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alter (weiser) Mann, kommunikativ (wenn es sein muss).

NORWEGEN – Südküste –

13.06.2022 Montag

Jola rumorte gegen 6 Uhr im WoMo herum, kurz darauf erledigte sie den umfangreichen Abwasch. Nach dem Frühstück und Rückbuchung des verbliebenen Guthabens auf der Karte Abfahrt. Typische Landschaft (Seen, Wasser, Felsen) begleitete unsere rund 50 Km lange Fahrt nach Grimstad. Der Stellplatz lag hinter der Stadt, erster Eindruck bei der Durchfahrt war: hübsches Örtchen. Total gegensätzlich war die Anlage hier, geteerte Stellfläche, kurzgetrimmte Rasenstücke für Tisch und Stühle, Wasser und Becken zwischen zwei Stellflächen. Oberhalb die Ferienhäuser, ein Gebäude, beschriftet mit Sanitærbygg, bot gut ausgestattete Küche, Toiletten und Duschmöglichkeiten. Nummer 17, unser Platz, direkt vor diesem Gebäude. Schnell „eingerüstet“, dann den kurzen Weg ins Zentrum, falls man von so etwas hier schreiben sollte, gefahren. Windig war es, immerhin schien die Sonne, öfters und länger, Wolken vereinzelt, dann gleich merklich kühler.

Café Ibsen, Museum Ibsen, in der Stadt fast alles weiße Häuser, kleine Fußgängerzone, zwei Bäckereien, etliche Geschäfte, eine Fischverkaufsstelle am Hafen, die sich Fiskernes Salgslag nannte, in der Jola verschwand und mit Dorschfilet wieder herauskam.

Die Eckseite des Hauses war mit einem Kopf bemalt, ich tippte auf Ibsen.

Alles wirkte momentan entspannt, gelassen, die Autofahrer schienen einen 7. Sinn für Zebrastreifenübergänger zu besitzen, hielten bereits an, sobald man sich einem Übergang nur näherte. Museum geschlossen, Dorsch nach Hause gebracht. Umweg über Seefahrt-Museum gemacht. Bei Kiwi ging Jola einkaufen. Mittagsvorbereitungen in der aushäusigen Küche, dort auch gegessen. Komfortabel, so ein gut ausgestattetes Ambiente. Um 15 Uhr sollte ich Jola zum Café Ibsen einladen. Über den Kirchweg in den Ort, im Fenster des Cafés hing das Schild „closed“. Am Hafen in die Tourist-Info, reichlich Material eingesammelt, Jola kaufte Postkarten, der Mitarbeiter sprach deutsch. In der angeschlossenen Bibliothek großzügiges Angebot, alles modern, viele Bildschirme, Hamsun ist hier präsent, der zweite große bekannte Schriftsteller aus diesem Ort. Eine Broschüre mit Radtouren, u.a. in deutsch brachte uns auf eine Rundtour zum Roresee. Von der wichen wir ab und besuchten Dømnesmoen, eine ehemalige Schule für Landschaftsgärtner. Allein durch des Waldes Einsamkeit erreichten wir die weitläufige Anlage, die heute als Familienzentrum genutzt wird.

Jola spendierte ihre Pistazienbrötchen, die wir auf einer weißen Bank vor dem Haupthaus mit Blick auf alten Baumbestand und einen See verdrückten. Spatzen balgten sich frech um die herabfallenden Krümel.

Durch die Abweichung verkürzten wir unsere Tour und waren wenig später wieder am Stellplatz. Die Nachbarn mit dem Kennzeichen „Plön“ erkannte ich vom Campingplatz in Kristiansand durch den buschigen Schäferhund und weißhaarigen dazugehörigen Mann wieder. Sprach ihn wegen Tipps an. Sitzen in der Sonne, lese in „Gottes geheime Schöpfung“, wo es um Genetik und Knochenanalysen ging. Abends mit den Plöner zusammengesessen und uns ihre Reiseimpressionen mitteilen lassen.

Auch um 23 Uhr war es noch hell draußen, die Skandinavier saßen vor ihren WoMos.

14.06.2022 Dienstag

Jetzt hatten wir endlich die Hitze, die von uns so herbeigesehnt wurde. Aus dem Heft mit den Radtouren nahmen wir uns die Nummer 2 „Marivold Runde“ mit 17 Km vor. Zwei Punkte gab es auf dieser Tour „abzuarbeiten“, einmal den Campingplatz anschauen und dann die Gärtnerei mit Verkauf und Café besuchen. Ein Stück des Weges kannten wir von der Rückfahrt der ersten Tour. In einem recht geschwungenen Straßenverlauf ging es mal längere Stücke Geschwindigkeit aufnehmend hinab, dann entsprechend mit ausgiebiger Pedalkraft wieder Hügel hinauf. Verkehr herrschte hier auf der Nebenstrecke kaum. Hinter jeder Kurve stand irgendwo ein weißes Haus, manchmal hier abweichend auch rote. Vereinzelt tummelten sich Rinder oder Schafe auf Weiden. Beachtung fand der Golfplatz, zumindest warf ich optisch ein Auge hinüber. Konnte nichts Spektakuläres entdecken, wahrscheinlich ein „ gewöhnlicher Wiesenplatz“. Gewächshäuser ca. 500m weiter blieben dagegen zunächst unbeachtet. Links folgte bald darauf auf einer Anhöhe eine Schule namens Drottningborg, Teile davon gerade im Neubau oder Renovierung. Bogen beim Schild mit dem Hinweis Camping ab. Das man nach kurzer Fahrt sich auf einer Insel befand, bemerkte man nicht. Der Campingplatz schön gelegen, aber einsam. Wir schlängelten uns über das Gelände, gelangten auf einem schmalen Weg an eine Badebucht, die zum Smørsund gehörte. Holzbank und Grillstelle auf felsigem Untergrund, vor kurzem wohl gerade noch benutzt. Zu kalt zum Baden, die Badehose blieb im Rucksack.

Wir wussten, es gab eine Verbindung zum Festland, eine Holzbrücke für Fußgänger. Dort hinüber gelangte man nach Rønnes, das Örtchen lag idyllisch auf einer Halbinsel, vom Hafen aus sah man Grimstad.

Mit Jola entspann sich eine Kontroverse, wo nun die Gärtnerei geblieben sei, auf dem Wegstück nach dem Abzweiger oder davor. Von Rønnes gelangten wir, wieder hügelauf und -abwärts, an den Abzweiger zum Campingplatz, die auf der Hinfahrt gesehenen Gewächshäuser gehörten dann zu der gesuchten Gärtnerei mit angeschlossenem Café namens Hesnes. Nette Boutique, Café mit Außenplätzen, Gemüseabteilung im Kühlmodus separat. Kardamomschnecke und Kaffee (scheinbar „immer satt“). Jola bestaunte im Gewächshaus die maschinelle Tomatenzucht.

Rückfahrt dann auf gleichem Wege.

Neuerliches Mittagessen in der Küche außer Haus misslang etwas. Erst funktionierte die Pfanne nicht richtig, dann schmeckten die Fischfrikadellen wie luftig-weiche Gummiringe. Eben mal Pech gehabt.

Mir pochte die Schläfe, hatte ich zu viel Sonnenstrahlen abbekommen? Jola fuhr später allein Shoppen. Kurz aufs Gras ausgestreckt, ein bisschen Sonne an sonst eher bedeckte Haut gelassen.

Gegen 17.45 Uhr den freundlichen Tag genutzt und, Jolas Wunsch entsprechend, ein Teilstück einer anderen Tour aufgegriffen, nach Fevik sollten es ca. 7 Km sein. Dort Hotel und Badestrand. Mit meinem bereits leicht gerötetem Teint schloss ich mich ihr an. Wieder Berg- und Talfahrt. Jola emsig voraus.

Ausgesprochen idyllisch gelegener Campingplatz, kurzer Kontakt zu Deutschen, 480 Kronen, stolzer Preis, dafür mit Badebucht vor der Tür.

Zurück am WoMo, schnell gemerkt, zu viel Sonne abbekommen, verzog mich früh ins Bett und schnorchelte eine längere Runde.

15.06.2022 Mittwoch

Es war entschieden, der 40. Hochzeitstag sollte in Risør verbracht werden. Die Aussichten an der norwegischen Riviera erschienen Jola zu verlockend, als dass man darauf hätte verzichten sollen. Die E18 gefahren, durch Arendal hindurch, ohne die Stadt näher zu erkunden. Mit meist 70 Km/h zuckelten wir über wenig befahrene Straßen durch typische Landschaft (Felsen, Seen und Tunnel). Später die 410 genommen, zwei Campingplätze wurden uns durch Hinweisschilder signalisiert, beide meiner Meinung nach zu weit vom Ort entfernt, außerdem kein Radweg. Wir riskierten die Stadteinfahrt, entdeckten einen WoMo-Stellplatz mit Stromanschlüssen, ganz stadtnah. 350 NOK, am Automaten nur mit Kreditkarte bezahlbar, so ein deutsches Paar auf dem Nebenplatz. Dusche und WC am Hafen ca. 1 Km Entfernung. Besseres konnte uns eigentlich nicht passieren, ruhig gelegen, ein Friedenspark im Umfeld, typische Häuser an Hängen. Jola entdeckte ein Leck, es war im Bad feucht, rührte vom Wassersack her, eine undichte Stelle. Beim Stadtbesuch kaufte ich bei einem Haushaltswarengeschäft einen neuen, festen 10 Liter fassenden Kanister für ca. 13 €. Hübschen Städtchen am Wasser gelegen, auf jedem Felsvorsprung wohnte ein Norweger in einem, meist weißen, Haus.

Restaurants am Hafen, Boutiquen und Geschäfte in den Gassen. Bunte Bänke am Ufer. Eine Bäckerei nutzten wir für eine Pause, Kardamomschnecke und Kaffee, ein Brot wanderte zusätzlich in meinen Rucksack. Jola hatte an der Strandgata bereits eine Lokalität für den Abend ins Auge gefasst. Interessant war ein Plakat, dass Essen auf einer Insel anbot, zu der alle Halbe Stunde ein Boot fuhr. Um zu den Sanitäranlagen zu kommen, benötigte man keine PIN, ein deutsch sprechender Mann erklärte, man müsse seine EC-Karte davor halten, manchmal etwas Geduld aufbringen, bevor sich die Tür öffnen würde, Kosten ca. 50 Cent.

Umrundeten den Hafen auf der Straße Solsiden. Am Hang links glänzte ziemlich weit oben in Weiß ein Gebilde aus diversen runden Blöcken. Am Ende eine neue Ferienapartmentanlage, daneben eine Fischmarkthalle. Zwischendrin eine Badebucht winzigsten Ausmaßes, scheinbar genau richtig, um mit kleinen Kindern einen Ausflug vom Kinderhort ins Freien zu machen. Alle ordentlich mit Schwimmwesten versehen, da konnte ja nichts schief gehen.

Wieder auf der Solsiden, ein kleines grünes Wanderschild wies auf einen fast versteckten Weg zu Risørflekken hin. Den weißen Fels wollten wir uns aus der Nähe ansehen, also die Räder an ein Geländer an der Promenade angekettet. Auf einer Parkbank saßen zwei ostdeutsche Camper und diskutierten mit einem Einheimischen auf deutsch, worüber hatte ich nicht verstanden.

Auf dem verschlungenen Pfad ging es zwischen Häusern hinauf. Die Vorgärten waren hier sehr oft liebevoll bepflanzt. Mühsamer als gedacht, erklommen wir den Aussichtspunkt. Schon seit 1641 mussten Grundbesitzer auf Geheiß des Königs die Felsen für die Seefahrer kalken. Früher durfte derjenige Gebühren von den Booten verlangen, die im Hafen anlegten.

Ausblick hat man von hier auf den Ortsteil Tangen mit seinen Holzhäusern, den Yachthafen für Gäste und den Schärengarten. Die bunten Bank lud zum Verweilen ein.

Wieder zurück am Ufer suchte Jola immer noch nach einem Geschäft, das Briefmarken verkaufen würde. Vor dem COOP ein roter Briefkasten, im Ladenfenster das blaue Emblem „postnord“. Hier vielleicht, raunte ich Jola zu. Wieder nur ein Hinweis auf ein anderes Geschäft. Straße hoch, tatsächlich fand sie ein Geschäft, Briefmarken kosteten ein kleines Vermögen, ganz moderne Variante, ohne Wertaufdruck.

Mittag grillten wir am WoMo Würstchen. Jola fertigte einen Salat, dazu das frisch gekaufte Brot. Das mit den Würstchen dauerte etwas länger, weil ich den Grill nicht richtig bedient hatte. Trotzdem wurden wir satt, nur ein Halbes Würstchen blieb übrig.

Für morgen beschlossen wir eine Wanderung nach Radvik an der Küste entlang.

16.06.2022 Donnerstag

Frühstück draußen. Zwei Brötchen dafür aufgetaut. Jola legte mir einen Umschlag auf den Tisch, dazu eine Tüte Fischsuppe, zum 40. Hochzeitstag eine Karte mit zwei Giraffen, ich hatte nichts für sie. Wurde verpflichtet, abends zum Essen einzuladen.

Sonne, wie bestellt. Auf ging’s durch die Stadt zur Siedlung in Tangen. Jola schleppte eine Tasche mit Badesachen mit. Der Einstieg gleich schmal auf steinigem Untergrund hinauf ins Gebüsch. Es wurde ein Auf und Ab im stetigen Wechsel, für unsere Knochen eine durchaus anspruchsvolle Tour.

An verschiedenen Stellen Bänke, gestiftet von Kiwanis. Ausblicke auf die Insel mit den zwei Häusern und dem Eiland mit dem Mini-Leuchtturm. Mit Nadelgehölz bewachsene Felsen, ausgetretene Pfade, manchmal mühsam zu erklimmende Felsstufen, die hellblauen Farbtupfer meist eine gute Orientierung bietend, Jola wich vom Weg ab, ich musste sie auf den rechten Weg zurück beordern.

Langsam kamen wir voran, aber es trieb uns ja auch niemand, ein einsamer Jogger huschte einmal an mir vorbei, ansonsten gehörte uns der Weg allein. Jola, oft ein Stück voraus auf dem Pfad, traf ein neugieriges Eichhörnchen.

Selfie mit verdecktem Küstenblick.

Als wir den Abstieg zum Badestrand erreichten, kam uns der bisher zurückgelegte Wanderweg weit länger als die angegebenen 1,3 Km vor. Am Strand wieder eine Gruppe Hortkinder mit Schwimmwesten, die sich am Wasser tummelten. Im Wasser, hier wie an anderen Stellen ebenfalls, eine Menge Quallen jeglicher Couleur, leicht abschreckend diese wabbeligen Dinger.

Wir pausierten im Schatten auf einer wieder bunt bemalten Bank und sahen dem Treiben am und im Wasser zu.

Nun sollte ein Hochzeitstagbild geschossen werden, eins, das zum Versenden geeignet wäre, so kommentierte Jola meine Aktivitäten. Bemühte meinen Rucksack als Empore für das Foto-Shooting. Jola fürchtete, aus der Perspektive könne man ihr auf dem Bild unter das Kleid sehen. Unnötig diese Furcht, das gemachte Foto wurde von ihr genehmigt und sofort zur Übertragung freigegeben.

Bei der Nachbetrachtung stellten wir fest, sogar ein Herzchen war auf der Bank mit abgelichtet worden, wie passend!

Jola warf einen Blick auf die digitale Landkarte, wähnte eine zweite Bucht gegenüber, zu der marschierten wir gut 600m, auf einem Parkplatz dazwischen vier Wohnmobile aus verschiedenen Ländern, auch keine schlechte Übernachtungsmöglichkeit an dieser Stelle. Die andere Badebucht ebenfalls besiedelt mit orangefarbenen Schwimmwesten, diesmal männlicher Nachwuchs mit Eimerchen, in denen ständig Wasser geschöpft und in ein endlos aufsaugendes Sandloch unter lautem Geschrei gefüllt wurde. Die blonde Aufpasserin saß am Strand und klönte. Ein Paar probierte sich scheinbar in ersten SUP-Versuchen, ein neu eingetroffenes junges Pärchen entkleidete sich flugs für einen Badespaß und taperte ins Wasser, sie vorsichtig umschauend, ob auch ja keine Qualle der nackten Haut zu nahe kommt. Ich übte mich kurzzeitig in Wassertreten und versuchte mit einem Fuß eine Qualle durch Wellenbewegung zu vertreiben. Jola testete erstmal im Freien ihren neuen Tankini.

Danach wanderten wir zurück, nach Toilettenbesuch (Plumpsklo) den Weg auf die Anhöhe schnaufend genommen und straßenseitig durch das Wohnviertel zurück zu den Rädern marschiert. Dabei Häuserschau betrieben, tolle Lagen hier auf der Anhöhe Utkikken mit Blick übers Meer.

Unsere Tour:

Von Flisvika nach Randvik (gestrichelte Linie).

Müde wurden die Füße, Jola war deshalb froh, wieder in den Sattel steigen zu dürfen. Nun fehlte noch der Sekt, den wir für diesen besonderen Tag in Lübeck vergessen hatten, einzustecken. Den besorgte ich uns, indem ich mir im Vinmonopolet eine Flasche Cremont schnappte, Kostenpunkt 169 Kronen.

Wieder am WoMo, wanderte die Flasche gleich in den Kühlschrank. Dann gab es aufgewärmte Kardamomschnecken und Kaffee/Tee. Jola überließ sich dem Sandmännchen und verschwand für eine Halbe Stunde im Bett.

Nach getaner Ruhephase ging sie erneut auf Einkaufstour, sie sei gegen 17 Uhr zurück, da wäre es Zeit, die Einladung umzusetzen.

Zielstrebig ging es zur Strandgata, auf dem Ponton auf dem Wasser des Restaurant Kast Loss saßen Menschen bei Bier oder Aperol, Essen gab es hier nur Pizza, normale Karte nur im Restaurant. Uns wies man einen Tisch gleich am Eingang im Außenbereich zu. Die Tische besaßen einen beheizbaren Tischfuß. Schnell einigten wir uns auf die große gratinierte Miesmuschel als Vorspeise, getrunken wurde lediglich Mineralwasser. Seewolf als eine Art Stew geschärft durch Chili für mich, Jola nahm die kleine Portion Fischsuppe, klein, um sich noch etwas Platz für ein Dessert zu lassen. Eine größere Gruppe norwegischer Männer umrankte uns plötzlich, weil ihnen die beiden Tische neben uns zugewiesen worden waren. Da wurde es eng, nach einigem Diskutieren zogen sie dann ans Ende des Außenbereiches. Alles entspannte sich wieder, die bisher gewohnte Gelassenheit kehrte an diesen Ort zurück. Die zweite Bedienung brachte alsbald die Teller mit den gratinierten Miesmuscheln, riesige Schale auf einem Salatbukett. Die Muschel schien noch zu leben, jedenfalls wehrte sich das Innere ziemlich heftig gegen die Entnahme. Jola haderte etwas mit den zu deutlich erkennbaren Organen dieses Weichteiltieres. Kleinere Exemplare hätten es sicher auch getan! Die beiden Schüsseln im Anschluss waren reichlich mit Fisch gefüllt, geschmacklich absolut top und so gewann die Zufriedenheit schnell wieder die Oberhand. Die zweite Bedienung, eine propere blonde Norwegerin, die bei ihrer englischen Ansprache stets leicht verschmitzt lächelte, war mit der handschriftlichen Notiz der Gruppenbestellung beschäftigt, so musste Jola ein bisschen länger auf die deutsche Dessertkarte warten.

Ananas mit Sambuca und Vanilleeis wurde ausgewählt. Jola war begeistert.

Frisch wurde es zu fortgeschrittener Zeit, eine Decke musste her. Bezahlung folgte, rund 1.112 Kronen. Jola fand, damit sei bisher ein gelungener Abschluss dieses besonderen Tages gelungen, der im WoMo dann mit der Leerung der Flasche Cremont fortgesetzt und abgerundet wurde.

Abends eine Doko über Paul McCartney gesehen. Danach bewegte ich Jola zu einem abendlichen Spaziergang ums Karree.

Norwegen – Kristiansand –

06.06.2022 Pfingstmontag

Nachts hatte es wohl heftiger geregnet, was Jola zu einem Umzug aus dem Schlafzimmer in untere Gefilde veranlasste.

Ich las ab 6 Uhr bis ca. 07.30 Uhr das Buch „Der Apfelbaum“ zu Ende.

Kurzes Frühstück, dann die Lebensmittel sorgsam verstaut, alles klappte prima. Gegen 10.05 Uhr reisten wir ab. An der Tankstelle den Reifendruck überprüft und korrigiert. Wenig Verkehr in Richtung Norden begünstigte ein zügiges Vorankommen. Ab und an tröpfelte es vom Himmel, die Feuchtigkeit versiegte jedoch meist schnell. Erreichten Rendsburg einmal auf anderem Wege durch den Tunnel nach Abfahrt Rendsburg-Süd. Auf dem Stellplatz An der Untereider ausreichend freie Plätze, wir wählten Nummer 6, der von einer Hecke begrenzt wurde. Jola geriet gleich in ein Gespräch mit einem Paar aus der Gegend von Flensburg, die sich demnächst in Richtung Würzburg bewegen wollten.

Anmeldung wollten wir am nächsten Morgen machen. Kamen noch mit anderen Nachbarn ins Gespräch, u.a. Bayern, die gerne in den Norden reisten.

Mit den Rädern zum Obereiderhafen, quasi nur „über die Straße“, dort eine Art Bierzelt mit überdachten Außenplätzen (Gundlachs). Currywurst und Fischteller orderten wir, ich gönnte mir zum Mittag einmal ein Weizenbier. Blätterte während der Wartezeit in einem Magazin, in dem eine Gruppe sich vorstellte, die etwas gegen die Trostlosigkeit der Leerstände im Zentrum von Rendsburg tun wollten / getan hatte.

Nach dieser „exquisiten“ Mahlzeit radelten wir zur Schwebefähre am Kanal. Fast zielsicher manövrierte ich uns dorthin, das mächtige Bauwerk der Eisenbahnbrücke dominierte den Himmel über den ältlich wirkenden Häusern auf dem Weg dorthin. Der Stellplatz am Kanal voll, eng beieinander standen die Fahrzeuge, nicht schön, dafür aber schöner Ausblick in der 1. Reihe auf Eisenbahnhochbrücke und Schwebefähre.

4 Fahrzeuge durften maximal auf die Fähre, dazu etliche Räder und Menschen. Alle 15 Minuten pendelt sie hin und her, ausgebremst nur von Schiffen auf dem Kanal, die stets Vorfahrt hatten. Jedes Schiff wurde aus der angrenzenden Gaststätte Brückenterrassen begrüßt und laut vorgestellt. Wir setzten mit dem nächsten Transport über und fuhren am Kanal bis Schacht-Audorf. Kreisten einmal kurz durch den Ort. Zwischenzeitlich war es so warm geworden und von Regen keine Spur mehr, also Jacke aus. Jola spendierte sich eine Kugel Eis. Mit der Autofähre zurück über den Kanal, dann ins Zentrum. Das Stadttheater strahlte nach wie vor im weißen Glanze, heute keine Vorstellung. In der Fußgängerzone diverse Hochbeete, alle beschriftet mit den Akteuren, bunte Bänkchen, eine Holzwand mit Regenrinnen, umfunktioniert als Pflanzstellen, eine davon beschriftet mit „Pflanzentauschbörse“. Im Café Ach ein Päuschen eingelegt, buntes Interieur, viel gerahmte Fotografie säumte die Wände im Inneren. Kuchen war schon etwas ausgesucht, ich bestellte eine Schnitte Mango-Buttermilch. Weiße quadratische Tische mit buntlackierten Tischplatten, ein altes Röhrenradio, zwei altmodische Sessel in denen ein Mann und eine Frau wie drapiert saßen. Die Besitzer berlinerten, erklärten sich selbst auf meine Nachfrage als die Fotografen. Zwei der Bilder stammten aus der Provence, ein Motiv erkannte ich wieder, ein Viadukt in Montpellier, und tatsächlich war es so.

Danach Bummel zum Marktplatz, viel Leerstand, das ehemalige, lange leerstehende Kaufhaus ist einem modernen Seniorenwohnheim gewichen, was den Platz etwas aufwertete. Beim Bäcker Andresen drei Brötchen gekauft. Trafen das Paar aus Bayern wieder, das den Außenbereich im Café Ach zu einer Rast nutzte. Zurück zum WoMo.

Lesepause eingelegt. Gut, dass die Hecke etwas Schatten spendete, denn in der Sonne war es ungemütlich warm geworden. Später Spaziergang an der Eider bis zum Zentrum, Umkehr, weil Füße lahmten.

07.06.2022 Dienstag

Nachts trommelte Regen aufs Dach. Leider setzte sich das mit dem Regen tagsüber fort, zumindest temporär in Form von Schauern. Da wir ohnehin den Plan mit dem Besuch der NordArt hatten, tangierte uns „schlechtes Wetter“ nicht sonderlich. Jola brachte ein paar Brötchen von der Rezeption mit, übriggebliebene von Vorbestellungen oder ähnlich.

Aufbruch zum Ausstellungsgelände in der Vorwerksallee. Keine 2 Kilometer entfernt trafen wir gegen 11.05 Uhr ein, Menschen schienen vor dem Eingang auf einen Guide zu warten.

18,50 € löhnte Jola für eine Tageskarte.

Zunächst hielten wir uns im Park bei den Skulpturen auf, die regenfreie Zeit nutzend. Augenfällig das neue Arrangement von Liu Ruowang in der Mitte des Rasengeländes platziert. Es hatte den Namen Mr. Pinocchio.

Text dazu: „Den Pinocchio in der Mitte umkreisen ewig ahnungslose Zeitgenossen, herkömmliche Rollen von Manipulator und Manipulierten werden vertauscht. Seelenlose „Menschen“ haben die Kontrolle über das seelenlose „Ding“ verloren. Niemand entzieht sich dem seltsamen Kreislauf aus Kontrolle und Beeinflussung durch „Dinge“ in einer materialistischen Welt, deren Mammon Geld heißt….

Die meisten anderen Elemente im Park kannten wir aus vorherigen Besuchen.

In der Alten Meierei ein Schwerpunkt „Mongolei“

Eine Abbildung aus einer Reihe von fünf Köpfen, jede irgendwo mit dem Titel „Art is a vaccine“ gekennzeichnet.

Jola hatte für sich die Abfrage zu Informationen über die Künstler mit QR-Code entdeckt und las mir mehrfach etwas zur Vita, den künstlerischen Ansätzen oder Ambitionen vor.

Wieder im Park, wanderten wir zur ACO Thormannhalle, wo es zwar keine Kunst, dafür Verzehrbares gab, wir aber verzichteten, lieber „auswärts“ Essen gehen wollten. Die Möglichkeit zur Unterbrechung des Besuchs der Ausstellung war ja gegeben. Flüchteten vor dem nächsten Regenschauer in die Carlshütte, wo sich u.a. die Sonderausstellung zum Länderschwerpunkt Polen befand.

Die riesige Halle überwältigte mich aufs Neue, trotz des mächtigen Reiterstandbildes an zentraler Stelle, quasi eine Fortsetzung aus vorangegangener Ausstellung. Mensch und Tier aus Metallscheiben verschiedener Umfänge.

Überraschendes fanden wir auf vier Fotografien, wobei eins Hunderte, wenn nicht Tausende von ausgedienten Leihfahrrädern, abgestellt unter einer Autobahntrasse zeigte. Andere wirkten wie Darstellungen eines Flussdeltas oder unter dem Rastermikroskop vergrößerte Amöben oder andere Einzeller.

Bei näherer Betrachtung handelte es sich jedoch auf allen Bildern um nach Farben sortierte Leihfahrräder. Von diesen Halden soll es in China 50 Stück geben, auf denen ca. 20 Millionen schrottreife Teile auf ihre Atomisierung warten. Dem Leihrad-Boom folgte alsbald eine Konsolidierung des Marktes mit der Konsequenz von Insolvenzen. Rohstoff-Recycling schien in China unbekannt zu sein.

Es stand eine Pause an, Jola hatte Appetit. Also eine Unterbrechung. Ein Hinweis auf eine mögliche Mahlzeit war das folgende Arrangement:

Vorschlag meinerseits Fräulein Möhls. Die Bilder auf der Webseite überzeugten Jola sofort. Kurz war der Weg zu Fräulein Möhls am Schiffbrückenplatz. Bei der Dampfbäckerei Drews Brötchen und Kuchen gekauft. Arschkälte trieb uns zurück zum Stellplatz. Jola verschlang ihr Stück Erdbeerkuchen, ich wartete noch, verdaute meinen Salat. Gegen 16.35 Uhr das Restprogramm auf der NordArt angegangen. Wieder Schauer, wieder kurze Pause vor der Abfahrt. Unterwegs am Stadtsee auf dem Wasser ein buntes Etwas, fischähnlich. Vielleicht eins der ausgelagerten Objekte vorhergehender Ausstellungen.

Abstecher in die Stadt, im Buchladen nach der Sammlung lyrischer Texte von Amanda Gordon gefragt, doch das Buch war nicht vorrätig. Von dort weiter zur NordArt.

In der Carlshütte durften wir nach der Rückkehr uns als fast alleinige Besucher ansehen. Viel Platz, viel Zeit. Regen trommelte in Intervallen aufs Dach. Trotz wirklich interessanter Objekte ermüdete die Aufmerksamkeit langsam. Ich schoss hier und da Fotos, um nicht alles zu vergessen. Gegen 18.50 Uhr verließen wir das Ausstellungsgelände, querte die Hauptstraße, um bei Rossmann eine Packung Kaugummis zu kaufen, was schnell erledigt war.

Miriam erzählte abends am Telefon ausführlich / anschaulich von ihrem Kurztrip nach Leipzig.

08.06.2022 Mittwoch

Erfreulich die Wetteraussichten am Morgen, schnell ein Sprung unter die Dusche, Haare gewaschen. Jola schnorchelte noch, ich machte mich zum Dampfbäcker auf. Fand einen noch kürzeren Weg, freute mich bei der Anfahrt auf die in Aussicht stehenden Einkaufsmöglichkeiten, sprich, der Wochenmarkt war besetzt. Kaufte jedoch zuerst beim Dampfbäcker zehn Brötchen und vier Stück Kuchen für 12,70 €. Wurst, Tomaten und Tilsiter in Scheiben geschnitten und gut verpackt folgten danach bei Marktständen.

Jola hatte aufgedeckt, die leckeren Marktsachen und Brötchen versüßten uns den Tagesbeginn. Jola lobte besonders die krosche Kruste der Einfachsemmel.

Noch vor 10 Uhr verließen wir nach einem Tankstopp (2,019 €) mit Tachostand 57.190 Km Rendsburg Richtung Autobahn A7. 146 Km zeigte das Navi an, aber das war nicht die endgültige Entfernung bis Aarhus, sondern nur zum Autobahnkreuz. Erstaunliches Verkehrsaufkommen, insbesondere LKW. Jola vergaß ihre Postkarten einzustecken, nun durfte ich deshalb bei Tarp von der Autobahn abfahren und in einem Dorf Ausschau nach einem gelben Rechteckkasten an einer Stange halten. Doch nirgends etwas Gelbes zu sehen. Beim Dorfbäcker fragte Jola nach, was besprochen wurde (es dauerte länger), blieb ein Geheimnis, jedenfalls gab es keinen Briefkasten weit und breit. Also zurück auf die Autobahn und den Rat Jola erteilend, dänische Briefmarken zu nutzen, das käme günstiger, als mit dem WoMo von A nach B zu kreisen.

An der Grenze Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 Km/h und Fahrbahnverengung, eine junge Polizistin schaute, hob die Hand und ein Fingerzeig signalisierte „Kontrolle“ oder „Weiterfahrt“. Der Kleintransporter vor uns musste anhalten. Unterwegs überfiel Jola einmal wieder die Schmerzattacke durch verklemmte Nerven an einem Wirbel.

Das Verkehrsaufkommen blieb hoch, jedoch gab es weder Staus noch Baustellen. Aarhus erreichten wir gegen 12.30 Uhr, wenig später ging es kurz auf langer Geraden erst bergab, dann wieder bergauf. Die Formalitäten erledigte Jola schnell an der Rezeption, einen Platz durften wir uns aus einem Kontingent aussuchen. Nahmen Nr. 79. Deutsche und Holländer bildeten das Gros an Gästen. Kuchen und Tee / Kaffee, Prospekte durchgeblättert, dann die knapp 10 Km nach Aarhus angegangen. Immer geradeaus, hieß die Devise. Leider eben auch immer an der vielbefahrenen Hauptstraße namens Randersvej entlang.

Kleine blaue Richtungsschilder wiesen mit Kilometerangabe den Weg. Nach letzter Bergabradelei am Hafen angekommen, rechts das markante Gebäude Dokk 1. Etwas unentschlossen fuhren wir umher, Jola glaubte einen leichten Niedergang der Stadt wahrgenommen zu haben. Begaben uns auf die Fußgängerzone mit den Geschäften, vor den meisten standen Ständern des Warensortiments. Nichts wirklich Erwähnenswertes. Am Bahnhof versuchte Jola neuerlich Briefmarken zu kaufen, ohne Erfolg.

Ein Besuch beim Museum für Kunst (ARoS), in dem wir bereits 2017 einmal die Ausstellung besuchten, folgte. Wieder die langgezogene Treppe hinaufgetrippelt, das bunte Monster im Inneren begrüßte uns dabei von der Decke hängend. Das begehbare runde Oberdeck zeigte menschlichen Schatten durch seine farbigen Plexiglasscheiben (oder was für ein Material es auch sein mag). Verzichteten auf einen Besuch im Museum (22 €), dafür aßen wir im angeschlossenen Restaurant eine Kleinigkeit, gönnten uns eine Pause.

Die Fahrt durch das architektonische Prunkstück, die Hafencity, empfand Jola als ein desaströses Gestaltungsdebakel, es passe hier nichts zusammen. Am Bassin 7 Holzbuden (Kaffee etc.) und Container (Surf-Schule) vor (wahrscheinlich) teuren Wohnungen in Hochhäusern. Das Außenschwimmbecken (links auf dem Bild) im Hafen kurios, noch kurioser die Tinyhäuser im schwarzen Außen-Outfit.

Total einsehbar der Wohn-/Küchenbereich, Leiter nach oben ins Schlafgemach. Individuell eingerichtet, über ArBnB buchbar. Jola meinte, jetzt fehle nur die etwas leicht bekleidete Dame, die im Fenster sitzt….

Das Gelände mit Urban-Gardening war einem weiteren Hochhauskomplex gewichen.

Durch Segelschule, Rudergesellschaft und Yachthafen zurück „an Land“. Das Parkgelände Ris Skov linker Hand bergauf umfahren, dann bald auf Herfahrtstrecke, wieder bei lautem Verkehr zurück zum Campingplatz. Der mitgenommene Regenschirm hatte seinen Schuldigkeit getan, dabei sein und es hatte nicht geregnet. Rückfahrt nach Hause. Geschafft!! Alle beide.

Jola schlug vor, morgen weiter nach Hirtshals zu fahren, dabei einen Abstecher nach Aalborg zu machen, das direkt auf dem Wege lag.

09.06.2022 Donnerstag

Knappes Frühstück mit dem letzten Brötchen vom Dampfbäcker, ansonsten Knäckebrot. Quark mit frischen Erdbeeren drauf, auch mal lecker. Jola machte die „Drecksarbeit“, leerte die Toilette. Danach alles verstaut, leichte Verzögerung an der Schranke, dann nach kurzer Fahrt auf der Landstraße wieder auf die E45 bzw. E39 nach Hirtshals. Jolas Wetterbericht versprach für ca. 12 Uhr eine Stunde ohne Nass von oben, das würde passen. In Aalborg ins Zentrum abgebogen, natürlich keinen Parkplatz gefunden. Über die Brücke auf einem Parkplatz eines Supermarktes mit Parkscheibe eine Stunde Aufenthalt. Ins Zentrum, das einen ganz ansprechenden Eindruck auf uns machte. Einige nette Geschäfte, eine kleine Sündenmeile, zu dieser Tageszeit ohne sichtbare Besucher, der Industriehafen dominant am Horizont, in der Nähe die fast schon obligatorische Skyline moderner Architektur.

Ein Weinkontor weckte meine Aufmerksamkeit. Früher beherbergte das um 1623 erbaute Haus ein Handelskontor, in dem Jens Bang mit Heringen, Salz und Getreide zu Wohlstand kam. Er liefert mit seiner Handelsflotte Waren nach Norwegen und bis ans Mittelmeer.

Wieder nötigte uns der regen zu einem vorzeitigen Aufbruch. Einkauf im Supermarkt, mit dem die Idee wuchs, im WoMo später einen leckeren Salat zu kreieren, alle Zutaten waren ja beisammen. Also kein Aufenthalt über Nacht in Aalborg. Schnell waren wir aus der Stadt heraus auf der Autobahn und nach gut 55 Km ohne nennenswerte Ereignisse in Hirtshals am Campingplatz, wobei am Kreisverkehr das blauen Verkehrshinweisschild in die linke Richtung wies, Hirtshals Camping auf einem Holzschild jedoch nach rechts zeigte.

Platz 141 bestimmte der Verwalter, eigentlich egal auf dem riesigen Rasengelände ohne Baum oder Strauch. Er ähnelte einem Behelfsparkplatz zu einem Festplatz gehörend. Einzig ein niedriger Holzzaun an dem auf dem Balken die Platznummern befestigt waren, bildeten eine „Anhöhe”. Schnell füllte sich das Areal, ob die alle mit den Fähren nach Norwegen wollten? Der zubereitete Salat fand bei uns beiden zwei wohlwollende Abnehmer. Auch hier wieder bremsten uns Regenschauer von einem Stadtbesuch aus. Erst spät radelte Jola alleine los, im Ort die Post suchen. Kaum weg, klingelte das Telefon, Jola hatte ihren Schlüssel vergessen, konnte ihr Rad nicht abschließen, ich müsse kommen. Den Küstenweg nahm ich, der führte direkt in die Ortsmitte, nur Jola fand ich dort nicht. Telefonkontakt, sie stand hinter einer Hausfassade, direkt beim Supermarkt. Warten, Jola kam nicht wieder. Die Beschaffung von ein paar Briefmarken schien ein schwieriges Unterfangen zu sein, weder wusste man beim Personal, welche Werte auf Postkarten ins Ausland zu verwenden seien, noch wo man die Karten einwerfen müsse. Aber es war dann doch geschafft. Fahrt zum Terminal von Color-Line, alles dicht, ausgestorben. Im Alten Rathaus in der Stadtbibliothek erfuhr ich, man könne Online buchen, bot mir ein Terminal an. Das wollte ich ja nicht, wir wollten einen Schalter mit Mensch dahinter. Neuer Versuch, als wir einen roten Katamaran im Hafen ankommen sahen. Das Gewerbegebiet um die Terminal entpuppte sich als ein Konglomerat aus Arealen, in dem neue Straßen angelegt waren. Beim Check-In erfuhr von einer Mitarbeiterin in einem der Kassenhäuschen, man könne bezahlen bei sofortigem Reiseantritt, ansonsten am Terminal. Zu dem mussten wir zunächst das gesamte Gelände umkreisen. Aus dem Bauch der Fähre quoll eine endlose Schlange an Automobilen, davon vielen Wohnmobile.

Am Ende lohnte sich die Fahrerei und Sucherei, denn Jola hatte das letzte Ticket für ein Wohnmobil für Samstag 11.45 Uhr ergattert und gleich gebucht. Sonst wären wir wahrscheinlich erst Dienstag hier weggekommen, zumindest nach Kristiansand. Erhielten keine Billetts, der Drucker sei defekt. Der Bon mit den Nummern würde genügen, so die Mitarbeiterin hinter dem Schalter. Ihr Wort in Gottes Ohr. Der kleine Zettel musste gut verstaut werden. Regen stoppte die Rückfahrt.

Wieder am Platz ein Erinnerungsfoto von unserem Stellplatz mit dem prägnanten Leuchtturm im Hintergrund.

Zu später Stunde beruhigte sich das Wetter, es blieb länger trocken, was uns zu einem Abendspaziergang Richtung Leuchtturm und Bunkermuseum ermunterte.

Das Bunkermuseum, ein Relikt aus dem 2. Weltkrieg, als Hitlers Soldaten in die Dünen Bollwerke gegen die amerikanischen Angreifer errichteten. Dieser hier eins der wenig erhaltenen Exemplare, das man besichtigen konnte. Beklemmend das karge Innere der Schutzräume, in denen sich bis zu 20 Mann verschanzen konnten, ein Bollerofen, eine Luftansaugvorrichtung, drei Doppelstockbetten.

Sitkafichten säumten einen Pfad oberhalb der Anhöhe, von hier aus Überblick über den Campingplatz bis aufs Meer. Den Leuchtturm in unserer Mitte auf ein Selfie gebannt.

Extra abends noch geduscht, aus Furcht, morgen seien die Sanitäranlagen vielleicht überlaufen.

10.06.2022 Freitag

Jola muss aus dem Bett gefallen sein, ich hörte sie gegen 7 Uhr rumoren, brachte Brötchen und zwei Zimtschnecken mit. Sie mimte die freundliche Samariterin, kochte für die Nachbarn mit ihrem kleine Van Wasser heiß. Das Paar hatte seine Überfahrt bereits um 9 Uhr. Uns blieb noch etwas mehr Zeit. Jola schaffte sogar ihre Haarwäsche. Abfahrt mit einer Ehrenrunde, denn der gestern genommene Weg mit dem Rad war für Autos nicht passierbar. Im Gewerbegebiet getankt, dann in die Schlange der WoMos eingereiht und gewartet.

Zwischendurch Kontakt zu ebenfalls wartenden Wohnmobilisten, ein Paar aus dem Schwabenland und einem aus der Bretagne, die mit einem 34 Jahre alten WoMo (Innenausbau alles noch aus Echtholz) vor uns standen. Pünktlich begann die Auffahrt in den Katamaran. Im Innern mussten die meisten WoMos eine Kehre fahren, um in Richtung Ausfahrt zu parken. Am Ende zwei Busse und diverse PKW, die auf einer schrägen Plattform Platz fanden. Darüber eine Lage PKW. Oben Dutyfree-Shop, Restaurant, Schnellimbiss, reichlich Sitzgelegenheiten, ein kleiner Auslauf auf dem Sonnendeck mit Heckblick auf das durch den Katamaran aufgewühlte Meerwasser.

Ab und an kreuzten größere Schiffe oder durchquerten in der Ferne den Skagerrak. Auf Bildschirmen lief rollierend, das, was Norwegen so interessant machen sollte, zwischendurch ein roter Punkt (Schiff) auf der See-/Landkarte, der sich langsam Kristiansand näherte.

In Gedanken grübelte ich über Verstecke für die zu viel an Bord mitgenommenen alkoholischen Getränke nach. Skurrile Sachen dachte ich mir aus, gemacht hatte ich dann …nichts.

Pünktlich erreichten wir den Kai, es dauerte, dann plötzlich setzten sich in allen Reihen die Fahrzeuge in Bewegung, dreispurig ging es an Land. Mir fielen der rote und die beiden grüne Punkte auf den großen Schildern zunächst gar nicht auf, doch die wachsende Warteschlange in der Spur mit dem roten Punkt (zu verzollende Gegenstände) ließ mich abbremsen. Jola gab mir die „Peitsche”, fahr, es wird schon nichts passieren, am Häuschen war niemand zu sehen, doch um die Kurve verengte sich die Fahrbahn und ich erblickte drei eher entspannt herumstehende Zollbeamte. Sie schauten, ich / wir schauten unschuldig beiseite, nichts passierte, keine Kelle, kein Fingerzeig. Wir waren in Norwegen angekommen. Das Navi lotste uns souverän zum Campingplatz Roligheden, der über eine Baustelle am Yachthafen erreichbar war. Es dauerte, dann kam Jola zurück, zwei Nächte gebucht, eine junge Frau auf einem E-Roller brachte uns über hügeliges Gelände zu einem Areal, bot zwei Plätze zur Auswahl an, überall noch Wasserpfützen. Wir nahmen den gegenüber dem Sanitärgebäude. Probleme gab es mit dem Stromanschluss, einige waren gesperrt, andere besetzt, ein Doppelstecker wurde geholt, der allerdings frei schwebend keinen Schutz gegen Nässe bot. Mildes Klima momentan, sogar etwas Sonnenlicht schimmerte durch eine mäßige Wolkendecke. Schnell war ein weiterer Nachbar zur Linken neben uns, ein junges Paar mit Kleinkind (auf der Fähre gesehen). Ihr Stromkabel war zu kurz, ich bot an, ihres bei uns anzuschließen.

Einen nachmittäglichen kalten Snack eingenommen. Als wir endlich auf Erkundungstour losziehen wollten, wieder dunkle Wolken am Himmel. Durch den Hinterausgang den Platz verlassen, eigentlich war das alte Viertel Posebyen nicht schwer zu finden, ganze drei Kilometer waren es bis dort. Regen bremste uns, mich mehr, als Jola, aus. Unterstellen und abwarten. Querten den Fluss Otro, gelangten ins Viertel Kvadraturen, Jola machte einen kurzen Abstecher auf die Festung Christiansholm.

Wo die Halbinsel Odderøya begann, das dominante schwarze Konzerthaus, die Fiske-brygga, ein Ensemble aus Schindelhäusern am Pier, fast alles Restaurants, teils gut besucht, teils wohl erst auf Gäste wartend.

Am Hang erklang Musik, ein Rockband probte. Stratzten den Odderøyveien hinauf, eine Kehre zu drei Häusern, wo wir einen hübschen Ausblick auf die Stadt werfen konnten. Im Vordergrund der Museumshafen.

Jola besorgte eine Fischsuppe für Essen am heimischen Herd. Mir war in meinen kurzen Hosen zwischenzeitlich ziemlich kalt geworden und strebte deshalb eine raschen Heimfahrt an.

Im Ottersdalparken ein Arrangement aus mehreren Springbrunnen.

Rückkehr am WoMo. Durchgefroren, unglücklich über das schlechte Wetter, immerhin versorgt mit einer warmen Fischsuppe. Erst einmal einen heißen Tee mit einem Schuss Rum. Fischsuppe norwegisch, konnte man essen, müsste aber nicht noch einmal sein. Jolas schmeckt einfach besser. Jola nickte während des Fernsehens gegen 21.30 Uhr am Tisch mehrmals ein, legte sich nach gutem Zureden ins Bett und schnorchelte eine Runde.

Miriam meldete sich, sie würde morgen nach Lübeck fahren.

11.06.2022 Samstag

Endlich! Die erste Sonne in Norwegen zeigte sich heute für längere Zeit.

Gemeinsames Frühstück mit anschließender gemeinsamer Dusche in der Familienkabine in den Unisex-Sanitäranlagen. Die 6 Minuten Duschzeit für 25 Norwegische Kronen reichten allemal. Jola wollte unbedingt zuerst zur Tourist-Info am Rathausplatz. Danach sollte es zu einem Café namens Generalen gehen.

Vom Campingplatz ans Wasser, den Strand besichtigen. Ein richtiges Schwimmareal, Sprungturm mit verschiedenen Höhen, eine kleine Tribüne. Eine Frau sprang gerade mutig und unerschrocken von der obersten Plattform ins gerade einmal 14,9° warme Wasser.

Wir wählten einen alternativen Weg, wollten gerne über die Fußgängerbrücke ins Zentrum ausprobieren. Am Fußballstadion vorbei, überall links und rechts der Straßen, meist weiße, Holzhäuser, zwischendurch einige architektonische Abweichler moderner Art. Balkone überall. Blumen und gepflegte Vorgärten. „Lahelle“ hieß die Straße, die steil abwärts Richtung Otra hinunter ans Wasser führte. Die Unterführung der Brücke, dann im Zickzack, erst über eine schmale Rundbrücke, die uns zur Fußgängerbrücke führte. Hinüber und wir waren im Stadtteil Kvadraturen. Hier tauchten immer häufiger Menschen mit orangefarbenen T-Shirts und Sporttaschen auf. Ein Großereignis kündigte sich an, Absperrgitter, Läufern mit Startnummern, aufblasbare Turnschuhe, Kinderbespassung. Die Information hatte geschlossen.

Bummel durch die Fußgängerzone, ich entdeckte die Dampfbäckerei. Es war 12 Uhr, Gelegenheit für eine Pause. Innen ein Tisch frei, bestellten Zimtschnecken und Kaffee (Selbstbedienung), nahmen ein Brot (geschnitten) und zwei Zimtschnecken zusätzlich mit.

Ließen die Räder am Straßenrand stehen. Marsch durch die Straßen, alte Substanz in gutem Zustand, erstaunlich die Filiale von Mc Donalds.

Mittlerweile quoll das Zentrum über mit lauffreudigen Menschen jeglichen Alters.

Ich schlug vor, den Ausflug zum Café Generalen zu verschieben und erst einmal die Halbinsel Odderøya zu erkunden. Wieder an dem gelben Pavillon vorbei, heute sang auf der minimalistischen Bühne eine Frau zu Gitarrenklängen, es gab hier und da Abzweigungen vom geteerten Fahrweg, vor einer größeren Halle Menschen, die Bänke schleppten, Vorbereitungen für eine Veranstaltung.

Kiesweg ins Ungewisse hinab. Felslandschaft mit Blick auf Stadt, Insel und Meer.

Im Sportmodus weitere Höhenmeter mit einigen Anstrengungen hinter uns gebracht. Von dem ehemaligen Militärgelände geblieben sind diverse Reste von Verteidigungsanlagen. Vergisst man die ursprünglichen kriegerischen Intentionen dieser Bauwerke, kann man die schönen Aussichten von hier genießen.

Anschließend einen 2021 neu gestalteten Bereich mit modernen Spielgeräten, Picknickplätzen, holzgefassten Sonnenliegen durchfahren.

Wir verließen das Gelände zum Konzerthaus hin, steuerten den Genussbereich Fiske-brygga an. Die Idee hatten viele Hundert andere Menschen, fast alle Außenplätze der Restaurants besetzt, auf den Stufentreppen zum Wasser sonnten sich die Menschen. Mitten hindurch führte die Laufstrecke ohne Absperrungen. Drei Hilfskräfte wiesen die Besucher durch lautes Rufen an, zur Seite zu treten, wenn ein Läuferpulk heranrauschte.

Ein freier Platz, um den rangelte neben uns eine Gruppe junger Frauen, die gestikulierend von der Servicekraft verlangten, Tische zusammenstellen zu können. Wir bekamen unseren Tisch, ein Bier, 0,5 Liter für knapp 11 €, man gönnt sich ja sonst nichts, Muscheln in Weißweinsoße, Jola Fisch und Chips. Wir waren zufrieden, freuten uns über das Essen, das Ambiente, das schöne Wetter.

Fahrt in den Naturpark Ravnedalen, das Café lag vor einer Felswand im Schatten, mit Blick auf einen kleinen See, den man auf einem Kiesweg hätte umrunden können. Im Hintergrund Rasen mit Sitzbänken. Im Moment empfanden wir keinen Bedarf an einer Pause, erkundeten das Gelände.


Alles sehr sorgsam und gepflegt angelegt. Am Rande der Rasenfläche eine hölzerne Konstruktion in Form einer halbrunden Konzertmuschel.

Wir verließen Ravnedalen abschüssig zu einer Straße namens Artillerivollen hin.

Durch den gepflegt wirkenden Stadtteil Grim mit seinen hier meist weißen Häusern gelangten wir über einen Weg in das Naherholungsgebiet Baneheia, durchzogen von mehreren kleinen Seen sowie einem größeren (3. Stampe), alle von felsigem Gestein und Bäumen umgeben. Überraschend, dass einige Personen längere Zeit im Wasser badeten, ohne Anzeichen von Frieren. Am felsigen Ufer sonnten sich andere.

Langsam verstanden wir, warum so viele Menschen in oder der Gegend von Kristiansand ihren Urlaub verbringen wollten. Wir näherten uns dem Fluss Otra, an dessen Lauf immer noch Teilnehmer der Laufveranstaltung ihre Runden drehten. Einige marschierten im Gehmodus, da kam es wohl auf die Zeit nicht an. Rückweg zum Campingplatz wieder auf selbem Wege.

Auf dem Platz wechselten die Gäste, überwiegend sah man hier Deutsche und Holländer, neben uns einmal ein Auto mit einem Nationalitätenkennzeichen „E“ (Spanien). Zelter mit Motorrad oder mit Fahrrad, ein Paar im großen Tesla, aber das Zelt ein kokonartiges Gebilde, Platz für zwei schlanke Menschen.

12.06.2022 Sonntag

Die Entscheidung, eine Nacht verlängern oder weiter nach Grimstad zu fahren, vertagten wir auf nach dem Frühstück. Wir verlängerte! Die Stadt sollte ohne die Massen der Laufveranstaltung ein weiteres Mal besichtigt werden. Stürmisch durfte man die tagsüber herrschenden Winde bezeichnen. Sonne zeigte sich nur selten. Immerhin blieb es trocken. Gleich hinter unserem WoMo ein Durchgang auf eine asphaltierte Straße, die uns leider nicht zu der von Jola ausgesuchten kleinen Insel am Yachthafen führte. Am Ende standen wir auf ehemaligen Geschützstellungen, von denen man Aussicht aufs Meer und Umland hatte. Die kleine Insel erschien nach Entdeckung hinter den Sprungtürmen nicht wirklich wichtig, auf gleichem Wege wie gestern in die Stadt.

Allerdings wählten wir den Weg an der Otra zum neuen Wohnareal „Tangen“. Zwar handelte es sich wieder um die in Hafennähe oft anzutreffenden kubistischen Grundformen, dafür waren aber die Außenanlagen menschenfreundlich gestaltet, soweit ersichtlich autofrei, ausreichend begrünt, mit Wasserlauf in zentraler Lage und Gewächshäusern versehen.

Am Dom Kirchgang oder Feier. Im über für Etagen fußläufig erreichtem Kunstsaal eine frei zugängliche Ausstellung. Bilder ohne Aussagekraft, teilweise kindliches Gekritzel. Schnell verschwanden wir wieder.

Kurzer Besuch der Festung, davor trafen auf einem Parkplatz nach und nach Oldtimer ein, meist amerikanische Modelle.

Der Kunstsilo noch im Bau, nach Aussagen in Prospekten sollte er bereits im Vorjahr fertig gestellt sein. Den Aussichtspunkt fanden wir ohne große Sucherei. Eine kleine Bergwanderung führte uns auf den Berg. Von oben fiel die optische Attraktivität der Stadtsilhouette etwas ab. Danach Essen an der „Frittenbude“.

Ein Eis zum Nachtisch, zwei Kugeln ergaben die Menge von sonst vier in heimischen Gefilden, der Preis war entsprechend.

Abstecher zum Museumshafen. Jola ruhte kurzfristig in einem Liegestuhl auf Felsen.

Die Herren mit den Oldtimern schien es nicht so lange auf dem Parkplatz hat halten können, die meisten waren abgefahren. Rückfahrt zum Campingplatz.

Folgetag

Rückblick

Geprägt durch elterliches saisonales Dauercamping (so gegen Ende der 60er Jahre) auf dem Priwall war ich als frischer Teenager bereits mit dem Schlafen im Steilwandzelt vertraut. Das Campieren setzte sich dann in der Phase des jugendlichen Revoluzzertums fort, getrampt nach Holland und in den Dünen in einem Zweimannzelt gehaust. Als Twen folgte die Freundin mir zwischen 1974-77 u.a. nach Spanien, Italien, Holland und England.

April 1976 Holland
Sommer 1976 Italien (bei Venedig)

Nach Familiengründung erwarben wir wieder ein Steilwandzelt, das am Ratzeburger See für größere Aufgaben an einem Wochenende getestet wurde.

Am Ratzeburger See

Bald darauf fuhren wir 1982 nach Frankreich ans Mittelmeer, später auch nach Dänemark (1985), an die Nordsee etc. Urlaub outdoor zog sich wie ein roter Faden durchs Leben.

So kam es nicht ganz unerwartet, als wir uns 1993 einen VW Bus Atlantic mit festem Hochdach anschafften.

Mit Kind und Fahrrädern ging es nach Dänemark, Südtirol oder an die Ostseeküste, bspw. nach Prerow auf den Darß.

1996 verkauften wir nach dem Umzug in die eigenen vier Wände den Bus wieder. Er passte nicht in die Tiefgarage. Es begann eine Phase „der Untreue“ zum Campen, wir favorisierten ein paar Jahre lang Hotelaufenthalte. Blieben den Outdooraktivitäten jedoch durch Wandern und Bergsteigen stets treu.

Lese weiter (Auswahl):

2022 Texel

Morgens zwischen 6 und 6.30 Uhr bekamen wir Besuch. Auf dem Dach des WoMo klackerten Geräuschen, es tappste jemand umher. Entweder eine Elster oder eine Möwe. Ein Stoß gegen das Innendach, dann war Ruhe. Vermutlich war es eine Elster, denn beim Frühstück saß zuerst eine, dann zwei weitere vor unserem WoMo. Eine pickte mit vorwurfsvoller Miene im verdorrten Gras. Jola hatte einige Rosinen aus ihrem Müsli aussortiert, die warf ich als Angebot ins Freie, frech, zuerst total ignoriert, doch die zweite Elster schien aufmerksamer gewesen zu sein, fand die erste Rosine und schwupps, waren die beiden anderen ebenfalls verschwunden. Genug von Brehm’s Tierleben.
Die Sonne schien, die Prognose für den Tag ideal für unser Inselhopping. Gegen 09.20 Uhr schwangen wir uns auf die Räder, nicht den längeren Dünenweg, sondern einfach am Kanal namens Doggersvaart den Jan Verfailleweg immer geradeaus entlang, der uns über den Midderweg direkt ins Zentrum und zur Fähre brachte, die Jola weit vor mir erreichte, weil ich unterwegs noch einige Motive digital bannte.

Nahrungssuche an Land
Der Wasserturm als Orientierungspunkt

In 1908 wurde der neue Wasserturm im Zentrum von Den Helder aufgestellt. 1959 erhielt der Turm eine graue Zementschicht über den schönen Ziegeln, um als modern gelten zu können. Aber im Jahr 2005 wurde der Stil von 1908 zurückgenommen, die Zementschicht wurde entfernt und der Turm sah aus wie am Anfang.

09.45 Uhr standen in einer Schlange Menschen mit Rädern und warteten auf den Einlass auf die Fähre.
20 minütige Überfahrt ohne besondere Vorkommnisse, sieht man von den aggressiven Möwen ab, die wegen Fütterung durch Passagiere wie Kampfflieger nahe an den Köpfen der Menschen elegant vorbeiflogen.


Wohin zuerst?
Wir entschieden uns für Oudeschild. Auf Texel fanden wir ein Knotenpunktsystem vor, das an Abzweigungen oder Kreuzungen über Nummern stets die Verbindung zum nächsten attraktiven Ziel wies. Auf der Insel sollen neben rund 14.000 Schafen gleich viele Einwohnern leben. Davon ca. 1.400 in Oudeschild , das uns zuerst mit pittoresker Dorfidylle, skurrilen Dekorationen in Fenstern oder davor (es standen Dinge auf den Fensterbänken, die man bei uns manchmal nur in hinteren Ecken von Kellerräumen finden würde, aber eben auch „Nettes“) empfing.

Vor dem Hafen ein quirliges Zentrum, in dem Geschäfte Touristen alles boten, was mitgenommen (Souvenir) oder gerade (weil nicht mitgenommen – Badehose – ) gebraucht wurde.

Museum Kaap Skil

Das Kaap Skil, ein Museum, in dem man hätte sehen können, was Taucher und Fischer auf dem Meeresgrund vor Texel gefunden haben und man hätte alles über die Abenteuer der Seefahrer erfahren können. Handelsschiffe, Kriegsflotten, Walfänger, sie alle lagen auf der Reede von Texel vor Anker. Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert war dies der Ort zum Be- und Entladen und zum Warten auf guten Wind. Bei Stürmen und Gewittern konnte es ziemlich unruhig werden. Ab und zu sank ein Schiff. Deshalb liegen noch immer Dutzende von Schiffswracks vor Texel.
Aber wir verzichteten bei den warmen Temperaturen auf einen Museumsbesuch. 12 Uhr war gerade vorbei, neben dem Museum das im Reiseführer beschriebene Restaurant Vispaleis-Rokerij van der Star, geräucherter Fisch und anderes aus dem Meer. Ich probierte Kibbelinge, Jola Matjes. Kurz am Hafen gestöbert, dann verließen wir Oudeschild, wollten unbedingt die einzige Brauerei (Texel Brouwerij) aufsuchen und die höchste Erhebung der Insel (15 Meter!) sehen.
Beinahe hätten wir die Brauerei übersehen, eher unauffällig stand das Gebäude hinter einem Hain.
T-Shirts und andere Produkte aus dem Bereich Merchandising wurden in einem Shop angeboten, am Stand im Biergarten, natürlich Texel-Bier. Dunkles besorgte Jola uns. Ein anderer Gast erbarmte sich meiner, mein Selfie-Konstrukt versagte, er knipste uns dankenswerter Weise beim Bier trinken.

Texel-Brauerei im Garten

13 Uhr und schon fast betrunken…
Ursprünglich sollte es nach Den Burg gehen, doch im Reiseführer schnappte ich Oosterend auf, zumindest bei der Ausgabe 2015 als schönstes Dorf der Insel erkoren, das wollten wir nicht verpassen. Landschaftlich wieder Getreidefelder in Blüte oder abgeerntet, Schafe, schwarz-bunte Kühe, und die Gazelle streunte auf Radwegen daher. Mit Gazelle ist hier die klassische holländische Radmarke gemeint. Erinnerungen an den ersten Aufenthalt in Amsterdam in den 80er Jahren erschienen vor dem inneren Auge, Jolas Hercules wurde gestohlen und Ersatz musste beschafft werden, die blaue Gazelle.
Trafen in „Bullerbü“ ein, pittoresk und kommodig trifft die Beschreibung am besten.

Früher war es so
Schlagzeug einmal lautlos genutzt
Vorgartenidyll

Es folgte dann noch der Hauptort Den Burg mit Stadtbummel und Kaffeepause. Danach nach Den Hoorn, wo am Ortseingang bei der Kirch ein Flohmarkt stattfand.

Flohmarkt Den Hoorn

Die Standleuten packten gerade ihre Waren in Bananenkartons zusammen, „Ende“ gab der Marktaufseher beim Rundgang zu verstehen. Jola wollte baden, doch die Nordsee nicht, sie hatte sich zurückgezogen, es war Ebbe. Zum Fährhafen durch Dünen geschoben. Warten mit Hunderten anderer Fietsenbesitzern.

Stellplätze und Unterkünfte

Bilderserie

Empfehlenswerte Unterkünfte (Reihenfolge ist keine Wertung)

  • * = Meine Bewertungen

Bilder aus dem Jahre 2017

Etwas versteckter Stellplatz in Neustadt / Holstein „Am Binnenwasser“.

14.07.2017 21.17 Uhr Am Binnenwasser, Neustadt / Holstein
22.10.2017
18.10.17

Kleiner Abstecher in die Vorzeit:

15.10.17
25.10.2017
19.07.2019 Villa Datris in L‘Isle-sur-la-Sorgue (Frankreich)

Sehr schön fanden wir es beim Seesportvereins Dessau e.V., fast ein bisschen ostdeutsch familiär, sprich rustikal freundlich. Direkt an der Elbe gelegen. Straßburg bot einen ökologisch konzipierten Platz in relativer Stadtnähe, ebenfalls empfehlenswert.

Auf der Strecke nach Frankreich über Holland und Belgien fanden wir in Leer mit dem Stellplatz auf dem Gelände des Seglervereins eine zentrumsnahe Aufenthaltsmöglichkeit direkt am Wasser, Stromanschluss vorhanden.

Morgenstimmung am Steg
Katwijk aan Zee 2023

2022 Pont d’Ouilly (Departement Calvados) 2.Tag

Jola saß am Frühstückstisch, hatte bereits ihr tägliches Müsli verspeist und wartete auf ein frisches Baguette, das einfach nicht von alleine kommen wollte. Der Mann musste auf das Rad steigen und in den weit entfernten Ort radeln, zur schönen Bäckerin.
Vor der Pâtisserie eine kleine Warteschlange, was mir Zeit gab, die hübsche Bäckerin (Tochter oder Mitarbeiterin?) dabei zu beobachten, wie sie Wraps und belegte Baguettes sortierte und in die Auslage legte, um sie dann mit Preisschildern zu bestücken. Im winzigen Laden gelang mir ein Blick durch eine Öffnung in die Backstube, wo eine uralt wirkende Knetmaschine ihre Arbeit verrichtete und den Teig für die nächste Fuhre verknetete. Mein „deux“ wurde von der „richtigen“ Bäckerin, sprich, der älteren Dame nicht verstanden, sie wiederholte „deux“ und reckte zwei Finger an der Hand. Ich bestätigte, indem ich wiederholte. Das gleiche Spiel bei den Croissants. 4,40 € für zwei Tradition und die Croissants.
Gegen 10.30 Uhr in die Sättel geschwungen, gleich vom Campingplatz auf die Strecke, mit dem Ziel La Roche d’Oëtre.
14,5 Kilometer („Familie sportiv“ die Schwernisbeschreibung). Diesmal keine grünen Wegweiser, so mussten wir bereits nach 500m einmal die Karte konsultieren. Rechts ging ein Weg ab, allerdings eine Einbahnstraße (Chemin Grignon). Aber dort entlang, das war korrekt.
Die Strecke nicht ganz so anstrengend wie gestern, vielleicht lag es auch daran, dass ich mich auf längere und anstrengendere Steigungen eingestellt hatte. Ohne besonders Erwähnenswertes erreichten wir den Ort Rouvron, den Namen womöglich vom Fluss La Rouvre. Hier ein Campingplatz ansässig, den wir nicht zu Gesicht bekamen, weil Tour auf andere Straße abzweigte und über den Fluss führte. La Roche d’Oëtre nun schon ausgeschildert.
Touristisch scheinbar äußerst beliebt dieses Ausflugsziel. Großes Gebäude mit Tourist-Info und Restaurant. Ausgeschilderte Wanderwege. Auf einer Karte entnahmen wir, dass es drei Möglichkeiten gab, das Gebiet zu erforschen. Ich schlug die Tour mit einer Länge von 1,8 km (Sentier des gorges, 110m Höhenmeter) vor.
Zuerst schauten wir von den „Klippen“ ins Tal und über den Rest der Hügellandschaft hinaus. Jola wäre beinahe abgestürzt, zu mutig, wagte sie sich an den Abgrund heran.

Doch das Abenteuer begann erst auf dem eigentlichen Weg „gorges“, der nach wenigen Metern steil in engen Windungen durch Wald stetig über Felssteine und Baumwurzeln bergab führte. Auf dem Stück Weges sah man, wie vertrocknet die Natur hier war, andauernde Hitze war nichts für Farn und auch nicht für Heidekraut, Bäume und Ginster.

Eigentlich nichts mehr für lädierte Knie oder Hüfte und an sonstigen Wehwehchen leidenden Menschen. Früher waren wir meist 10 Minuten vor der angegebenen Zeit am Ziel, jetzt ließen wir jüngeres Wandervolk vorbeiziehen.
Wie steil es abwärts ging, vermögen Bilder meist nicht darzustellen, trotzdem hier ein Versuch:

Leicht verschwitzt und mit Wackelbeinen kamen wir zu ebener Erde an und durften eine Zeitlang am Bachlauf wandern und nach Fischen Ausschau halten, die man wieder ins Wasser werfen sollte (so ein Hinweisschild, vermutlich für Angler).

Sturm muss auch hier gewütet haben:

Die Erholungsphase war dann mehr als kurz. Schon bald ging es die 110 Höhenmeter wieder auf dem Rundkurs hinauf, allerdings in gemäßigten Serpentinen. Ein Selfie am Hang, dann im Restaurant einen gemischten Teller mit Wurst, Schinken und Käse bestellt.

Nach verspeister Nahrung Blick ins Umfeld gerichtet. Typische „zona recreativa“, wie es in Spanien heißt.

Den Rundweg, jetzt Richtung Pont d’Ouilly, quasi Heimat, ein Viadukt durchfahren, in Pont-des-Vers eine abgewrackte Industrieanlage gesehen, deren Gelände scheinbar modernerer Nutzung zugeführt wurde, ein Feriendorf aus Holz.

Auf der Zielgeraden in Pont d’Ouilly kamen wir an der Orne vorbei und sahen bereits eine Menschenansammlung bei:

Der lokale Tanzpalast

Stühle rücken war für das Publikum angesagt, sich einen guten Sitzplatz sichern, wenn denn die Kapelle um 15 Uhr zu spielen beginnt und Partnerwahl wäre.
Wir kauften erst einmal Kuchen in der Patisserie und gönnten uns am WoMo eine Verschnaufpause bei einer Tasse Tee.
Ich dackelte alleine mit dem Fotoapparat zur Brücke, wollte mir das Tanzspektakel aus der Nähe ansehen. Und der Tanzboden war quasi überfüllt, Publikum geschätzt von Anfang 40 aufwärts bis zum Urnengang, aber das Tanzbein schwingen funktionierte meist blendend.

Cha Cha Cha

Kirchenbänke einmal anders:

2022 Pont d’Ouilly (Département Calvados)

Sonne am Morgen….
Frühstück mit frischem Baguette. Jola wollte unbedingt noch zum Wochenmarkt, überließ mir die „Hausarbeit“. Vollbepackt mit leckeren Sachen kehrte sie zurück, überglücklich. Nur wohin mit all den verderblichen Lebensmitteln. Gestern schon hatte sie in Falaise den Lidl leergekauft. Es fanden sich dann noch ein paar Lücken im Kühlschrank. Es war noch nicht zu Ende mit dem Einkauf, an der Rezeption wurde ein Karton Cidre erworben. Leicht wehmütig nahmen wir Abschied von dem schönen Platz mit seinen neuen Sanitäreinrichtungen. Ganze 20 Kilometer brauchten wir nur wieder hügelab und hügelauf durch die normannische Schweiz zu fahren, dann erreichten Pont D’Ouilly, das scheinbar unter dem Meeresspiegel zu liegen schien, so weit fuhren wir ins Tal hinab. An der Orne der Campingplatz, daneben ein Jugenddorf und der riesige Kanuclub mit Verleih.
Rezeption nicht besetzt, Platz wieder frei wählbar. Heckenumrankt viele der Plätze, wir wählten gleich zu Beginn einen aus.

Camping Municipal Stade René Vallée

Räder aus der Garage geholt, ich meinen Hinterreifen geprüft, Luft noch im Schlauch, trotzdem stramm nachgepumpt.
Erste Bekanntschaft mit dem Ortskern, der adrett links und rechts der Orne lag. Vom Tourist-Office Radroutenkarten besorgt, Stadtplan benötigte man hier nicht. Entschlossen uns gleich für eine Tour über 12 Kilometer nach Clercy, da wollten wir ohnehin noch hin. Schon nach einem Kilometer, sahen dabei den WoMo-Stellplatz in ebenfalls hübscher Umgebung, bemerkten wir, wir sind in der normannischen Schweiz angekommen: bergauf strampeln und das nicht nur ein paar Meter. Nach dem zweiten Hügel beklagte Jola ihren Akkuzustand, sie hatte vergessen, gestern nachzuladen. Mir schwante bereits ein Tour-Abbruch. Doch wir hangelten uns weiter durch einsames Gelände Höhen hinauf, durften danach wieder rasante Abfahrten, abgebremst, genießen. Falls man mal eins der typischen Steinhäuser zu Gesicht bekam, mochte ich manchmal nicht wissen, wie die Mauern zusammengehalten werden. Andererseits gab es zurechtgemachte Häuser, an denen die typischen Schilder „Gites“ hingen. Nein, bis Clercy schaffe sie es nicht mehr, kommentierte Jola nach gut 6 Kilometern bei Cossesseville. Nach einem Blick auf die Karte entschieden wir, nicht mehr nach Clency, sondern zur D1 abzubiegen und auf der Hauptstraße nach Pont d’Oouilly zurückzufahren.
In Le Bo eine Einkehrmöglichkeit in all der Einsamkeit.

Café de Pays

Die Freude währte nur kurz, die Franzosen wankelmütig bei der Wahl von „ouvert“ und „ferme“. Am Straßenschild „geöffnet“, vor der Bar „fer…“.
Gegenüber auf der anderen Straßenseite einmal eins der „fertigen“ Häuser:

So verließen wir den Ort ohne Pause.

Wie man deutlich erkennen kann, gleich bergab.

Die Quälerei hatte aber noch kein Ende, immerhin signalisierte ein verblichenes grünes Werbeschild auf eine Ciderie. Hoffnung auf einen guten Tropfen keimte auf.
In La Loterie (nein, keine Lotterie) befand sich das Gelände der Ciderie, aber „ferme“, Mittagspause.
Danach bald die D1 erreicht, zweimal eine längere Abfahrt mit 10% Gefälle, die Bremsen rauchten.

Einmal den Sturzflug unterbrochen und in die Landschaft fotografiert:

Mittagszeit, Jola brutzelte in der Allroundpfanne das Hähnchen mit den Kartoffeln auf und schwupps war die Mahlzeit auf dem Tisch.

Lesezeit am WoMo. Ich opferte meine Freizeit und unterstütze den Campingplatzbetreiber bei der Pflege der Grünanlagen und schnitt die Buchenhecke ein Stück.

2022 Zwischenstopp Holland

Morgens um 06.30 Uhr

Von Leer ging es schon gegen 9 Uhr weiter, erst Richtung Groningen, wo uns eine Umleitung kurz ausbremste. Auf dem rund 32 km langen Damm (A7), der das Ijsselmeer von der Nordsee trennt, kam es wegen Baustellen zu Wartezeiten, die uns rund eine Halbe Stunde länger auf der Straße hielten. In Den Helder rollte mir ein Fußball vom Fußweg unters Auto, ein Knall und der Ball war gewesen. Camping De Donkere Duinen nahm uns auf, erst mal für zwei Tage gebucht. Pfannkuchen als kleine Stärkung gegessen.

Danach mit den Räder Fahrt durch wilde Dünenlandschaft, teils gepflegt von zotteligen schottischen Highlandern, bis ins Zentrum Den Helder. Die Sonne hatte sich bereits vormittags zugunsten von Wolken und stürmischen Winden verabschiedet.
Natürlich blies der Wind von vorne.
Diverse Wehranlagen aus napoleonischer Zeit, auf dem Fort Kijkduin Ausblick auf das Umland, Meer, den Ort Huisduinen und den in rot weit aufragenden Leuchtturm Lange Jaap.

In Den Helder Ausschau nach dem Fährterminal wegen morgiger Überfahrt nach Texel, dann auf dem Gelände von Willemsoord uns umgesehen, wo sich u.a. das Marine-Museums befand. Alte Gemäuer teils neuer Verwendung zugeführt, Cafés, Restaurants, Theater etc.

Von Wasser umgeben

Außen war eine hölzerne Säule angebracht, die figurinenhafte Dekolletés darstellte und alle verschiedene Schmuckstücke an Ketten um die Hälse trugen.

Über einen Steg verließen wir die „Halbinsel“, nur um die Straßenecke befand sich das Zentrum mit den verkehrsberuhigten Straßen. Bummel, Jola kaufte ein. Sahen Einkehrmöglichkeiten, doch mir lagen die Pfannkuchen noch im Magen, ohnehin bestand ja noch die Option, Essen in Huisduinen vor dem Fort.

Nahmen nicht den direkten Weg zurück zum Campingplatz, den wir uns für morgen für die Fahrt zu Fähre auserkoren hatten, sondern wieder am Deich entlang.

Restaurant Nogal Wiedus, Essen, Jola schaffte ihre Chips & Fisch nicht, obwohl sie so lecker waren. Hier im Mittelpunkt mein „Beachburger“ und das Texel-Bier blond. 17.30 Uhr Heimreise.

2019 Vaison-la-Romaine

01.08.2019 Donnerstag

Gern wäre ich noch länger hier geblieben, das Fest am Wochenende miterlebt. Nur sollte der nächsten Aufenthalt ja endlich näher an die Heimat heranrücken. Ursprünglich war als Etappenziel die Region Dentelles de Montmirail eingeplant, ein Herzstück des Weinbaus und Bestandteil der Route Touriste Cote du Rhône. Unbedingt besucht werden sollte vor der Abfahrt der Wochenmarkt in L‘Isle-sur-la-Sorgue. Ungewaschen und ohne Bissen radelten wir in die Stadt. Der Markt erstreckte sich durch die halbe Altstadt um die Kirche hin bis an die Ufer der Sorgue. Wir waren sehr früh vor Ort, manche Marktbeschicker bauten ihre Stände auf oder bestückten mit einem Lied auf den Lippen die Auslagen mit ihrem Sortiment, Oliven schaufelte man aus blauen Plastikeimern in hübsche halbrunden Holzschüsseln, der frische Schafskäse wurde appetitlich drapiert usw. Die Entscheidung fiel schwer, also erst einmal eine Proberunde gedreht und das Angebot gesichtet. Am Ende lagen ein Schwertfischsteak, Crevetten, Melonen, Tomaten, Oliven, Pate und vier runde Ziegenkäse in unserer Tragetasche. Zwei Baguette wanderten mit auf den Campingplatz.

Das Frühstück war verdient und entsprechend umfangreich im Angebot.

Es kam ein Ehepaar aus Hameln mit ihrem WoMo, parkten gegenüber ein. Kleiner Austausch an Reiseinformationen, woher, wohin, was ist passiert, wo ist es schön.

Jola schien die festgelegte Marke nicht weit genug gen Norden zu gehen. Egal, erst einmal losgefahren. Orte die wir „berührten“ oder durchfuhren waren Pernes-les-Fontaines, Carpentras, Aubignan und Vacqueyras, Weinstöcke so weit das Auge reichte, Orte wie Schwalbennester an Berghänge geklebt, bei offenen Fenstern das geräuschvolle Konzert der Zikaden. Eine Domaine nach der anderen warb auf seinen großen Straßenschildern mit Verkauf und Degustation. Gigondas (als „Lieblingsort“ bezeichnete die Reisebuchautorin diese Stadt) lag etwas oberhalb, die Straßen wurden enger, Jola befürchtete wieder, ich würde in ein Ortszentrum fahren, aus dem es keine „Wiederkehr“ gäbe (sprich keine Umkehrmöglichkeit etc.). Doch ich wagte die Einfahrt, mogelte mich quasi zwischen zwei Restaurants durch und erreichten einen Parkplatz, der sogar Wohnmobilstellplätze auswies. In einen freien schob ich unser WoMo zwischen PKW.

Als die Sonne beinahe am höchsten stand, durchkämmten wir die Gassen, auch hier Verkostungsstellen der Weingüter mit Verkauf, teils auch mit Restaurantbetrieb. Ateliers mit Kunst unterschiedlichster Prägung. Das Sensoriel lockte uns bis fast auf die oberste Ebene des Ortes. Ohne Eintritt durften wir in den Räumen aus diversen Glasfläschchen Riechproben durchführen, um zu erraten, welcher Duft uns in die Nase stieg (Thymian erriet ich als einzigen). Man erfuhr etwas über die Böden, auf denen der Wein angebaut wurde, konnten einen Film über den Anbau ansehen und einen Blick in den Weinkeller werfen. Grenache, Syrah und Mourvédre wachsen hier in höherer Lage scheinbar besonders erfolgreich, die Weine haben wegen der begrenzten Fläche auch ihren Preis.

Ein paar Kunstobjekte bereicherten die Umgebung um das Ausstellungsgebäude, von dessen Terrasse ich einen Blick ins Tal und auf das es begrenzende Bergmassiv hatte.

Gegessen hatten wir natürlich auch im Ort, bei Bar a Vin NEZ! in der Rue du Rouvis unter einer riesigen Platanen.

Jola machte eine Degustation, kaufte zwei Flaschen Weißwein.

Danach ging es im Talkessel weiter über Sablet nach Vaison-la-Romaine. Den Campingplatz ausgeschildert bereits vor Augen, standen wir zunächst an der falschen Stelle in der Straße, drehten bei, um ihn dennoch nicht zu entdecken. Einmal um den Kreisel vor dem römischen Theater, dann hinter dicker Mauer den Eingang gefunden. Einen schattigen Platz gab es noch, wie wir am nächsten Tag merkten, nur für eine Nacht. Der Platz war vorgebucht.

Spaziergang in den Ort. Überall liefen oder standen Menschen mit einer Akkreditierungskarte am Band um den Hals, ein Zeichen für das gerade begonnen Chorfestival, das hier alle drei Jahre ein Großereignis ist und wohl tausende Sänger in die Stadt spült. Aus der Arena klang von einer Probe Gesang auf den Campingplatz, der quasi gegenüber lag. Durch die vielen jungen Leute sowie den Besuchern wirkte die Stadt recht quirlig, die Straßen zudem nicht so eng und die Gassen weniger dunkel. Gelbliches Licht der Beleuchtung tauchte alles in ein Sujet alter Meister wie Van Gogh oder Picasso.

Jola verwies auf den Stadtplan und bugsierte uns auf der Römischen Brücke (aus dem 1. Jahrhundert n.u.Z.) über die Ouvèze (leicht vertrocknet) in Richtung Altstadt, die mit leichter Mühsal erklommen werden musste. Bei Sonnenschein ein beschaulicher Flecken Erde, die Gassen so eng, kam ein PKW musste ich den Bauch einziehen und mich zur Hauswand wenden. So altertümlich, man hätte hier Filme drehen können, Jahrhunderte zurückliegend. Eine Galerie (zwei Künstler) lockte ins Innere. Oft verwendete Muster in leicht abgewandelter Form bildeten ein Motiv, wie wenn man in ein Haus ohne Außenmauer schaut und die einzelnen Wohnungen mit ihrem Interieur und Bewohnern sieht.

Es war kurz vor 19 Uhr, die Schweißdrüsen taten ihre Arbeit ungebremst, die Zikaden trällerten ihren rasselnden Sound ebenso inbrünstig. Auf dem Weg zurück entdeckte ich eine an einem Telefonmast, gut getarnt in ähnlicher Farbe wie der Beton.

Eine gelungene Aktion fand ich die Sache mit den in der ganzen Stadt ausgelegten Büchern. Auf Mauern, Zaunfundamenten oder Fensterbänken lagen Exemplare aus, versehen mit einem Hinweis, dass man das Buch mitnehmen, lesen und an einem anderen Ort wieder auslegen dürfe.

Ab 20.30 Uhr hallte dann der Lyoner Jugendchor aus der Arena ins Umland.

02.08.2019 Freitag

Wie es zu der Entscheidung kam, einen Tag zu verlängern, lasse ich einmal dahingestellt. Problem war, wir durften nicht auf dem gleichen Platz verweilen. Blieb nichts anderes übrig, als einzupacken, abzuräumen und umzuparken. Der neue Platz war nicht schlechter, sogar näher zu den Sanitäreinrichtungen. Durch den Umzug verzögerte sich der Tagesablauf. Ich hatte aus dem Touristenbüro detaillierte Fahrradrouten der Umgegend besorgt und die Tour über Roaix, Rasteau bis hin nach Cairanne ausgesucht (den Rest der Rundfahrt vernachlässigte ich). 16 Km nach der Streckenbeschreibung, mit der Möglichkeit, alternative Wege zu fahren. Zwar fanden wir kaum wirkliche Radwege getrennt von der Fahrstraße vor, dafür aber wenig befahrene in landschaftlich schöner Umgebung am Rande des Talkesseln durch fast ausschließlich Weinfelder. Der Wind blies kräftig ins Tal und hinderte manchmal an geordneter Vorwärtsfahrt. Dafür schob er nach einer ziemlich steilen Abfahrt zusätzlich mächtig im Rücken an.

Die Trauben hingen dicht an dicht an den relativ kleinen Stöcken, wie schaffen die das nur, wenn die Trauben erst reif und schwer geworden sind?

Nach gut 5 Km den Ort Roaix durchfahren, als Abwechslung tauchten mit Pinien eingefasste Areale am Horizont auf, später in Jungform in Baumschulen in Reih und Glied gezüchtet.

Rasteau war mir als einer der Weinorte der Region in Erinnerung geblieben, wäre gerade das richtige Ziel zur rechten Zeit für eine Mittagspause gewesen. Um in den Ort zu gelangen bedurfte es einiger intensiverer Pedalumdrehung im Sportmodus. Umso enttäuschter blickte ich über den leeren Platz an der Touristeninformation. Eine Bar, vor der drei Einheimische bei einem Gläschen Bier saßen, ansonsten kein Angebot für Hungrige. Trotzdem gab es ein Mitbringsel aus diesem eher verschlafenen Weindorf. Eine Flasche aus der Domaine des Nymphes für 7,50 € kam in einer Plastikhülle mit auf die restliche Wanderschaft. Die Abzweigung nach Sablet war exakt beschrieben, doch es fehlte das grüne Radschild, gut, dass der Name des Feldweges (Chemin de la Dague) genannt war.

In Sablet fanden wir nach abgebremster und trotzdem rasanter Talfahrt nach etwas Sucherei am Marktplatz ein lauschiges und zugleich schattiges Plätzchen bei Le Bar des Sports für einen Mittagstisch. Schatten war, neben einer Flasche Wasser, ein wichtiger Aspekt um diese Tageszeit. Beide aßen wir recht appetitlich aussehende Pizza, dünner Teig, fast wie bei Flammkuchen. Nach der Zahl der Gäste musste es das einzige geöffnete Restaurant im Ort gewesen sein. Gestärkt verließen wir den Ort, sahen bald rechts Seguret, wieder ein Dorf an den Berg geklebt. Hochgewachsene Bambushecken begrenzten mancherorts die Felder.

Die Hitze spürte ich bei der Fahrt vermehrt unter dem Hut, das, obwohl der Gegenwind für reichlich Kühlung sorgte. Bald schloss sich der Kreis, das Tal war fast umrundet, vor Roaix nach Vaison-la-Romaine abgebogen.

Gewebegebiet, schon bei der Herfahrt aus dem WoMo geortet, jetzt zog es auf einem komfortablen Radweg vorbei, wenige hundert Meter weiter tauchte ein Miniatur von Stonehenge auf. Zügig geknipst, schnell weitergefahren, bloß nicht zu lange stehend/ruhend in der gleißenden Sonne verbringen. Pause am WoMo.

Abends losgezogen, vor der Arena dem Dargebotenen gelauscht. Auf der Bühne versuchten Menschen Menschen auf den Rängen (gut gefüllt) zum Mitsingen zu animieren. Sektenhaft wirbelten Hände von gelbbetuchten T-Shirtträgern in die Höhe, die sich schaukelnd wiegten. Die im Programm und auf Plakaten angekündigte A-Capella-Gruppe mit Jazz-Vokals kann das nicht gewesen sein, meinte Jola.

Wir fingen dann die Abendstimmung am Platz Montfort bei einem Bier/Pastis ein. Kinder turnten an den Wasserspielen, versuchten den Strahl mit Hand oder Fuß zu bändigen, genauso wie ein Hund versuchte, in die Fontäne zu beißen. Kinder rannten sich die Lunge aus dem Hals, Eltern jagten ihren Kleinen hinterher.

Bier und Pastis war ausgetrunken, ich angesäuselt, wollte langsam nach Hause. Jola eher geneigt, bis zum Morgengrauen hier auf dem Platz sitzen zu bleiben und sich von dem Gemurmel einlullen zu lassen.

Chormitglieder saßen in Gruppen zusammen, später stellten sich ein paar Jugendliche auf ein Podest und ließen sich von einem Mann dirigieren, tanzten und sangen in Spanisch zu ihrer Melodie. Abends wieder mal Streiterei um die nächste Etappe.

2022 Los ging es Richtung Frankreich

Geplantes Ziel waren die Kanalinseln. Eine Strecke von gut 1.200 Km lag vor uns. Über Holland, Belgien und Frankreich würden wir uns diesem Ziel nähern.

… und um 09.30 Uhr war dann Abfahrt. Noch auf der Rückfahrt aus Norwegen echauffierte ich mich über den schlechten Zustand der deutschen Autobahnen. Doch auf der Strecke bis nach Bremen weit gefehlt, keine Baustelle und keine Staus, fast so entspanntes Fahren wie in Norwegen oder Dänemark. So erreichten wir den Seglerverein in Leer kurz vor 13 Uhr. Ein WoMo aus Belgien stand bereits auf einem der drei Stellplätze. Ich nahm den rechten Platz der mir mehr Freiraum bot.

Seglerverein Leer

Strom gab es noch nicht, die Steckdose war abgeschlossen, der Stegwart in der Mittagspause. Mittagssnack im WoMo. Von einem Mann erfuhren wir den Code für den Zugang zu den Sanitäranlagen. Die bewegungsarme Fahrzeit tauschte ich gegen Aktivitäten, bspw. putzte ich die Frontscheibe mit dem neuen ausfahrbaren Wischmob, Wasser besorgte ich mir aus der Leda (Fluss). Nach einer kurzen Lesepause fuhren wir mit den Rädern ins Zentrum, kaum 600m entfernt. In der Fußgängerzone Absperrungen, es wurden Szenen für den nächsten Krimi der Serie „Friesland“ gedreht. Neugierige wurden in die Nebenstraße gedrängt, damit sie nicht ins Bild gerieten.

Gönnten uns im Hause Bünting einen Ostfriesentee und Kuchen. Den Tee natürlich mit echter Sahne getrunken.

Stammhaus der Firma Bünting
Teatime

Museumshafen Leer
(Blick auf den Museumshafen)

Angenehm kühle Temperatur herrschte hier im Inneren, während sich draußen schwüle Luft staute und mögliche Gewitter ankündigte. Spaziergang an die Marina. Auf dem Rückweg fiel mein Rad beim Foto-Shooting um, die Schutzblechhalterung blockierte mein Vorderrad. Jola war enteilt, schon am WoMo. Ich lag auf den Knien und fummelte an den Stangen herum, ohne hörbaren Erfolg. Hörbar, weil beim Fahren ein laut sirrendes Geräusch erzeugt wurde. Immerhin schaffte ich es bis zum WoMo. Dort war der Anschluss fürs Stromkabel vom Stegwart freigegeben und von Jola angeschlossen worden. Jola unterhielt sich mit den belgischen Stellplatznachbarn. Ich reparierte….