten älteren Herren.

Vor dem Hintergrund des Wissens um die schlechte Wegstrecke empfand ich den Part nicht ganz so strapaziös wie auf der Herfahrt, trotzdem ärgerte ich mich, dass so was als Radweg ausgewiesen werden durfte.

Gegen 17 Uhr zurück, Tee getrunken, dann ins Schwimmbad, wo im Schwimmbecken vier jüngere französische Frauen lautstark sich zu diesem und jenem äußerten, lachten und gestikulierten, ich blieb teilnahmsloser Zuhörer.

Gegen 19 Uhr nach Béziers, ca. 5 Km laut Plan. Der Weg war zwar geteert, aber gut zu fahren geht anders! Im Ort wollte ich erst weiter zu den 9 Schleusen, ausgeschildert, doch die Strecke zog sich. Jola murrte, ich zweifelte und wir drehten um. Folgten dem Schild „historische Altstadt“. Über die für den Autoverkehr gesperrte Brücke Pont Vieux gelangten wir in die Nähe der Altstadt, die allerdings nur mit etwas Anstrengung zu erreichen war.

Fotos von der Brücke. Ziemlich steil ging es eine gepflasterte Gasse hinauf, die neu geteerte Fahrstraße war nicht minder stark im Anstieg. Oben kreisten wir erst durch die Schattenseiten des Wohlstands, ruinöse Gebäude, manche mit einer Bautafel versehen, anstehende Reparaturen, Sanierungen, Restaurierung, ich „überlas“ es. Dann ein Platz, auf dem eine Bühne für Veranstaltungen aufgebaut war (immer freitags bis sonntags). Nettes Ambiente verleitete vor dem La Crypte in der Rue Porte Oliviers zu einem sofortigen Stopp. Kleine Karte, am Nachbartisch sah ich ein Galette auf einem Teller nach und nach verschwinden, auf der Karte fand ich zu Galette nichts. Galette wurden hier Crêpe genannt. Ein Glas Weißwein, Jola aß einen Salat, auch sehr lecker anzusehen gewesen.

Gerieten danach wieder in Viertel mit Charakter eines Banlieue, danach wieder vom „Berg“ herunter, Viertel umkreist und ein ganz anderes Bild dieser Stadt tat sich vor uns auf. Schicke Läden, Häuser aus der Gründerzeit, moderne Parks mit beleuchteten Wasserspielen, vorzeigbares Rathaus, Prachtallee zum Theater hin. Jola kam aus dem Staunen nicht heraus. Gegen 21.30 Uhr setzte ein buntes Lichtspiel bei den Wasserfontänen ein.

Die Rückfahrt bescherte uns einen Blick in überdimensionierte Einkaufszentren, u.a. Polygone, brachte uns zu den Bahngleisen am Bahnhof, die wir aber nicht überschreiten konnten und deshalb umdrehen mussten. Suchten den Durchlass, der Tunnel führte dann zur Strecke, die wir gekommen waren. Vor dem Canal du Midi, einer hell erleuchteten Bar, standen die Menschen mit ihren Getränken draußen, unser Streben trieb uns auf dem schon recht im Dunkeln liegenden Radweg zum WoMo.

25.07.2019 Donnerstag

Nächtliches Schwitzen gehörte mittlerweile zur Tagesordnung. Frühstück, diesmal mit warmen Baguette. Unter dem Tisch Ameisen, die quirlig und emsig Krümel in mühsamer Trägerarbeit abtransportierten, manchmal auch der Versuch, gemeinsam einen größeren Krumen wegzuschaffen.

Um 09.30 Uhr setzte die Zumba-Musik ein und die junge blonde Allroundkraft, gerade noch im Putzmodus, streifte sich ihr T-Shirt mit der Aufschrift „Animation“ über, und schwang ihre Hüften im Takt, einzige Übungsakteurin war eine ältere Dame, die nur eingeschränkt die kreisenden Bewegungen nachmachen konnte.

Um 10 Uhr mogelte ich mich an den beiden ins menschenleere Schwimmbecken und drehte ein paar Bahnen zur lauten Musik.

Jola nutze die Gelegenheit, nahm um 10.30 Uhr an der Wassergymnastik teil.

Gefaulenzt, wenn man das mal so formulieren darf. Schwimmen, gerätselt und gelesen. Mittags fanden wir kein Restaurant, das uns verköstigen wollte. Also mussten eigene Vorräte, wie die Melone, ein paar Tomaten, Ziegenkäse und die Oliven mit einem vom Morgen übrig gebliebenen Baguettestück Ersatz bieten. Gegen 16 Uhr neuerlicher Versuch die Schleusenanlage in Béziers zu besichtigen. Diesmal passte ich besser auf und fand den Weg am Kanal, der uns auch zur Überführung über den Fluss Orb brachte. Bis zu den acht Schleusenkammern waren es dann nicht ganz 1.400m. Rund um die Schleusenkammern neu angelegte Parkanlagen, einige junge Pinien waren eingepflanzt, Ruhebänke unter alten Platanen. Metallschilder mit Höhenangaben der Schleuse über Normalnull.

Reger Verkehr herrschte für meine Begriffe auf dem Wasser. Die Kammern der Schleusen öffneten und schlossen sich im Minutentakt. Spektakel für Menschen am Ufer, für Mitfahrer auf Leihbooten oder eigenen Schiffen (weil von beiden Mitarbeit beim Sichern und „Einparken“ gefordert wurde) oder den Passagieren von Ausflugsbooten.

25 Meter Höhenunterschied überwand man hier, wenn man alle Schleusen hinter sich gelassen hatte. Bis zu 45 Minuten konnte so eine Passage dauern.

Eigentlich wollten wir danach abends Essen gehen. Jola schlug erneut einen Besuch in Béziers vor. Die Anblicke aus der Ferne waren beeindruckend. Zur römischen Arena mussten wir dem ausgeschilderten Weg folgen, ausgerechnet die steilste Straße der Stadt. Sogar mit Unterstützung der Schiebehilfe kam ich ins Schwitzen. Gefunden hatten wir die Arena nicht. War mir oben angekommen dann auch egal. Bloß nicht weiter durch diese engen Gassen bergauf, bergab kreisen oder schlimmer noch, auf den engen Straßen mit den aggressiven Autofahrern um den beschränkten Platz auf dem Asphalt kämpfen.

Jola übte Einsicht, kaufte bei einem Gemüsehändler ein, dann zurück auf den Treidelpfad. Nun suchten wir den bestmöglichen Weg zum Restaurant L’Écluse, gelegen auf der anderen Kanalseite. Wo lang also fahren?

Am Himmel zogen zunehmend Wolken auf. Sollte es tatsächlich Regen geben? Die Dachluken standen sperrangelweit auf. Ich hatte bei der Hinfahrt richtig geschaut, es gab an der Schleuse einen Fußgängerübergang, der allerdings führte auf ein Privatgrundstück und nicht zum Restaurant. Ärgerlich!

Auf den Schiffen auf dem Kanal vermehrt im Zweierpack Familien, meist waren dazu vier Kinder an Bord, die sich langweilten? Oder sich auf Deck sonnten, wie im übrigen auch einzelnen Erwachsene im Schatten von Kabinenwänden dösten. Wir brachten das Gemüse zum WoMo, dabei die Pizzeria La Cremade gut besucht am Kai gesehen, nachgefragt nach einem freien Tisch. Alle Tische am Wasser bereits reserviert.

Mein Thunfischsteak war lecker, „Medium“, wovon Jola mir bei der Bestellung erst abriet, ich nach einem zögerlichen Kopfschütteln der Chefin dabei blieb. Die Beilagen dagegen hätte ich lieber ausgetauscht.

2019 Palavas-les-Flots

20.07.2019 Samstag

Bei sommerlichen Temperaturen artete die Diskussion um die weiteren Etappen der Reise in Streitereien aus. Maulend saß Jola nach der Rechnungsbegleichung im WoMo und haderte mit dem Schicksal, das es scheinbar immer schlecht mit ihr meinte (wieso eigentlich?). Obwohl, gerade der letzte Aufenthalt an der Sorgue war überraschend positiv verlaufen.

Details der Route spielten keine Rolle, Le Grau de Roi war als grobes Ziel notiert und wurde angesteuert. Vielleicht war es ein Fehler, weg von den beschaulichen Hinterlandorten hin zu den touristischen Badeorten zu machen. Stau auf den Zufahrtsstraßen, Grande Motte mit seiner spektakulären Architektur aus den 70er Jahren und optisch ansprechenden Grünanlagen gerade passiert,

wirkte Le Grau de Roi einfach unschön. Ein Campingplatz hatte nichts mehr frei, ein anderer bot einen Platz mit eigener Sanitärzelle für über 50 € an. Abgelehnt. Ca. 16 Km im nächsten Ort, gab es mehrere Plätze. Der Ort nannte sich Palavas-les-Flots. 14 Uhr war es, da hatte die Rezeption des Club Les Roquilles natürlich gerade Mittagspause (auf der Landkarte ca. 2,5 cm rechts vom rot umkreisten Gebiet). Zwei andere besichtigte Plätze fanden wir indiskutabel.

Um 14.25 Uhr stand unser WoMo wenige Meter vor der Einfahrt, ich sondierte die Lage an der Rezeption. Dort lungerten bereits Neulinge herum, auf dem Sprung zur Anmeldung. Ich schickte Jola los, sie möge sich schon einmal anstellen. Plötzlich sprach ein Mann durchs offene Fenster, fragte erst in französisch, ob ich bald wegfahre, dann, als er merkte ich verstünde ihn nicht, in Englisch freundlich nach. Er wartete auf seinen Sohn, der mit seinem Wagen dann in die Einfahrt fahren wolle. Ich erklärte, ich würde gleich auf den Campingplatz verschwinden, no problem und alles war gut danach! Auf dem riesigen Gelände standen Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile dicht an dicht, überall hing Wäsche auf Leinen oder sonst welchen Halterungen, Spielzeug fand sich verstreut vor den Zelteingängen. Kein Stück Schatten bot der Platz, wo ein Mann auf einem Moped uns hinlotste, die Steckdose zeigte und gleich darauf wieder verschwand.

Zum Glück stand das WoMo so, dass nachmittags vor der Aufbautür Schatten herrschte. Die Markise spendete zusätzlich sonnenfreie Fläche.

Nachdem sich die erste Frustration gelegt hatte, erkundeten wir das Umfeld, zum Strand brauchten wir nur über die Straße zu gehen, ein Pluspunkt für Badeurlaub. Der Swimmingpool hätte ein weiterer sein können, wenn er nicht ständig von der zahlreichen Kinderschar in Beschlag genommen gewesen wäre. Waschanlagen waren mehrere vorhanden, deren Qualität sei eher mäßig, so Jola nach der „Inspektion“.

Eine Fahrt mit dem Rad führte uns zum Zentrum, das am Kanal lag. Das Touristenbüro befand sich in einem Tour (Turm), in dem sich oben auf einer drehbaren Plattform ein Restaurant befand. Die Räder schlossen wir vor dem Büro an, marschierten durch Gassen mit typisch touristischem Sommerangebot, wie ärmellose Kleider, Badeschuhe und -anzüge, dazwischen Imbissbuden. Am Kanal begann das richtige feeling für Badeort: Verkaufsstände für angelandeten Fisch, Boote, Restaurants wie an der Perlenkette aufgezogen (und gut besucht). Auf dem Wasser lieferten sich zwei Mannschaften (blau und rot) in von Motoren getriebenen auf Tradition getrimmten Booten einen Kampf. An einer hinten nach oben ausgelegten Sitzreihe saßen in weiß gekleidete Kinder und Jugendliche, ganz oben stand einer auf einer winzigen Plattform mit Schild und Holzspeer bewaffnet. Die Boote steuerten aufeinander zu, die beiden Protagonisten hoben die Lanzen und versuchten sich damit von der Plattform zu stoßen, was manchmal gelang und beide ins Wasser fielen, manchmal auch beide sich an Bord halten konnten. Das alles wurde von einer kleinen Richterbühne kommentiert und bewertet.

Am Ende zum Meer hin kletterten an einer Seilbahn rote Kabinen, einige offen, andere geschlossen über den Kanal. Die Abkürzung kostete pro Person 1,10 €.

Außer einem teuren Eis (2 Kugeln 4 €, eine Kugel 2,50 €) aßen wir nichts.

Die Hitze verhinderte größeren Appetit, sodass wir auf der Rückfahrt am Campingplatz vorbeifuhren, um auch die andere Seite des Ortes in Augenschein nehmen zu können. An der recht einfallslosen Architektur der Häuser an dieser Strandstraße änderte sich dabei wenig. Einen Einkaufsladen entdeckten wir, den wir später ansteuerten und Jola dort Kleinigkeiten besorgte. Nach Montpellier war ein Radweg ausgeschildert, 9 Kilometer sollten es danach bis in die Stadt sein. Ein großer Vergnügungspark mit Veranstaltungshalle tat sich am Rande des Ortes auf. Das Wasser des Étang glänzte im Sonnenlicht.

Nach dem Einkauf und wieder am WoMo, zogen wir uns für den Strandaufenthalt um und wanderten zu Fuß ans Meer. Im Schatten eines Holzzaunes das Treiben beobachtet, dann den Gang ins bewegte Salzwasser gewagt. 21° waren als Temperatur angezeigt. Ungewohntes Agieren bei Seegang, Zug der Wellen und salzigem Geschmack auf den Lippen. Ich baute eine vorzeitliche Grabstätte aus den reichlich vorhanden Muscheln und Steinen in den Sand. Salzlake abgeduscht, erfrischt, danach Koteletts draußen am WoMo gebraten.

Abends bekamen wir neue Nachbarn aus Vechta, die in einem Rutsch aus Trier bis hierher gekommen waren und weiter nach Spanien wollten. Ich konnte dem Mann noch bei der Elektrifizierung helfen. Es gab hier auf dem Platz keine blauen Schutzstecker, nur normale Steckdosen, bei denen man darauf achten musste, dass der Stift nach oben zeigt und ins entsprechende Loch der Dose passte.

21.07.2019 Sonntag

Was tun heute? 16 Km nach Grade Motte schienen machbar zu sein. Die denkmalgeschützte Bettenburg wäre sicher eine Erkundung wert. Nachdem wir uns in Carnon kurzzeitig verfranzt hatten, fanden wir nach Umkreisung von Hotelkomplexen am Yachthafen den Weg, der zu einem gut ausgebauten Radweg führte. Sportlich Aktive nutzten die noch akzeptable Lufttemperatur für eine Joggingrunde.

Ich zählte über 50 Zugangspunkte zu den Stränden, ein Teil des Radweges begleitete ein splitterbewehrter zweispuriger Weg, getrennt durch Holzbohlen in der Mitte, die Zufahrt zu den verschiedenen Parkplätzen. An der Straße rangelte man bereits jetzt um die letzten freien Abstellmöglichkeiten.

Grande Motte erwies sich als interessantes Architekturrelikt, dessen ungewöhnliche Formgebung, gegenüber heutiger Bauweise, fast schon wieder gehobenes Gestaltungsniveau bedeuten könnte, das war meine Ansicht! Wären da nur nicht einige der weißen Betonfassaden so verschmutzt oder hätte man nicht rechtzeitig die Risse in den Fassaden ausbessern können. Die Anlage wirkte bei der Durchfahrt wesentlich imposanter als bei der gestrigen Vorbeifahrt. Am Touristenbüro stellten wir unsere Räder neben die Skulptur eines roten Gorilla (sichere Wache!). Vor dem Brunnen ein immens umfangreicher Wochenmarkt (wie Bozen/Meran). Das Gedränge war unangenehm, doch die Auswahl an Leckereien zog uns durch die Reihen, wo wir dann alsbald anfingen, Sachen zu kaufen (Oliven, Brot, Olivenöl, Süßteile und Schafskäse).

Im Anschluss begann die Suche nach einem Mittagstisch, da war es ca. 11.45 Uhr. Stromerten durch die abwechslungsreich gestalteten „Ferienbunker“, überall Restaurant, Geschäfte und Menschen die shoppten, Kaffee oder bereits den ersten Aperitif tranken. Konnten uns nicht so recht einigen, was und wo wir einkehren wollten. Muscheln und Pommes gab es des öfteren, das wäre heute meine erste Wahl gewesen. Doch in der Bar Artimon am Quai d’Honneur bekam man um diese Uhrzeit noch keine warmen Speisen. So blieb es bei Cola Zero, Pastis und einem Bier. Warum Jola sich wieder mal so über meine Nachricht unseres Verbleibs an Gaby und Wilfried ärgerte, erschloss sich mir nicht, führte zu Verstimmung bis wir zurück am WoMo waren. Meine Finger waren bei der Ankunft fast abgestorben von den vielen Plastiktüten.

Baden gegen 16.30 Uhr.

Danach über Pérols neben der D21 auf breitem Radweg nach Montpellier. Bis zum Ortseingangsschild waren es ca. 10,5 Km, innerorts sicher noch ein oder zwei mehr. Aber wie so oft, verfuhren wir uns. „Antigone“ ein Stadtteil, wohl mit welch geschichtlichem Background so benannt?, Ausschilderung nach Castelnau-Le-Lez, das konnte nicht mehr richtig sein. Hotel Region, monumentale Bauten umringten die Gebäude der Regionalverwaltung, fast wie in Nürnberg aus der nationalsozialistischen Zeit.

Dann endlich Hinweise auf das „historische Altstadtzentrum“. Enge Gassen, wenig Menschen, die Kathedrale St. Pierre. Hier ging es in deren Schatten ordentlich bergauf. Drei kleine nette Lokale in dem verwirrenden Labyrinth entdeckt, die angebotenen Tische sagten uns nicht zu. An den Markthallen (geschlossen) umringten diverse Esstempel das Areal. Unsere Wahl fiel auf eine Art Steakhaus, das L’Aveyronnais. Teuer gegessen, aber einen Stern hätten wir auch hier nicht vergeben. Es begann bereits leicht zu dunkeln. Zum Triumphbogen wollte ich aber unbedingt noch und den „romantischen“ Sonnenuntergang aus den Jardins des Peyrou bewundern.

Die Rückfahrt wurde dann zu einem alptraumhaften Erlebnis. Zwischendurch fanden wir bei der Irrfahrt zentrale Plätze, wo sich scheinbar das studentische Leben abspielte. Am Bahnhof wussten wir erst nicht weiter. Dann waren wir an der Ausschilderung Palavas, die jedoch auf die Autobahn führte und uns der heftige Verkehr abschreckte. Nahm dann Maps in Anspruch und ließ mich zum Fluss Les Lez führen. Ein gewagtes Spiel, einen Weg am Fluss in völliger Dunkelheit zu befahren. Aber weit gefehlt, anfangs noch beleuchtet und an illuminierten Szenelokalitäten vorbei, radelten wir bei Mondschein quasi auf einer ebenen, schlaglochfreien Radautobahn bis in den Ort. Der strahlte weithin sichtbar mit bunter Beleuchtung am Riesenrad und Turmrestaurant.

22.07.2019 Montag

Ohne große Erwartungen schlug ich das gestern erwähnte Ziel Maguelone vor.

Die romanische Kathedrale mit Insellage inmitten der Étangs Pierre Blanche und l‘Arnel und dem Kanal Rhone – Sète besaß als wichtigste Einnahmequelle Weinstöcke.

Die Insel war durch einen Damm mit dem Umland verbunden. An der Abzweigung endeten die Strandabschnitte. Die Kathedrale war um 1993 in Teilen wiederaufgebaut worden. Ein Schild mahnte Spenden für die Fortführung der Sanierungsarbeiten an.

Zwischen den verdorrten Pflanzen unter den Bäumen wuselten 5 oder 6 Pfauen herum, davon zwei ganz weiße. Sie zupften am Blattwerk, soweit dies noch Chlorophyll enthielt. Ein Rundgang mit Aussicht auf das Weinfeld und den Kanal konnten wir von einem Holzpodest machen. Der Kanal mutete seltsam an, wie er durch das ihn umgebende Wasser der Étangs gebaut worden war.

Unser Weg endete bei einer Jugendfreizeit, die Kinder marschierten gerade vom Strand heim. Die Optimisten lagen an dem Sandstrand. Ich wagte eine Abkühlung, musste aber beim Einstieg aufpassen, abrupte Vertiefung auf steinigem Untergrund und stärkerem Wellengang.

Am Kanal ein Übergang, genannt Passerelle du Pilou, der täglich von 8 bis 20.30 Uhr überquert werden konnte, danach wurde er geschlossen (warum nur?).

Die neben dem Kanal verlaufenden Wege waren für Radfahrer gesperrt, also mussten wir umkehren oder den großen Bogen um den Étang l‘Amel machen, was uns zu weit erschien. Schon 13.45 Uhr und noch keinen Happen gegessen. Das sollte sich bald ändern, ab nach Hause und einen leckeren Salat zusammenstellen.

Mein Vorschlag, Montpellier erneut zu besuchen, diesmal mit Unterstützung der Tram, nahm Jola skeptisch auf. Erkundigungen bestätigten, man könne Räder mitnehmen. Also steuerten wir die Endstation der Linie 3 in Pérols an. Wie im Reiseführer beschrieben, konnte man den Ticketautomaten anfangs mit deutscher Beschreibung bedienen, was die Auswahl deutlich vereinfachte. Zwei Tickets „einfache Fahrt“ jeweils 1,60 €, Räder umsonst mitgenommen.

Die Tram zischte die gleiche Strecke lang wie wir sie mit dem Rad zurückgelegt hatten. Jola schwebte vor, am Gare Roch anzusteigen. Unser Blick wanderte nach jedem Halt hin zur Anzeige und zum Aufkleber mit der Linienführung über dem Ausgang. Nach der Station Rive de Lez tauchten plötzlich andere auf als eigentlich kommen sollten. An der nächsten, Les Aubes, hieß es aussteigen (hier waren wir mit dem Rad schon in die Irre gefahren). Jola verhedderte sich mit ihrem Rad und kam nicht rechtzeitig aus der Tram, die Tür schloss sich und fuhr mit ihr weiter.

Ich wartete, dachte, es kann ja nicht so lange dauern, bis sie wieder auftaucht. Leider war dem nicht so. Eine Bahn der Linie 3 kam, keine Jola stieg aus. Dafür stand eine attraktive schwarzhaarige Frau auf dem Bahnsteig, abwechslungsreiche Alternative während der Wartezeit. Der Anruf von Jola irritierte mich, sie sei an der Station Corum ausgestiegen, die Umgebung furchtbar, und sie wisse nicht, was sie machen solle. Nach dem zweiten Telefonat riet ich ihr einfach wieder in die nächste Bahn einzusteigen und zu mir zurückzukommen. Es ging hin und her, auf dem Bahnsteig fand sie Hilfe einer deutschsprachigen Frau, die nichts brachte. Ich verzweifelte am Verstand, denn es kamen ständig Bahnen mit der Liniennummer 3, wieso sie in keine dieser eingestiegen war. Dann kam die Meldung „Ich bin eingestiegen“. Aus den nächsten beiden Tram kam keine Jola. Jola rief an, sie sei nun am Place de la Comédie, ich solle dorthin kommen. Mein Bestreben war, zunächst an der Bahnlinie den weg zurückzuverfolgen, landete deshalb am Hotel Region, das so ziemlich genau entgegengesetzt im Stadtteil Antigone lag. Am Bahnhof stand ich später, diverse Male frustriert mit Jola telefoniert. Letztlich war es mir egal, wie lange sie noch warten musste. Die Rue de la République erreicht, nun schien es mir nicht mehr schwierig, Jola zu finden.

Doch just hier verhedderte ich mich, traf bei meiner Suche auf eine wunderbar bemalte Hauswand (hier auf dem Bild kaum als Malerei zu erkennen).

Sogar die Eingabe von Start – Ziel in Maps half mir nicht auf die Sprünge. Schaltete „Standortbestimmung“ und lief erst in die falsche Richtung. Dann endlich den Platz mit der imposanten Opera Comédie vor Augen, scannte ich die vielen Menschen, um darunter Jola zu entdecken.

Sie saß vor einer leeren Flaschen Cola Zero und gestikulierte heftig, als sie mich sah. Kein Bock auf die quirlige Aktivität um mich herum, wollte nicht sitzen und nicht trinken, wollte weg, eigentlich zurück zum WoMo, Montpellier schien kein guter Ort für mich zu sein. Dann warf ich doch noch einen Blick in den Stadtführer, lotste Jola zum Aquädukt, unter dem es eine authentische Bar (ohne WLAN) geben sollte (la Cigale). Das Ende des Wasserkanals gesucht, nicht gefunden, weil es hinter Bäumen auf einem abgesperrten Universitätsgelände verschwand.

Aus der Niederung wieder hinauf zurück in den Jardin, die abendliche Sonnenuntergangsstimmung einzufangen versucht.

Auf den Rasenflächen verlustierten sich Studenten oder Jugendliche mit Chipstüten, Wein, Bier oder auch anderer Nahrung aus Plastikdosen. Ein Farbiger tanzte abseits nach Musik, probierte Michael Jackson zu imitieren. Vor dem Chateau d‘Eau eine Spiegelung im Wasserbecken, leider war die Oberfläche nicht ganz glatt. Einsetzende Dämmerung bestimmte die Frage nach der Rückfahrt. Vom Place de la Comédie auf blankem Granitparkett hinunter, vorbei an den Markthallen immer der Bahnlinie rückwärts gefolgt gelangten wir zum Bahnhof. Und siehe da, hier löste sich das Rätsel auf, bestätigte meine These von Bauarbeiten. Auf der Linie 3 fuhr auch die Linie 4 und eine Teilstrecke der Linie 3 war gesperrt.

An der Station Rive Lez die Information „21 Minuten“ bis die Tram nach Pérols kommen würde. Alternativ kam die Idee auf, wieder am Fluss mit dem Rad zurück zu fahren, es sei ja noch nicht so dunkel. Am Platz dröhnte Techno-Musik aus einem abgesperrten Bereich. Am Ufer saßen Jugendliche, hörte vermutlich zu oder sprachen vielleicht auch über andere Sachen, die Mülleimer quollen von leeren Aludosen über. Die Temperatur war aktuell angenehm, also die Pedale getreten. Am Marche Le Lez vollbesetzte Außenbereiche, die scheinbar gemütliche Atmosphäre verursachte bei uns einen Stopp, ggf. eine Kleinigkeit essen. Ein gut besuchtes Restaurant, daneben Fastfood zum selber abholen auf Palettenmöbeln. Zu rummelig ging es mir hier zu. Lieber kein neuer Versuch mit unbekannter Speisekarte, Service etc.

Radelten weiter in die nächtliche Dämmerung hinein, wieder an den Pferdekoppeln vorbei aufs sich drehende Riesenrad zu.

Am Ende war ich wohl zu schnell für Jola, denn sie war allein an der Einfahrt vorbeigefahren.

2019 L‘ Isle-sur-la-Sorgue

18.07.2019 Donnerstag

Doch kein weiterer Aufenthalt mehr in Avignon. Sorgue hatte ich ausgesucht, nur knapp 30 Km von Avignon entfernt. Châteauneuf du Pape gleich „um die Ecke“. Doch wieder einmal die Reiseinformationen nicht exakt genug gelesen, deshalb wohl ein Ziel mit „Sorgue“ ins Navi getippt, wobei es sich um den Ort der Quelle des Flusses handelte. Kann ja nicht so weit entfernt sein; war der Gedanke. Den Irrtum unterwegs auf schlechter Wegstrecke an der Angabe zur Dauer der Fahrt bemerkt. Nächste Dummheit: „L‘ Isle-sur-la-Sorgue“, das müsste dann ja wohl die Insel bei der Stadt sein. Das Navi meldete beharrlich die gleiche Fahrzeit. Nun ließen wir es in Gleichmut geschehen, warteten darauf was uns in dem Ort geboten würde. Viel Verkehr in der Durchgangsstraße des Ortes, der gar nicht so unbedeutend war, wie wir wenig später feststellen durften. Zum Campingplatz Sorguette fanden wir direkt, durften uns einen Platz aussuchen, was sich zu einem Geduldsspiel entwickelte. Ziemlich viel pralle Sonne bekam das WoMo ab, trotz eines in der Mitte stehenden Baumes und hoher Hecken drumherum.

In der Mittagshitze die knapp zwei Kilometer zur Ortsmitte, wo wir nach dem Kreisverkehr den Quai Jean Jaurès mit Restaurants wie an einer Perlenkette aufgezogen vorfanden. Alle Lokale sehr gut besucht, überall ein plate de jour. Leckere Pizza gesehen, Fisch im Angebot etc.

Wir landeten dann bei „Olive & Raisin“. Eine Art Tapas-Bar, ein Glas Weißwein, für zwei eine Partie aus sechs Gläsern Brotaufstrich (Olive, Tomate etc.) und reichlich Brot dazu. Inmitten des appetitanregenden Sortiments saß es sich in kühler Atmosphäre angenehm. Die obligatorische Flasche kaltes Wasser stand mit auf dem Tisch.

Bei einem Rundgang sahen wir die aus der Blütezeit der Stadt und ihrer Papierindustrie einige der sich noch drehenden Mühlräder. Bei dem Bummel verloren Jola und ich uns erstaunlicherweise aus den Augen. Zuerst wartete ich geduldig, doch Jola tauchte nicht auf. Ging langsam am Ufer weiter und fand so Zeit, an einer Brücke meine Füße in der Sorgue Nord baumeln zu lassen.

13° hätte das Wasser durchgängig gleichbleibend im Jahr (so die Anmerkungen im Reiseführer). Ich zog die Hosenbeine hoch, testete Fuß um Fuß vorsichtig den im klaren Wasser sichtbaren Untergrund, präparierte dann mein Handy auf Selbstauslöser, stellte es – leicht wackelig – auf die Kaimauer und stakste in die Mitte des Flusses. Etwas zu kurz die fünf Sekunden, aber immerhin war ich voll „im Bilde“.

Jola musste wie ein Geist währenddessen an mir vorbeigezogen sein, sie meldete sich per Handy, sie stünde am Platz, wo Boule gespielt würde.

Da hatten wir die Stadt schon fast umkreist. Wir bedauerten es mit zunehmender Erkundung keineswegs, in dieser kleinen Stadt aufgeschlagen zu sein. Bei nachlassender Hitze rafften wir uns auf, fuhren die ca. 8 Km bis zur Quelle (Fontaine-de-Vaucluse). Ein Touristenmagnet. Den letzten Kilometer (so weit noch! Jolas Ausruf) in Hitze und bei leichter Steigung ins Massiv. Die Quelle unter einer Steilwand glänzte durch niedrigem Wasserstand. Trotz des Warnhinweises auf herabstürzende Steine und Felsen kletterten die neugierigen Touris (wie wir) über die Absperrung. Quellwasser schöpfen ging hier nicht. Im Restaurant Philip einen Tee eine Cola getrunken. Später an günstiger Stelle ins Wasser gestiegen. Blick in die Papiermühle (letzte ihrer Art, geschlossen 1968). Rückfahrt wie gehabt. Genug getan. Abends schallte Musik ans Ohr, die von der Snack-Bar herrührte. Gegen 22 Uhr lauschten wir bei einem Glas Weißwein aus dem Karton (Glas 2,50 €) dem Duo. Sie mit voluminöser Stimme brachte den (leider) recht wenigen Zuhörern alte und neue Hits zu Gehör. Ich begann mit Tischnachbarn ein Gespräch, von denen ich zuvor „Deutsches“ vernommen hatte. Ein Ehepaar aus Berlin, auf der Rückreise. Morgen sei eine Kanu-Tour angesagt, so die Frau. Davon inspiriert, fand Jola Gefallen an der Idee. Stunden vorher hatte sie mich noch alleine auf solche Tour schicken wollen.

19.07.2019 Freitag

Früh raus, Jola versuchte die Mitnahme zur Kanu-Tour zu organisieren. 09.15 Uhr sollte Abfahrt an der Rezeption sein. Bis 9 Uhr war nicht geklärt, ob wir noch mitfahren dürften. Doch es gab ein O.K. Ein Mann mit einem Kleinbus älteren Kalibers brachte uns auf einer etwas anderen Strecke wieder zur Quelle, wo sich die Einsetzstation des Verleihers befand. Wie auf dem Viehmarkt ging es hier an der Anmeldung und später bei der Einteilung zu. Schwimmwesten, Paddel und wasserdichte Tonne schleppten wir mit bis zu den Bergen von grün-gelben Kunststoffboten. Junge drahtigen Männer mit braungebrannten Oberkörpern bespaßten die stark angewachsene Gruppe mit den obligatorischen Einweisungen und Sicherheitsmaßnahmen, getrennt in „Nichtfranzösischversteher“ und Einheimische.

Dann ging es ab in die Boote, Jola durfte in der ersten Reihe Platz nehmen, ich versuchte mich hinten als Steuermann. Kaum im Wasser und erste Paddelschwünge gemacht, hieß es unter der Brücke abbremsen, weil ein leichtes Wehr zu überwinden war. Eintretendes Wasser lief zum Glück von selbst durch kleine Öffnungen im Boden des Kanus ab. Seicht trieb uns die Strömung den mäandernden Flusslauf mal mehr an die eine und dann wieder zur anderen Uferseite. Klares Wasser, in dem viel Seegras oder ähnliches wuchs und durch die Strömung wie geföhntes Haar schwebte.

Nach gut einer halben Stunde schaffte ich es, aus der Tonne mein Handy für ein paar Schnappschüsse aus der sicheren Trockenheit ins ungewisse Nassbiotop zu befördern.

So viel Interessantes gab es nicht zu fotografieren, Bäume am Ufer, die Schwimmweste auf Jolas Rücken oder andere herumeiernde Boote. Nach ca. einer Stunde erreichten wir neben ganz vielen anderen „Wildwasserfreaks“ die Pausenstation, schön getrennt nach Veranstaltern legten wir am steinigen Ufer an, um uns die Beine zu vertreten. Ein Helfer schnitzte am Durchlass an einem Stück Holz herum, gab dann nach ungefähr 15 Minuten das Signal, es ginge weiter. Boot für Boot wurde händisch durch den engen Durchlass geschoben, was für die jeweils vorne sitzenden Person ein feuchtes Vergnügen wurde. Jola ging alles viel zu schnell und wollte mich öfters im Tempo bremsen. Mir dagegen war an einer gleichmäßigen Linie gelegen, kraftsparend Paddeln halt.

Schon gegen 11.30 Uhr waren wir am Ziel, rückseitig an unserem Campingplatz durften wir aussteigen…. und zu Fuß die ca. 500m gehen.

So um 18 Uhr zufällig im Ort durch ein Portal eine Skulptur in einem Steingarten gesehen. Die gehörte zu einer Ausstellung in der Villa Datris. Ca. 85 Künstler durften hier seit 2011 ihre Werke auf gut 500 qm der Öffentlichkeit zeigen. Die aktuelle war die 9. Ausstellung.

Im Mittelpunkt stand das Tier im Verhältnis zum Menschen. Ob übergroße Ameisen, Zwitter aus Giraffe und Katze oder Eichhörnchen und Fledermaus, der Elefantenkopf aus Plastikresten oder die Schlange aus Pfauenfedern (Peacock) rechts im Bild. Konnte nicht mehr alles ansehen, wurde von einer jungen Mitarbeiterin aus der Villa komplimentiert, um 19 Uhr würde geschlossen werden. Draußen traute ich meinen Augen nicht und der Schreck fuhr mir in die Knochen, die E-Bikes waren weg! Hatte sie jemand auf die Straße gestellt (weil das Tor bereits abgesperrt war)?. Nein, man hatte sie lediglich von der Ausstellungsfläche weg um die Ecke abgestellt.

Die Trödelhallen schlossen um 19 Uhr, also kein Bummel durch Frankreichs Vergangenheit. Dafür spielte auf dem Eck vor einem Immobilienmaklerbüro eine vierköpfige Band jazzige Stücke für ein scheinbar geladenes Publikum, das sich vor dem Schaufenster an Schnittchen und Gläsern mit „was auch immer drin“ vergnüglich unterhielt.

Pastis in einer Bar Comptoir & Gourmandises getrunken, danach Rundgang durch das abendliche L‘Isle. Gegen 21.15 Uhr wanderten wir in den Park, wo bereits eine stattliche Anzahl Hörwilliger auf Bänken saß und wartete. Christian D… war für 21.30 Uhr angekündigt. Doch es dauerte, das Warten, auf dem Rasen sitzend, machte keinen Spaß. Dann kamen Ansager, sagten Dank an, dann kam eine Sprayerin oder Handmalerin, die auf eine Leinwand eine Art Vexierbild aufmalte und es am Ende umdrehte und man einen – bekannten – Menschen erkennen konnte. Das Bild wurde versteigert und von einer blonden Frau erworben. Dann gegen 22 Uhr stürmte aus dem Totenkopf auf die Bühne Christian hervor und begann im Stile von J. Hallyday seine Show. Nichts für meinen Geschmack, da half auch kein kühles Bier drüber hinweg. Nach dem vierten Lied verließen wir den Park.

2019 Avignon

17.07.2019 Mittwoch

Um 07.25 Uhr aufgewacht. Kein sirrendes Geräusch über Nacht zu hören gewesen. Jetzt schallte in kürzeren Abständen Autolärm von der nahen Straße über Hecke und Zaun. Duschkabine im neuen Trakt sah etwas sparkig aus, ansonsten erfrischenden Nass. Holte mir von der Rezeption den Katalog des Festivals. Jola war mit dem Abwasch verschwunden, das Wasser kochte im Aufbereiter.

So um 08.30 Uhr schwoll das Sirren in den Bäumen an. In der Garage entdeckte ich ein größeres Insekt, reglos, weil wohl schon tot. Muss eins der „Lärmmacher“ gewesen sein (nein, war keine Zikade!).

Beim Frühstück entschieden, eine weitere Übernachtung hier einzulegen.

Mit moderater Morgensonne den Weg zur Fähre gesucht und gefunden. Am Uferweg entdeckten wir einige merkwürdige Objekte, so etwas wie „Kunst am Kai“. Hier im Hintergrund u.a. ein demoliert aussehendes Wohnmobil aus Plastik.

Am Anleger erfuhr ich von einem „Fährmann“, Fahrräder würden mitgenommen. Nach der Querung der Pont E. Daladier begann unsere äußere Stadtumrundung, leider auf keinem adäquaten Radweg. Der Besuch der Pont d‘Avignon, für Jola kein Thema, 5 €, um auf die Brücke zu kommen, nein Danke! Nicht mehr genau zu lokalisieren war, wo wir innerhalb der Stadtmauer den Weg fortsetzten, ich meine, es war Porte St. Joseph. Nicht mehr so überraschend, die plakatierte Altstadt, ob Poller, schmiedeeiserne Fenstergitter oder an Bäumen, auf Leinen oder an Wänden, Werbung für Vorstellungen. Daneben verkleidete Menschen, Menschen, die singend oder auf Instrumenten spielend auf ihren Gig aufmerksam machen wollten.

Am Place L‘ Pasteur fand ich weitere Anzeichen von Werbung für Theaterveranstaltungen, auf den Sets auf den Tischen der Restaurants. In einer Seitenstraße vom Platz stellten wir unsere Räder ab.

Nun galt es, den Weg bis zur Gartenanlage des Papstpalastes zu finden und zu beschreiten. Ich ließ Jola den Guide spielen, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf Umgebung, vor allem Straßen und Abzweigungen zu beachten. Die Stufen zum Jardin des Doms par l‘escalier Sainte Anna mühselig bei ermattender Hitze aufgestiegen. Weitblick in alle Richtungen, auf Rhône, das Fort André, mit Glück auch auf den Mont Ventoux.

Treppauf, nun wieder Treppab auf den Platz vor dem Palast, wo lautes Gerede und ein Kreis Menschen uns anlockte: Dramatisches Straßentheater! Der grauhaarige Mann mit charismatischer Ausstrahlung verstand es gekonnt, die richtigen Zuschauer aus dem Publikum für sein Spektakel auszusuchen. Ein Kanadier, ein Mann wie von der Harley geholt, ein Belgier(?), und zu guter Letzt die wichtigste Person, die Schöne.

Stets gekonnt vorgemacht, animierte er seine Protagonisten dazu, seine Regieanweisungen umzusetzen. Hier auf dem Foto eine Szene, bei der die „Angebetete“ aufpassen musste, was ihr Lover ihr überbringen will. Er machte es mimisch in „tragender Rolle“ vor. Der Kanadier fand es lustig, machte aber super mit. Das Ganze ging dann für einige Zuschauer bis an die Schmerzgrenze des Erlaubten. Zur Überraschung und Begeisterung aller spielten alle vier mit, bekamen viel Applaus.

Wir aßen gegen 13 Uhr in der Rue Galante bei D’Ici & D’Ailleurs.

Marsch durch den Irrgarten Avignon, ohne Stadtplan würde ich mich ziemlich verloren gefühlt haben.

Vorteil solcher vermeintlichen Irrgärten ist, man entdeckt unerwartet Orte, Dinge, Sachen oder Menschen, die man gerade, vor einem auftauchend, nicht vermutet hätte. Hinterhöfe, Gänge, verwinkelte Ecken, wo Überraschendes einen ereilt.

Wo genau die Speisekarte auf den Tischen dieses Restaurants lag, fiel dem Tempo zum Opfer, in dem wir uns durch die Gassen bewegten.

Wie es so geht, plötzlich – welch ein Signal – tauchte die Markthalle vor uns auf, einseitig total grün bewachsen. Nach einigen unnötigen zusätzlichen Durchschreitungen von Gassen, die wir eigentlich nicht gehen wollten, erreichten wir den Platz Pasteur wieder. Was nun machen? Die mörderische Hitze in der Stadt irgendwie überstehen? Oder zurück zum Campingplatz in den schattigen Platanenhain? Zögernd und zaudernd entschieden wir uns für eine Pause in eigener Umgebung. Schon von der Hitze gezeichnet, fuhren wir auf dem Rückweg an dem Chemin ahnungslos vorbei, folgten einem Pärchen auf dem Rad, überholten es, um in einer Art Sackgasse zu landen, die uns zur Umkehr zwang. Das Sirren der Zikaden dauerte an, mir fiel dazu ein, es klänge mehr nach dem Rasseln von gefüllten Kugeln eines Rhythmusinstruments (bei jeder Erwähnung eine neue Umschreibung). Nicht so schlimm der „Umweg“, wir fanden trotzdem zum WoMo zurück. Der Campingplatz Municipal entpuppte sich mehr und mehr als angenehmer Aufenthaltsort: Waschanlagen in Ordnung, keine unangenehmen Laute vom Jugendcamp, schattiges Dasein, lediglich der ab- und anschwellende Autolärm vorbeirasender Fahrzeuge beeinträchtigte das Camperglück.

Pause bis ca. 18.45 Uhr.

Jolas Vorstellung vom Resttag sah vor, mich zur Fähre zu begleiten, um dann allein zurück zu fahren. Die Mündung der Stichstraße schauten wir uns genauer an. Der Schriftzug „Légumes“ auf einem Aufsteller sollte der Merkposten für den Abzweiger sein.

Die Fähre legte gerade an, unsere beiden Räder durften als erstes aufs Boot, abzustellen auf extra ausgewiesenen Plätzen. Vier weitere Personen hievten ihre Vehikel an Bord. Zwei hübsche Asiatinnen fuhren mit. Klein, aber fein, hatten sie scheinbar für den Ausgang sharing outfit gemacht. Die eine trug den gelb schwarz karierten Rock, die andere den Blazer dazu. Ca. zwei Minuten nur dauerte die Überfahrt über die Rhône. Jola begleitete mich weiter, machte keine Anstalten, sich auf den Rückweg zu begeben.

Die kleine Zufahrt Porte de la Ligne durch die Stadtmauer brachte uns nach einer kurzen Anfahrt zum Place Carnot. Menschen umringten darauf eine Gruppe Breakdancer und beklatschten die wirbelnden Drehungen enthusiastisch. Unsere Räder ließen wir dort angeschlossen stehen. Jola begleitete mich weiter treuherzig und sie schien keinen Gedanken mehr an eine vorzeitige Rückkehr zu verschwenden. Einige Geschäfte boten ihre Waren noch an. Insgesamt wirkte das Umfeld heute etwas ruhiger, keine Hektik mehr, in den schattigen Gassen herrschte fast angenehme Kühle. An Essen hätte ich gerne wieder eins der belegten Baguette verspeist, doch der Laden befand sich an einem anderen Ende der Innenstadt. Das Haus der Weinregion Cote du Rhone in einem Hinterhof bot gegen 10 € Eintritt die Degustation verschiedener Weine der Region an, zudem spielte ein Duo auf einer kleinen Bühne alte Hits. Ganz entschlossen waren wir nicht sofort, wanderten weiter auf der Suche nach dem Baguette, ohne das Geschäft zu finden.

Wir zahlten dann den Eintritt, erhielten jeder ein Weinglas und einen Stempel auf den Handballen. In der Mitte des Hofes ein Zelt, an dem mehrere Personen jeweils Wein aus ihrer Region in Probierschlückchen ausschenkten. Mehrere Namen der Weine beinhalteten die Bezeichnung „Plan de Dieu“ (ich deutete das als den Plan Gottes). Als erstes genehmigte ich mir einen Weißwein, danach mehrere Rotweine. Einer leckerer als der andere. Auf dem Tresen standen Brotkörbe und Holzbretter mit Käse oder Schinken. Unbedacht wie ich war, wähnte ich diese als Probierhäppchen zum Wein. Doch weit gefehlt, sie gehörten anderen Weingenießern, die diese Platten teuer bezahlt hatten. Jola besorgte dann einen Käseteller, für den wir erst einige Runden im Hof drehen mussten, bevor wir eine Abstellmöglichkeit dafür fanden.

Das Duo mit der Frau am Kontrabass besang die Gäste, gegen die laute Resonanz der sich unterhaltenden Weintrinker kamen sie, trotz Verstärker, kaum an. Auch wenige Schlucke können in der Summe ihre Wirkung erzielen, der Gaumen wurde lockerer, der Körper dafür schwankender. Jola sorgte sich, ob sie mich heil zum Campingplatz zurückbringen würde. Aber kein Thema, sogar die Stichstraße wurde nicht übersehen.

2019 Mitten drin (Frankreich)

15.07.2019 Montag

Aufbruchstimmung nicht nur bei uns, Camper rollten ihre Planen zusammen, andere vertauten ihren „Zweitwagen“. Jola bezahlte und kam mit der Meldung ins WoMo, sie habe scheinbar nur für einen Tag bezahlt. Egal, den „Rabatt“ nahmen wir einfach mal an.

Alles ging bis dahin recht flott, sodass wir gegen 9 Uhr bereits den Campingplatz verließen. Ich wollte zum Supermarkt, dahin, wo wir uns gestern vor dem Regen unterstellten. Die vier Kilometer waren vergeudete Zeit, der Leclerc diente scheinbar nur Großkunden, außer bei der Bäckerei hätte ich nichts einkaufen können. Also unverrichteter Dinge auf die Autobahn, die bei Belfort 4,50 € Maut kostete. Später löhnte ich ein weiteres Mal Maut, 12 € bei Besançon. Die Automaten mit den französischen Hinweisen und Anweisungen brachten mich zur Weißglut, wahrscheinlich schimpften die hinter mir Wartenden über den „dämlichen Deutschen“. Die Autobahn war voller (als auf anderen Frankreich-Reisen), vor allem tourten mehr LKW von Nord nach Süd oder Richtung Paris. In Besançon bog ich zum Zentrum ab, die Stadt schien mir wie gemacht für eine Pause mit einer kleinen warmen Mahlzeit. Tatsächlich fand ich stadtnah einen Parkplatz, zwar kostenpflichtig, aber genügend freie Plätze für das WoMo. Kurz vor 12 Uhr marschierten wir am mächtigen Gebäude der Finanzverwaltung vorbei Richtung Marktplatz (von dem wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts wussten). Typisch südlich die hohen Häuser, gewaltigen Bauten, als nächstes das Centre Hospitalier der Universität mit seinem Kuppelturm. Bald erreichten wir Straßenzüge mit kleinen Restaurants, Bistros und den überall vorzufindenden Modeketten (H&M oder C&A bspw.). Ein „Plat de jour“ boten mehre Lokale auf ihren Schiefertafeln an. Marschierten über die Brücke auf der Suche nach einem Mittagstisch, Straßenbahnen fuhren fast geräuschlos in kurzem Takt hin und her. Wir erwischten den richtigen Zeitpunkt und eine gute Wahl bei dem Mittagessen an zentraler Stelle gegenüber dem modernen Gebäude mit der Aufschrift „musées“ und einer Uhr, die ständig in Bewegung war, um die richtige Uhrzeit anzuzeigen.

Essen war in Ordnung, ärgerlich nur, dass wir als Touristen nicht die sonst überall hingestellte grüne Flasche mit Leitungswasser hingestellt bekamen. Bei Monoprix Bier, Wasser, eine Flasche Wein etc. eingekauft und zum WoMo geschleppt.

Dabei entdeckte ich im Pflaster des Fußweges kleine bronzefarbene Dreiecke mit runden Symbolen, Ziffernblätter von Uhren. Sie dienten als Richtungsanzeiger für einen Stadtrundgang. 2,40 € wollte der Automat für den Abstellzeitraum haben.

Weiter ging es ohne mautpflichtige Autobahn auf den Nationalstraßen, was logischerweise etwas länger dauerte. Auch hier nur zwei Baustellen mit Ampelstopp, sonst bei Tempo 80 Km/h flott die manchmal atemberaubenden Steigungen und Gefälle entlanggerauscht. Kurz vor Bourg bei Intermarché für 1,401 € getankt. Abgeerntete braune Getreidefelder, auf denen die typischen Rundballen lagen, Mähdrescher wendeten Gras, Dörfer mit tristen Durchgangsstraßen, deren Namen ich bereits nach der Durchfahrt wieder vergessen hatte, all das flog an mir vorbei. „Vins du Jura“, den gab es da, wo es ziemlich „wellig“ auf und ab ging. Villefranche sur Saône erreichten wir gegen 16.45 Uhr, Sonne schien, windig war es, besonders heftig einige Böen. Hässliches Gewerbegebiet durchfahren, dann ein Kilometer Platanen und Gewächshäuser. Campingplatzzugang war wieder mal was für Technikaffine. Immerhin waren Hinweise und Ansagen in Deutsch vorrätig. Meine Handynummer und meine E-Mailadresse musste ich eingeben, beim Namen begnügte das System sich mit „St“ und „U“. 13,30 € plus 4 € für die Karte, dann öffnete sich die Schranke und ich hatte freie Platzwahl. Musik aus einem Restaurant (La Plage) beschallte den gesamten Campingplatz, der bis dato nur sporadisch besetzt war, sich aber nach und nach später füllte. „Tanztee“ würde man die Veranstaltung im Restaurant nennen, die scheinbar eine lange Tradition besaß (wenn man dem Foto Glauben schenken wollte). Bei einem Spaziergang an der Saône sahen wir eine volle Tanzfläche, meist doch älterer Pärchen, die flott einen aufs Parkett legten.

Die mit Platanen bestandene Allee endete nach ca. 500 Metern bei einem Betonwerk. Wir kehrten um, auf den Grünflächen war eigentlich Grillverbot, trotzdem qualmte es aus einer Metallschale gen Himmel.

Nach einem Päuschen schloss sich das Abendbrot an. Danach verschafften wir uns Gewissheit über die Aura dieser Stadt. Leider konnten wir kein nennenswertes Ambiente entdecken, dass man gerne in seinen Reisenotizen vermerkt hätte. Eine hübsche Kirche fanden wir in der Nähe des Rathauses, das imposant mit Treppenportal im Zentrum thronte. Vor dem Theater ein bisschen Freiraum mit Grünzeug. Wir kehrten dem Innenstadtbereich schnell der Rücken, fuhren auf Fußwegen gegen die Einbahnstraßen zurück, ohne Stadtplan hatte ich absolut keine Lust, mich auf unbekannten Wegen zu verfahren. Nach 20.30 Uhr ein Bier am WoMo getrunken und einer skurrilen französischen Familie beim Boule zugesehen.

Morgen werden wir die Stadt schleunigst verlassen.

16.07.2019 Dienstag

Ich möchte hier gar nicht den Reisebericht mit der misslichen Geschichte um Jolas negative Reiselust bereichern, es lastete jedenfalls schwer auf der Tour.

Um es kurz zu machen, die kaum mehr als 280 Km waren eine Herausforderung. Zum einen, um um Lyon herum zu kommen, zusätzlich ein Unfall auf der A6 mit entsprechendem Stau, dann „Autobahn vermeiden“ dem Navi befohlen, was dazu führte, die Strecke überwiegend auf der Nationalstraße zurückzulegen. Ich dachte am Ende der Tour einen Drehschwindel von den vielen Kreisverkehren bekommen zu haben. Wie oft vom Navi die Ansage kam „in den Kreisverkehr einfahren und …. Ausfahrt …“ konnte ich nicht zählen. Ebenso blieben die Orte wieder namenlos zurück, dafür begleitete uns des öfteren die Rhône in ihrem überaus breiten Bett. Zumindest bis vor den vier qualmenden Atommeilern bei Montélimar glänzte die Wasseroberfläche kristallblau. Nach gut zwei Stunden eine spontane Pause an einer Épicerie mit Snack-Bar. Kaffee zum Selberziehen und eine Art Apfeltasche (eher mit Apfelmus gefüllt) mussten für unser Wohlergehen herhalten.

Bis 13 Uhr wollte ich eigentlich ein Restaurant für ein kleines Mittagessen gefunden haben, vergebens. Ein Lidl im Umfeld von Montélimar stoppte mich, es gor die Idee, Fleisch zu kaufen und selber im WoMo etwas zum Mittag zu machen. Jola blieb im WoMo und schnetzelte Gemüse zu einem Salat klein, ich kam mit Schweinekoteletts zurück.

Avignon rückte näher, die zunehmende Hitze war im Fahrtwind zu spüren, milde, lauwarme Luft umspielte meine Hand, wenn ich sie aus dem offenen Fenster hielt. Außer den Geräuschen der Fahrzeuge war das ständige „Rascheln“ der Grillen, Heuschrecken oder Zikaden zu hören (zu diesem Zeitpunkt war ich noch Unwissender, kannte nicht den Begriff „la cigale“, die in der Provence heimische Zikade mit dem typische Lärmpegel). Ohne Unterlass dröhnte der Gesang von Millionen kleiner Tierchen ans Ohr, wie ein ferner Klang eine Flaschenabfüllanlage oder besser noch wie eine sirrende Stromleitung.

Leider waren die Versuche auf den drei notierten Campingplätzen vergebens, alle „besetzt“. Ärgerlich, aber im Nachhinein auch verständlich, denn die Kleinkunstfestivitäten waren noch voll im Gange. Der letzte Versuch, Camping „Parc Libertés“, etwas außerhalb gelegen, war dann eher ein Jugendzeltlager, aber immerhin durften wir uns einen Platz auf dem wilden Areal aussuchen. Unglücklich über den abgeschiedenen Ort, schlechte Sanitäreinrichtungen (Jolas Stippvisite) und verpasste Gelegenheiten, haderten wir (Jola mehr als ich) mit dem Schicksal und der Hitze. Unser erster Versuche gegen 18 Uhr, Avignon zu erreichen scheiterte auf halber Strecke. Die Hitze war zu groß, Jola hatte keine Kopfbedeckung mit und mir schwante Ungemach ob des plötzlichen Klimawandels. Also kehrten wir um, gönnten uns eine Pause, fanden andere Stellplätze auf dem Gelände, die besser für einen Aufenthalt geeignet wären.

Gegen 19.30 Uhr starteten wir einen zweiten Versuch, der diesmal erfolgreich war und uns bis in die Altstadt gelangen ließ. Auf der Brücke das obligate Foto von der Pont St. Bénézit.

Der Trubel war hier im alten Kern riesig, so ließen wir die Räder vor der barocke Missionskirche (Chapelle Oratoire) stehen und schlenderte durch die überaus effektvoll mit Veranstaltungsplakaten dekorierten Gassen. Musik erklang hier aus einem Hinterhof oder dort von einer umringten Menschenmenge auf einer Straße. Turbulent setzten sich junge Asiaten mit Jojos in Szene, eine unscheinbare junge Frau mit Zopf sang vor dem Papstpalast Lieder von Edith Piaf, später gab eine leicht pummelige Frau zusammen mit einem Mann am Kontrabass Jazziges angenehm zu Gehör. Zeichner, Jongleure und Theater, die Stadt war voller Leben und die multinational wirkenden Menschen genossen die angenehm milde Temperatur der Nacht, ob mit einem belegten Baguette in der Hand (wie wir) oder vornehm in einem Restaurant. Stiegen die Treppen zum Papstpalast hinauf, von wo man eine hübsche Aussicht auf den Place de Palast und die Umgebung hatte. Die polizeiliche Präsenz erinnerte mich ein wenig an unseren Aufenthalt in Israel im Jahr 1996.

So um 21.30 Uhr dachte ich an die nächtliche Heimfahrt, wir standen gerade auf dem Place de l‘ horloge, bei dem ich mich zu erinnern glaubte, hier einmal über einen Wochenmarkt gegangen zu sein. Jola hatte das Bedürfnis, unbedingt in Avignon einen Pastis trinken zu wollen. Also am Place Crillon ein Plätzchen vor einer Bar gefunden, ich trank ein kleines Jupiler, Jola den gewünschten Pastis. Die Bedienung wirkte etwas zu lässig abweisend, originell die kurzen schwarzen Lederhosen (Imitat?), die alle im Service tätigen Mädels trugen. Am Nebentisch ein echter (alter) Franzose, zerzaust, lange graue Haare, Gehstock an den Tisch gelehnt, zählte seine Münzen für den Kaffee und das Glas Wasser, schaute andauernd auffordernd herüber, blieb aber stumm, bis sich ein jüngerer Franzose an den Nebentisch setzte und zu plaudern begann. So wanderten die Münzen erst einmal wieder in seine Tasche.

Die Rückfahrt im Dunkeln verlief ohne „Fehltritte“. Nachts gegen 00.00 Uhr tauchte plötzlich jemand vom Service auf, wir stünden auf einer Fläche, die „nicht versichert“ sei (herabstürzende Äste etc.), es sei nicht erlaubt, an dieser Stelle zu stehen, wir müssten umparken. Ich dachte, ich falle vom Glauben ab, sagte aber nichts. Packte die Sachen zusammen, steuerte etwas angetrunken das WoMo dorthin, wo ich bei einem Rundgang ohnehin einen freien Platz entdeckt hatte, wir das Umparken aber für nicht notwendig erachteten. Immerhin bemühte er sich um Einweisung, Stromanschluss und entschuldigte sich tausendmal.

Gegen 01.00 Uhr nahm mich mein Bett zur Ruhe auf. Jola schrieb noch im Stehen bis 01.30 Uhr weiter an ihren Aufzeichnungen.

2019 Okzitanien / Provence (noch im Elsass)

13.07.2019 Samstag

Die ersten beiden Tage verbrachten wir in Kassel und Sankt Leon.

Abreise aus St. Leon war um 9.15 Uhr. 20 € alles inklusive, Codekarte für die Schrankenöffnung, danach ließ ich sie in einen Metallkasten fallen. Auf (wohl nimmer) wiedersehen! Im Ort zur Tankstelle, 1,189 € der Liter Diesel, paradiesische Zustände. Reifendruck prüfen, ging nur bis 5 Bar, auf zwei Reifen zeigte das Gerät 5,5 Bar an.

Auf „kürzeste Strecke“ statt „schnellste“ im Navi eingestellt leitete es mich über die Autobahn A5. Hohes Verkehrsaufkommen, zum Glück keine Unfälle, flüssiges Fahren, wenig Baustellen. Rechts die Vogesen, links der Schwarzwald, der seinem Namen, wolkenverhangen, alle Ehre machte. Mulhouse durchfahren, das dauerte dann noch, bis wir den Campingplatz de l‘Ill in der Rue Pierre Coubertin gegen kurz vor 12 Uhr erreichten. Die Sonne brannte, wenn die Wolken die Strahlen durchließen. Einen Platz durften wir uns alleine aussuchen. Wählten einen im Freigelände neben dem Volleyballfeld und einem Spielplatz.

Uns winkten auf der Zufahrt zwei ältere Menschen auf Fahrrädern zu, wir beide assoziierten gleich „Lübecker“! Und richtig, wenig später tauchte der Mann neben meiner Fahrertür auf und sprach auf mich ein. Er stünde mit seinem Mobil „frei“. Empfahl uns gleich eine App „park4night“, dort fände man tolle Stellmöglichkeiten.

Gegen 15.30 Uhr machten wir den ersten Abstecher Richtung Altstadt, erst am Kanal entlang, dann Hinweisschildern durch eine wenig attraktive Straßenszenerie folgend. Das Schild „Marche“ führte mich kurzerhand auf Abwege. Markthallen boten immer Essbares. Neben bzw. vor der Markthalle fand ein opulenter Wochenmarkt statt. Üppiges Angebot an Obst und Gemüse. Gewusel, Menschen aller Herren Länder kauften und verkauften. Billig waren Tomaten, Melonen, Gurken und Paprika, alles in Hülle und Fülle vorhanden. In der Markthalle Ständer mit gut aussehendem Fleischangebot, Käse, Wurst etc. Einige Standbetreiber begannen bereits ihre Waren zusammenzuräumen. Unsere Wankelmütigkeit schwankte zwischen „nichts kaufen“ und „lecker Essen beschaffen“. Wenn „beschaffen“, dann Abtransport zum WoMo.

Tüten mit Gurke, Paprika, zwei Melonen, Pate, Salami, zwei Käse, Baguette und Tomate schleppte ich zu den Rädern. Die Rückfahrt im Suchmodus, Richtung stimmte, doch Orientierung fehlte, die kam nach dem Uni-Viertel mit „La Kunsthalle“ erst am Kanal Rhône au Rhin wieder.

Der Einkauf war sicher am Stellplatz angelangt, nun wollten die Sachen auch probiert werden. Salat, Käse, Baguette und der zweite halbe Hahn stillten unseren Appetit draußen am Tisch bei Wechsel zwischen stichiger Sonne und dunklen Wolken.

Nach der Mittagspause schickte ich uns auf die Reise zum Stadtteil Rebberg. Querten am Bahnhof über die Brücke auf die andere Kanalseite, dann Richtung „Zoo“ und weiter Avenue d‘ Altkirch. Hier konnten wir den Blick in die bergan verlaufenden Stichstraßen werfen, wo sich bereits alter Häuserbestand und wohlhabendes Umfeld zeigten, ob noch Bestand habend, wer weiß.

Nur im Highspeedmodus war der Anstieg bis zur Rue de Belvedere zu schaffen. Leider verschanzten sich die meisten Villen hinter hohen Zäunen oder dicht bewachsenem Heckenbestand. Ab und an erhaschte man einen Blick auf eins der Gebäude. Hinter dem Berg das Krankenhaus, irgendwelche Institute und der Zoo.

Der Zufall spielte uns den Metallturm Belvedere in die Hände. „Hinaufklettern auf eigene Gefahr“, die wir gerne auf uns nahmen. Tatsächlich bot sich uns ein weitreichender Ausblick über die Stadt und sein Umfeld. Zwei Richtungstafeln zeigten die entfernteren Objekte (Bergspitzen wie bspw. Belchen oder Mont Blanc) an.

Stromerten durch weitere Gassen, jetzt schon im Modus „Abfahrt“, bis wir wieder auf die Bahnhofsbrücke gelangten. Die Altstadt begingen wir vom Platz am Münster aus. Geschäfte waren zum Teil geöffnet. Einige Lokalitäten, die ich mir notiert hatte, fanden wir, waren aber (schon) geschlossen. Galettes im Angebot der Crêperie Crampous Mad in einer Nebenstraße namens Rue des Tondeurs regten den abendlichen Appetit an. Doch wir mussten uns zehn Minuten gedulden, alle Plätze waren besetzt. Drehten deshalb eine Runde um den Häuserblock. Bei der Rückkehr räumten gerade zwei Damen lächelnd den Tisch und wiesen uns mit Handzeichen an, dies sei wohl nun unser Platz. Keine Gourmetmeisterwerke diese Galettes, aber nett gegessen.

Die städtischen Mitarbeiter taten mittlerweile ihre Pflicht, räumten den Dreck aus der Fußgängerzone weg und holten Berge von Kartons nebst Plastiksäcken ab. Viel dunkelhäutiges Publikum war jetzt unterwegs. Jola meinte, hier in der Stadt wäre vor nicht allzu langer Zeit ein sozialer Brennpunkt gewesen, dem man jetzt mit „härteren“ Mitteln begegnen würde (Strafen, Videoüberwachung etc.).

Wieder am Kanal mit der markanten Brücke fanden wir schnell zum Campingplatz zurück. Dort spielte neben der Rezeption Musik, von einem provisorischen Tresen verkaufte jemand Getränke, etwas abseits stand ein Grill. Spät abends nahmen zur Mitternacht hin Böllergeräusche zu, Anzeichen für den morgen beginnenden Nationalfeiertag.

14.07.2019 Sonntag

Die Sonne machte ihre Runde, lugte über die hohen Bäume und gab etwas Wärme ab. Gegen 07.45 Uhr stellte ich Stühle und den Tisch ins Sonnenlicht.

Draußen Frühstück, einmal ganz unkompliziert, wenn auch Wurst und Käse mehrfach Wespen anlockten. Es zog sich, keine Anstalten für einen baldigen Aufbruch. Jola schien mehr von einem zweiten Aufenthaltstag zu träumen. Ich rätselte und wartete ab. Obwohl angekündigt war, dass die meisten Geschäfte heute geschlossen hatten, sollte eine Stadtbesichtigung gemacht werden.

Die Tourist-Information (Robert Schumann Straße) suchten wir als erstes auf. Dort gab es keine zusätzlichen Informationen, außer, dass der im Internet präsente „Reiseführer“ in deutsch dort als Papierversion auslag. Die Straßen sauber gefegt, keine Pappkartons standen mehr herum, Menschen schienen ebenfalls mit hinweggefegt, kaum jemand unterwegs, gut für uns Radler in der Fußgängerzone.

Das „Nouveau Bassin“, ein möglicherweise künstlich angelegtes längliches Wasserbecken, an dem sich zwischen uralten riesigen Pappeln (oder waren es Platanen?) 13 Skulpturen aus dem Zeitraum 2001 bis 2017 von verschiedenen Künstlern befanden, war unser nächstes Ziel. Auf der Hinfahrt trafen wir linker Hand auf das Gefängnis, wenig ansprechende Optik, warum auch?, könnte man denken. Erinnerte an dunkle Zeiten, als Menschen noch in Gefängnissen verschwanden, nur weil sie anders dachten. An der Ecke einer Stichstraße das Restaurant Entrecôte, gegenüber das „Tribunal justice“, wie passend.

Die Räder ketteten wir an eine „Parkbox für Hunde“ und marschierten den Park zu Fuß ab. Aus dem Wasser im Parc à sculpture sprudelte eine Fontäne, weiter weg sprossen Seerosen mit gelblichen Blüten auf der Wasseroberfläche. Links an der Allee (William Wyler) entlang führte der Radweg, rechts der Fußweg direkt am Ufer. Hinter den mächtigen Bäumen Wohnblocks, manche wohl gerade erst fertiggestellt. Viel Grünzeug und Blumen auf den Balkonen. Lichte Lücken zwischen den Hausreihen füllten beginnende Neubauten aus.

Jola bewunderte hier das 9. Objekt „la danse des trois“ (clair boit = helles Holz) aus dem Jahre 2005 von Alix Vonderweidt.

Kurios der Rundbau mit den angedockten gelben Balkonen.

Wieder am Ausgangspunkt zurück, widmeten wir uns kurze Zeit später, es war wenig nach 12 Uhr, der Speisekarte des Restaurants Entrecôte. Draußen saßen bereits erste Gäste und speisten. Mein rudimentäres Französisch reichte gerade, um den jungen Mann nach einem Tisch für zwei Personen zu fragen. Schon die Gegenfrage verstand ich nicht bzw. schnappte das Wort „terrasse“ auf und nickte mit Blick auf den freien Platz draußen. Fleisch war heute unser Gemüse, ich gönnte mir davor nudelförmige Calamares. Eine weitere Kuriosität die Toilette: hübsch in grau Ornamente auf den Kacheln im Vorraum der gemeinsamen Einrichtung, Schilder für Beeinträchtigte, Männchen und Weibchen. Bei den „Männern“ lediglich zwei Urinale, kein Objekt zum sitzen.

Das „Tribunal“ ein recht ansehnliches Gebäude mit kunstvoller Schmiedearbeit an Toren und Fenstern, die Uhr wirkte besonders herausgeputzt.

Nach dem Studium des Reiseführers lockte der Cour des chaînes, wo es in der „Franziskanergasse“ interessante Sachen zu sehen geben sollte.

Das dort ansässige Sterne-Restaurant war heute geschlossen, ohnehin waren wir ja ausreichend gesättigt. Hinter einem etwas versteckten Durchgang, sahen wir an zwei Häuserwänden historische Menschen abgebildet. Die Wand war damit vollständig bemalt.

Trotz Stadtplan blieb Mulhouse nach jeder Biegung oder Kreuzung ein Mysterium. Wir wollten zum Museum Electropolis, das etwas außerhalb lag. Unseren Weg mehrfach korrigiert, landeten wir hinter der Markthalle in einem ehemaligen Arbeiterviertel (Cite ouvrière). Das Viertel bestand aus Häusern in Reihen, die äußerlich nach Besitzern ohne viel Geld aussahen, ggf. haben Eigentümer mit einer Menge handwerklichem Engagement versucht, die Objekte in bewohnbarem Zustand zu halten.

Nach Durchfahrt durch eine der Gassen tauchte vor uns das Industriegelände der Firma DMC auf. Neugierig erkundeten wir das brach liegende Areal und entdeckten „Motoco“, die Künstlerkommune. Im Reiseführer als Ort der Kreativen bezeichnet, fanden dort Veranstaltungen, Ausstellungen und Vorführungen statt. Zugang gab es heute nicht.

Gelangten danach an die Pont l‘Ill, sahen eine Kunstschule, die Straßenbahn, fuhren unentschlossen, ob der richtigen Richtung, den Boulevard Stoessel an der Bahnlinie weiter entlang, im Rücken schwarze Wolken heraufziehend. Es begann relativ unvermittelt zu schütten, flüchteten gerade noch rechtzeitig unter das Dach der nächsten Bahnhaltestelle Daguerre. Dort harrten wir mit anderen Menschen vieler Herkunftsländer aus, manche verschwanden alsbald in den ankommenden Bahnen. Nach etwas Gesuche fand ich immerhin unseren Standort heraus. Als der Regen nachließ, riskierten wir die Fahrt Richtung Museum. Zuerst richtig ausgeschildert, brachen wir trotzdem ab, weil mein Hemd nass, es kalt war und das Ziel nicht genau geortet werden konnte. Ein Radhinweisschild „Campingplatz“ führte uns in die Irre, was zu einer Kreisfahrt führte und wir wieder an der Brücke standen. Genervt! Nahmen nun einen längeren, dafür bekannten Weg am Kunstmuseum vorbei.

Heißer Tee, frisches T-Shirt. Der Regen hörte den Tag über nicht mehr auf.

2017 Rückreise nach Hause

17.08.2017 Donnerstag

Der gestern begonnene Regen setzte sich am heutigen Tag lange Zeit fort, wenn es auch morgens kurz trocken blieb. Vor 9 Uhr machte die Rezeption nicht auf, bis dahin waren aber alle Sachen verpackt. Quimperlé, Lorient und dann Rennes als Zwischenziel, wo wir nach kurzer Suche nicht weit vom Zentrum einen Parkplatz fanden. Das Wetter hatte sich gebessert, so fuhren wir am Kanal d’Il-le et Race, wo am Ufer schicke Neubauten standen und im Wasser Hausboote lagerten mit den Rädern bis zum Beginn der Fußgängerzone. Die Altstadt machte auf uns einen teils baufälligen Eindruck, andererseits fanden sich überall gut besuchte Restaurants. Das Bild änderte sich ein bisschen als wir Richtung Bahnhof bummelten, hier ähnelte das Ambiente mehr Städten wie Wien oder Brüssel mit seinen hohen Häuserfronten. Couscous gegessen, gerade beendet, begann es zu regnen.

Ein guter Zeitpunkt für die Weiterfahrt. Irritierung verursachte das Navi, weil es die Strecke nach Amiens zum Campingplatz nicht berechnete. Am Ende fiel mir ein, ich hatte ein paar Tage vorher auf „Fahrrad“ umgestellt. Jola hatte ein Ziel ausgesucht, Honfleur nahe Deauville. Dort gäbe es einen großen ruhigen Stellplatz mit Strom etc. Die Wunschroute von Jola an der Küste entlang zu fahren, geriet zum Desaster, denn die Straßen wurden holpriger und enger.

Die eingegebene Adresse war frei gewählt, mit den Geodaten wollten wir sichergehen, zum Ziel zu kommen. Funktionierte aber nicht. Ich fuhr dann fast drei Kilometer auf so engen Wegen, dass ich mehrfach mit entgegenkommenden Fahrzeugen manövrieren musste. Dann war ich doch noch in Honfleur gelandet. Der Stellplatz war das Tüpfelchen auf dem „I“, mit Schlaglöchern übersät, voll mit Wohnmobilen aller Art und kein Stromanschluss frei. Mitten im Gelände stellte ich das WoMo frustriert ab. Mangels einer Alternative blieben wir, nahmen die Räder und besuchten den Ort.

Der erwies sich als die reinste museale Welt analog Rothenburg ob der Tauber. Nett anzusehen, viel touristischer Rummel, alte Holzkirche, ein alter kleiner Hafen.

18.08.2017 Freitag

Die Nacht verlief erstaunlich ruhig auf einem Stellplatz mit dieser Anzahl fahrbarer Ferienwohnungen. Als ich gegen 01.30 Uhr einmal austrat, kamen zwei WoMos an und suchten Unterschlupf. Morgens kam gegen 08.30 Uhr der fahrbarer Bäcker und wir sahen durchs Fenster ständig Menschen mit Baguettes zu ihren Autos gehen. Wir aßen Maisbrot von gestern. An der Entsorgungsstation musste ich auf einen Franzosen warten, der umständlich seine Reinigungsarbeiten erledigte. Ich fuhr danach auf die Station, wobei Jola mich einwies. Grauwasser abgelassen, da hörte ich von umstehenden Leuten archaische Laute. Mir schwante Übles und richtig, der Wasserstrahl aus dem Tank versiegte gerade, da kam ein Polizist und fragte mich, ob das mein Caravan sein und ich müsste genau auf dem Abwasserkanal stehen wenn ich das Grauwasser abließe, so deutete ich jedenfalls seine Geste. Nun war aber bereits alles „fertig“ und ich schloss den Stopfen. Trollte mich von dannen und fuhr danach davon. Punkt 10 Uhr verließen wir den Parkplatz in einer Kolonne ebenfalls abfahrender Wohnmobile. Dann die spektakuläre Überfährt über die längste Hängebrücke Europas über die Seine. Jola fotografierte fleißig. Die ersten 60 Km auf der Schnellstraße, dann begann die Diskussion, wo lang und ob auf Mautstraßen. Bis dahin hatten wir 18,80 € bezahlt. Außerdem neigte sich die Tanknadel wieder gen „rot“. Ich stellte das Navi auf „Mautstraßen meiden“ ein. Wir landeten trotzdem wieder auf einer Schnellstraße, was mich bei der Suche nach einer (günstigen) Tankmöglichkeit nicht weiterbrachte. Über 1,40 € kostete der Diesel an den Raststättentankstellen. Ich fuhr dann wieder an einer Abfahrt ab und verließ mich auf mein Gefühl, das mir dann nach ein paar Kilometern mit dem Erreichen des Ortes Neufchâtel Recht gab. Dort konnte ich gegen 12 Uhr bei Leclerc tanken, Jola verschwand sofort im nebenstehenden Lidl. Danach ging es auf Landstraßen nach Arras und Lens, von wo aus wir Lille erreichten und dann die Grenze nach Belgien überschritten. Auf einer Raststätte verpflegten wir uns kurz im WoMo mit Baguette von gestern. Die letzte Stunde war dann kein Problem mehr. Der Stellplatz in Gent hatte Strom, aber kaum „Licht“ von oben, so verborgen lag er. Immerhin mit einem „Fensterblick“ auf den Badesee, aber kein Satellitenempfang. War auch nicht wichtig. Ich duschte, dann fuhren wir an der Regattastrecke in Richtung Stadt. Obwohl noch keine drei Wochen her, wusste ich nicht mehr genau, wo es in das Zentrum ging. Jola meinte, sie könnte sich orientieren und strampelte emsig vorweg, bis ich die blaue Brücke erkannte. In der ehemaligen Post einen Tee getrunken, die Räumlichkeiten des umgebauten Gebäudes beeindruckten uns.

Dann wurde bei Hema nach Geschenkpapier gesucht. Manchmal schaut man auch mal auf andere schöne Dinge. In einer Chocolaterie kaufte Jola für Miriam ein süßes Geschenk. Dann stromerten wir durch die Gassen, sahen uns Schaufensterauslagen an, suchten ein Restaurant, fanden die Lokalität, die wir von der Schiffstour aus gesehen und lagemäßig so attraktiv gefunden hatten, tranken dort mangels Essensangebot lediglich ein Bier. Die Auswahl an Bieren war riesig, was mir die Entscheidung nicht leicht machte. Jola meinte, es sei eine „Schwulenkneipe“. Dann holten wir unsere Räder bei der Post ab, vor der immer noch ein einsamer Straßenmusiker auf seiner elektrischen Gitarre sehr laut allseits bekannte Rocklieder zum besten gab, ohne dass sich ein Zuschauerkreis bildete. Ein paar Straßen weiter entdeckte ich ein vegetarisches Restaurant, schaute mich innen um, fand es originell, außerdem duftete es verführerisch. Jola war es recht und so begaben wir uns ins „Le Botaniste“ auf ein Essen „Surprise“. Bestellen musste ich an der Theke, hinter der in kleinen Metallschüsseln fast alle Zutaten sichtbar waren. Ich durfte dann die gesamte Bestellung selbst transportieren. Bezahlen wollte ich wie eigentlich üblich in bar. Den 50 € Schein seltsam anblickend belehrte mich der junge Mann, man nehme ungern Bargeld. Ob ich keine Karte hätte, sie wären immer so knapp mit dem Wechselgeld. Ist das der erste Schritt zum Leben ohne Bargeld? Das vegetarische Essen (Jola aß „Mama Tibetan“ und ich „Chili ohne Carne“) und organische Bier (leicht bitter nach Hopfen schmeckend) mundeten uns ausgezeichnet. Dann ging es zurück zum Campingplatz, eine Straße hatten sie seit unserem letzten Besuch völlig abgefräst.

19.08.2017 Samstag

Nachts regnete es. Von den über unserem WoMo herabhängenden Ästen der Bäume trommelten in Abständen Schwälle Wasser aufs Dach. Jola besorgte, nein Baguette gab es nicht, Puffbrötchen, groß aber ohne Inhalt. Jola machte sich nach dem Frühstück zum duschen auf, kam nach einiger Zeit unverrichteter Dinge wieder, erzählte von der Dauerduscherin. Sie nahm ihr Rad und fuhr zu einer der anderen Sanitäreinrichtungen. Punkt 10 Uhr verließen wir Blaarmeersen. Die gesamte Fahrt verlief reibungslos, war ja auch nicht immer so. Bis Venlo waren 2 Stunden vergangen und Jola hatte den Wunsch, hier eine Pause zu machen. Aus ihrer Kindheit hatte sie den Ort als „hübsch“ in Erinnerung. Vier Kilometer von der Autobahn bis in die Innenstadt, wo ich in einer Nebenstraße einen Parkplatz fand. Zu Fuß gingen wir zu dem Festplatz, Eintritt frei, aber Taschenkontrolle. Dumm nur, es begann gerade und die meisten Buden waren noch geschlossen. Jola strebte deshalb zur Fußgängerzone. Dort erfreute uns ein ähnliches Bild wie bspw. in Lüneburg. Kein ansprechendes Kuchenangebot bescherte uns die Suche nach einem Café. Jola aß dann nichts Süßes sondern zwei dunkle Brotscheiben mit verschiedenem Belag. Dann noch getankt und weiter ging es über die Grenze nach Deutschland. Gegen 17.15 Uhr standen wir auf unserem gewohnten Parkplatz an der Schule in Kassel.

Abends fuhren wir mit den Räder zum Da Vinci essen. Lecker, wie immer, und ziemlich laut war es.

Auf dem Rückweg machten wir einen Stopp vor dem Fridericianum und bewunderten zwei öffentlich zugängliche Werke der documenta 14 auf dem Vorplatz. Das Parthenon der verbotenen Bücher und „Röhrenleben“ (meine Betitelung).

Zu Hause bei Miriam planten wir dann noch den morgigen Tag mit dem Besuch der documenta.

20.08.2017 Sonntag

Nach 8 Uhr gab es ein Frühstück. Kurz vor 10 Uhr ging es dann auf die Tour. Wir entschieden, erst einige Außenprojekte anzusehen und, falls es regnet, später „innen“ weiter zu machen. Vor der Orangerie stand eine bolivianische Silberprägemühle, nachgebaut. Dann zu einem handwerklichen Gebälkkonstrukt, in dem Kinder turnten und ein Mann neben anmerkte, ihm fehle bei dem Objekt etwas „Rundes“. Man hätte mit Lehm in den offenen Elementen an ein Fachwerkhaus denken können. Zuvor sahen wir eine längere ausgehobene Grasnarbe, an deren Seiten Wildblumen wuchsen. Danach standen wir an der documenta-Halle vor dem Eingang, warten mussten wir noch nicht, aber die Rücksäcke durften nicht mit ins Innere. Miriam gab sie am nebenstehenden Aufbewahrungscontainer ab. Hier im Innern herrschte schon reger Andrang, einige Objekte waren umlagert, andere weniger. Kunst bleibt „Ansichtssache“ und nicht jeder kann mit jedem „Kunstwerk“ etwas anfangen. Weitere Details erspare ich mir hier an dieser Stelle und widme mich den eingetretenen Ereignissen. Gleich nach dem Eintritt erwarteten uns Masken verschiedenster Art.

Später traf ich vor dem bestickten Lebenswerk eines „Lappen“ (die hingen dort, wo die Menschen an die Wand blicken) Barbara Schmidt und Angela Ziethen. Da war ich doch etwas überrascht. Vor allem hätte ich Angela allein nie wiedererkannt.

„Indigo“, dazu hingen unter der Hallendecke diverse Kleidungsstücke, während unten herum die wieder rekultivierten Pflanzen vor sich hin mickerten. Miriam faszinierten die roten Wollknäuel, die von der Decke hingen. Nach dem Hallenbesuch war eine kurze Pause mit Kuchen und Kaffee angesagt.

Wie man im Hintergrund sehen kann, war die Schlange vor dem Fridericianum immer noch lang. Miriam mit Sonnenhut vermittelte tropische Atmosphäre.

Vor der „Neuen Galerie“ hatte sich eine ziemlich lange Reihe Wartender angesammelt. Miriam lotste uns in den „Palais Bellevue“. Im neuen Grimm-Museum waren wir, dort durften wir aber keine „Märchen“ ansehen, zumindest nicht mit unserer Eintrittskarte für die documenta. Der Ausstellungsteil der documenta war nicht erwähnenswert. Mittag aßen wir gegen 15 Uhr bei einem Vietnamesen.

Im Sepulkralmuseum war es ähnlich wie bei Grimm, wenig besondere Werke, dafür „normale“ Museumskultur. Interessant war allerdings die Grabkultur in Ghana. Dort begann ein Mann namens Kane Kwei, figürliche Särge herzustellen. Hier ein Beispiel in Form eines Vogels.

Um in die „Neue Galerie“ zu kommen mussten wir uns in eine kleine Warteschlange einreihen.

Ein Selbstbildnis von „Lorenza“ aus dem Jahre 1984, der 1994 verstarb. Er war seit seiner frühen Jugend armamputiert. Begann mit Mund und Füßen zu malen, studierte und veränderte während seiner Entwicklung seine geschlechtliche Identität.

Nach der „Neuen Galerie“ hatten wir genug Kunst intus und fuhren heim.

21.08.2017 Montag

Wir schauten uns Miriams Büroraum in der Gottschalkstraße an. Für 80 € ist das eine gute Sache, Mobiliar, Telefon und Internet sowie Reinigungsleistungen enthalten. Danach ein paar Fotos von Jola angesehen. Miriam verabschiedete uns und wir fuhren nach dem Tanken auf die Autobahn. Mein Vorschlag, in den Harz einen Abstecher zu machen, fand Jola zuerst nicht so prickelnd, dann aber signalisierte sie Zustimmung und wir kurvten 22 Km nach Goslar. Der Campingplatz lag dann noch 11 Km Richtung Hahnenklee, lag ziemlich einsam an einem See und lockte uns nicht so zum bleiben. In Goslar fanden wir den Stellplatz, parkten dort und besuchten die Altstadt, aßen vegetarisch, sahen uns die Kaiserpfalz an. Am Ende blieben wir nicht in Goslar sondern fuhren wieder auf die Autobahn über Braunschweig, Gifhorn und Uelzen nach Lüneburg. Dort war der Stellplatz auf den Sülzwiesen komplett belegt. Ich wollte nicht bei der Entsorgungsstation stehen und es trieb mich weiter. Auch der Platz in Lauenburg war belegt. Dann war Lübeck für mich das Ziel, auch wenn das Fahren am Ende eine Quälerei war. Gegen 20.30 Uhr in der Wielandstraße angekommen.